Dienstag, 18. Juni 2019

Monsanto-Manager drohten offenbar mit Rücktritt Bayer und Monsanto streiten um Spitzel-Listen

Ob auch er auf einer Monsanto-Liste stand? Demonstrant in Deutschland
Jannis Mattar/dpa
Ob auch er auf einer Monsanto-Liste stand? Demonstrant in Deutschland

Die Affäre um Listen mit Kritikern des von Bayer übernommenen US-Saatgutkonzerns Monsanto sorgt für Streit zwischen den beiden Konzernen. Bayer-Chef Werner Baumann hat seine Taktik geändert und ist nach der turbulenten Hauptversammlung in die Offensive gegangen, wie das manager magazin berichtet. Dazu zählt auch ein härteres Vorgehen gegen möglicherweise verwickelte Monsanto-Manager.

Das sorgt für Ärger. Die Manager von Monsanto seien mit der Art, wie Bayer die Affäre aufklären wolle, unzufrieden und hätten mit Rücktritt gedroht, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Bayer hatte sich nach dem Bekanntwerden einer Monsanto-Liste in Frankreich mit rund 200 Namen von Wissenschaftlern, Journalisten und Politikern entschuldigt und eine umfassende Untersuchung durch eine externe Anwaltskanzlei angekündigt. "Es ist uns wichtig, die Aufklärung des Sachverhaltes voranzutreiben," hatte Bayer-Chef Baumann in einem offenen Brief an den Deutschen Bundestag geschrieben. Nach aktuellem Stand gibt es Listen in Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Polen, Spanien und Großbritannien.

Kurz nach der Entschuldigung aus Leverkusen reagierten Monsanto-Manager dem Bericht zufolge auf einem Führungskräftetreffen der Agrarsparte mit Unverständnis auf dieses Vorgehen und drohten teils mit Rücktritt. Darunter seien Manager aus der Geschäftsleitung von Crop Science gewesen, denen wichtige Rollen bei der Integration des Saatgutherstellers zukämen. Aus Sicht der Manager sei Baumanns Kurs zu offensiv und die Bewertung des Vorgangs zu hoch gehängt. Ein Bayer-Sprecher räumte gegenüber der Zeitung ein, dass es intern unterschiedliche Positionen und Diskussionen gegeben habe.


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Die Bayer-Chefetage steht nach drei verlorenen US-Gerichtsprozessen um Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter unter Druck. Im dritten Prozess hatte das Gericht Bayer zu Schadensersatz von rund 2 Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) verurteilt - deutlich mehr als in den ersten beiden Prozessen, Bayer geht gegen alle Urteile juristisch vor.

Investoren fürchten nun Milliardenschäden und werfen Konzernchef Baumann vor, die Risiken des Monsanto-Kaufs unterschätzt zu haben. Baumann braucht gleichzeitig aber erfahrene Monsanto-Manager, die Integration der beiden Konzerne vorantreiben und das eigentlich gut laufende operative Geschäft von Monsanto weiter vorantreiben.

US-Richter drängt auf Vergleich zwischen Bayer und hunderten Klägern

In den USA indes drängt ein US-Richter im Glyphosat-Streit verstärkt auf den Versuch einer gütlichen Einigung. Der zuständige Richter Vince Chhabria, bei dem mehrere hundert Klagen von insgesamt 13.400 Klagen gegen Bayer gebündelt sind, bestellte auf vorläufiger Basis den angesehenen Mediator Kenneth Feinberg.

Er soll Gespräche zwischen Bayer und den Anwälten von Klägern über einen möglichen Vergleich leiten. Beide Seiten müssen Feinberg, der allerdings noch nicht zu 100 Prozent verpflichtet ist, nun binnen zwei Wochen treffen. Richter Chhabria hatte die Parteien bereits Mitte April aufgefordert, einen Mediator einzuschalten und angekündigt einen zu bestellen, falls sie sich nicht einigen können.

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