Mittwoch, 16. Oktober 2019

US-Milliardäre nutzen Offshore-Fonds Koch-Brüder bunkern Geld aus Madoffs Jahrhundertbetrug

Glückliches Händchen bei Geldtransfer: Milliardär David Koch hatte gemeinsam mit seinem Bruder Charles über Koch Industries in das Finanzsystem des Betrügers Bernie Madoff investiert, aber das Geld rechtzeitig abgezogen

Es war einer der großen Aufreger der Finanzkrise: 2008, auf dem Höhepunkt der weltweiten Marktturbulenzen, flog in New York der Jahrhundertbetrüger Bernard "Bernie" Madoff auf. Der Mann, der an der Wall Street zuvor jahrelang als angesehener Geschäftsmann und Investmentprofi gegolten hatte, wurde festgenommen, weil er Geldanleger jahrzehntelang mit einem riesigen sogenannten Schneeballsystem betrogen hatte.

Im Prozess gegen ihn war die Rede von 4800 - zum Teil prominenten - Opfern aus aller Welt, denen ein Schaden von insgesamt bis zu 65 Milliarden Dollar entstanden war. Es ist damit vermutlich der größte Fall privaten Anlagebetrugs in der Geschichte. Am 29. Juni 2009 wurde Madoff zu einer Haftstrafe von 150 Jahren verurteilt, die er gegenwärtig in einem Gefängnis im US-Bundesstaat North Carolina absitzt.

Die juristische Aufarbeitung des Falles Madoff war mit dem Urteil allerdings keineswegs abgeschlossen. Bis heute beschäftigen sich Gerichte mit der Causa, denn die Anleger, die durch Madoff Geld verloren, versuchen nach wie vor, ihre Verluste ersetzt zu bekommen.

Ein bemerkenswertes Urteil dazu hat jetzt ein Gericht in Manhattan gesprochen, und zwar vermutlich sehr zur Freude von zwei der prominentesten Wirtschaftsköpfe der USA, die an dem Prozess beteiligt waren.

Die Rede ist von den Brüdern Charles und David Koch, Herrscher über das Industrie-Konglomerat Koch Industries und mit einem Vermögen von jeweils 42,8 Milliarden Dollar vom US-Magazin "Forbes" unter den zehn reichsten Menschen Amerikas gelistet.

Auch die Kochs zählten einst zu den Kunden Madoffs. Laut "New York Times" steckten zeitweise 21,5 Millionen Dollar von Koch Industries, dem Konzern der Milliardärs-Brüder, im Investmentsystem des Finanzjongleurs. Als Madoffs Betrug 2008 aufflog, hatten die Kochs jedoch keinen Schaden - sie hatten das Geld schon 2005 wieder abgezogen.

Glück gehabt, könnte man meinen. Die späteren Madoff-Opfer sehen das jedoch anders. Sie erheben Ansprüche auf den Teil des Madoff-Investmentvermögens, der bereits vor dem großen Knall an Anleger ausgezahlt worden war. Zur Durchsetzung ihrer Ansprüche haben sie den Treuhänder Irving H. Picard eingesetzt.

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