US-Milliardäre nutzen Offshore-Fonds Koch-Brüder bunkern Geld aus Madoffs Jahrhundertbetrug

Glückliches Händchen bei Geldtransfer: Milliardär David Koch hatte gemeinsam mit seinem Bruder Charles über Koch Industries in das Finanzsystem des Betrügers Bernie Madoff investiert, aber das Geld rechtzeitig abgezogen

Glückliches Händchen bei Geldtransfer: Milliardär David Koch hatte gemeinsam mit seinem Bruder Charles über Koch Industries in das Finanzsystem des Betrügers Bernie Madoff investiert, aber das Geld rechtzeitig abgezogen

Foto: © Carlo Allegri / Reuters/ REUTERS
Fotostrecke

Gates, Bezos und Co.: Das sind die reichsten Amerikaner

Foto: Ted S. Warren/ AP

Es war einer der großen Aufreger der Finanzkrise: 2008, auf dem Höhepunkt der weltweiten Marktturbulenzen, flog in New York der Jahrhundertbetrüger Bernard "Bernie" Madoff auf. Der Mann, der an der Wall Street zuvor jahrelang als angesehener Geschäftsmann und Investmentprofi gegolten hatte, wurde festgenommen, weil er Geldanleger jahrzehntelang mit einem riesigen sogenannten Schneeballsystem betrogen hatte.

Im Prozess gegen ihn war die Rede von 4800 - zum Teil prominenten - Opfern aus aller Welt, denen ein Schaden von insgesamt bis zu 65 Milliarden Dollar entstanden war. Es ist damit vermutlich der größte Fall privaten Anlagebetrugs in der Geschichte. Am 29. Juni 2009 wurde Madoff zu einer Haftstrafe von 150 Jahren verurteilt, die er gegenwärtig in einem Gefängnis im US-Bundesstaat North Carolina absitzt.

Die juristische Aufarbeitung des Falles Madoff war mit dem Urteil allerdings keineswegs abgeschlossen. Bis heute beschäftigen sich Gerichte mit der Causa, denn die Anleger, die durch Madoff Geld verloren, versuchen nach wie vor, ihre Verluste ersetzt zu bekommen.

Ein bemerkenswertes Urteil dazu hat jetzt ein Gericht in Manhattan gesprochen, und zwar vermutlich sehr zur Freude von zwei der prominentesten Wirtschaftsköpfe der USA, die an dem Prozess beteiligt waren.

Die Rede ist von den Brüdern Charles und David Koch, Herrscher über das Industrie-Konglomerat Koch Industries und mit einem Vermögen von jeweils 42,8 Milliarden Dollar vom US-Magazin "Forbes" unter den zehn reichsten Menschen Amerikas gelistet.

Auch die Kochs zählten einst zu den Kunden Madoffs. Laut "New York Times" steckten zeitweise 21,5 Millionen Dollar von Koch Industries, dem Konzern der Milliardärs-Brüder, im Investmentsystem des Finanzjongleurs. Als Madoffs Betrug 2008 aufflog, hatten die Kochs jedoch keinen Schaden - sie hatten das Geld schon 2005 wieder abgezogen.

Glück gehabt, könnte man meinen. Die späteren Madoff-Opfer sehen das jedoch anders. Sie erheben Ansprüche auf den Teil des Madoff-Investmentvermögens, der bereits vor dem großen Knall an Anleger ausgezahlt worden war. Zur Durchsetzung ihrer Ansprüche haben sie den Treuhänder Irving H. Picard eingesetzt.

Millionen flossen über Virgin Islands nach Großbritannien

Fotostrecke

Gates, Bezos und Co.: Das sind die reichsten Amerikaner

Foto: Ted S. Warren/ AP

Picard hat in der Sache bereits einige Erfolge erzielt. Laut "New York Times" erkämpfte er für seine Klienten aus Forderungen in Höhe von insgesamt 17,5 Milliarden Dollar bislang Zahlungen in Höhe 11,5 Milliarden Dollar. Um fünf Milliarden Dollar werde gegenwärtig noch gekämpft, so die "Times".

Ein Teil dieses Kampfes ist der jüngste Rechtsstreit, in dem nun ein Urteil erging, das allerdings noch nicht rechtskräftig ist: Neben den Koch-Brüdern stehen dabei laut "New York Times" 88 weitere Parteien in Picards Fokus. Dabei handele es sich vornehmlich um europäische Banken wie die UBS oder Credit Suisse, sowie um Investmenthäuser außerhalb der USA, wie die französische Gesellschaft Natixis und einen internationalen Arm von Merrill Lynch. Zusammen sollen diese Investoren bis zu zwei Milliarden Dollar aus dem Madoff-System vereinnahmt haben.

Geld also, dass Treuhänder Picard für die Opfer des Madoff-Betrugs einfordert - das diese dem Urteil des New Yorker Richters zufolge jedoch nicht erhalten werden. Der Grund: Die Gelder wurden auf Konten außerhalb der USA transferiert und entziehen sich damit dem Zugriff, so das Gericht.

Dass sich die fraglichen Madoff-Milliarden im Ausland befinden, mag bei nicht-amerikanischen Finanzhäusern nicht überraschen. Im Falle von Koch Industries, dem Konzern der Koch-Brüder, ist es jedoch mindestens bemerkenswert. Das Mischunternehmen, das weltweit im Geschäft mit Erdöl, Erdgas, Chemie, Energie, Asphalt, Kunstdünger, Nahrungsmitteln und Kunststoff tätig ist, hat seinen Hauptsitz in Wichita im US-Staat Kansas. Nach dem Lebens- und Futtermittelriesen Cargill ist Koch Industries der zweitgrößte, nicht börsennotierte Konzern der USA. Zudem gelten die Koch-Brüder als zwei der potentesten Spender der republikanischen Partei in den Vereinigten Staaten.

Die Gelder, die aus den Madoff-Investments zurückflossen, transferierten die Kochs dem Bericht zufolge zunächst in einen Fonds, der auf den British Virgin Islands registriert war, und dann zu einer Koch-Gesellschaft in Großbritannien. So hatten die Kochs, wie sich nun herausstellt, offenbar ein glückliches Händchen beim Umgang mit den Madoff-Millionen.

Treuhänder Picard, der Koch Industries bereits 2012 verklagt hatte, argumentierte laut "Times" zwar, die Gelder seien letztlich doch wieder in den USA gelandet. Damit konnte er das Gericht aber offensichtlich nicht überzeugen. Eine Sprecherin Picards sagte laut "Times" nicht, ob der Treuhänder gegen die Entscheidung des Gerichts vorgehen wird.

Mehr lesen über