Dienstag, 28. Januar 2020

Microvast geht wie Tesla mit Batteriewerk nach Brandenburg Was die "neue Seidenstraße" mit Teslas Nachbarn zu tun hat

Microvast-Europachef Sascha Kelterborn (im Bildschirm-Visier) bei der Pressekonferenz zum Bau des Werks in Ludwigsfelde

2. Teil: "Glauben nicht, dass wir viele Abwerbungen von Tesla haben werden"

Auch Tesla versucht, die Energiedichte seiner Akkus zu erhöhen. Kooperiert Microvast bereits mit dem künftigen "Nachbarn" in Brandenburg?

Nein, wir arbeiten heute nicht mit Tesla zusammen. Doch in der Batteriefertigung kennen die Akteure einander, und es wird auch für Microvast sicherlich weitere Kooperationen geben. Unsere Zielsetzung ist ja, eine neue Technologie in den Markt zu bringen und so sicher wie möglich zu gestalten. Natürlich wollen wir unsere Technologie erstmal für unsere eigenen Systeme einsetzen. Das heißt aber nicht, dass wir nicht in weitere Entwicklungskooperationen einsteigen würden. Wir haben viele Sicherheitskomponenten, die auch für andere Batteriehersteller interessant wären.

Ihr künftiges Werk in Ludwigsfelde wird ja gleichzeitig auch zur europäischen Firmenzentrale von Microvast. Was genau wollen Sie denn außer der Fertigung von Batteriepacks dort vorantreiben?

Wir werden in Brandenburg Module und Batteriepacks weiter- und neuentwickeln, die exakt den europäischen Kundenanforderungen entsprechen. Schon jetzt gibt es häufig sehr individuelle Anforderungen für Batterielieferanten. Viele Fahrzeugplattformen sind noch auf Verbrennungsmotoren ausgelegt. Wir hatten häufig Diskussionen über den Bauraum mit Fahrzeugherstellern. Wenn wir denen dann erklärten, dass wir für eine höhere Energiedichte hier einen Zentimeter mehr Höhe oder Tiefe bräuchten, war das teilweise gar nicht mehr machbar.

Batteriezellen sind in größeren Mengen relativ schwer und deshalb nicht ganz einfach zu transportieren. Warum bauen sie ihr Werk ausgerechnet in Brandenburg - und nicht an einem Standort, der näher an einem Seehafen liegt?

Nur die Zellen zu befördern ist gar nicht so kompliziert. Aus unserem Werk in China können wir die Zellen entweder per Schiff oder per Zug liefern. Auf der "neuen Seidenstraße", also der Bahnverbindung von China nach Europa, können wir die Zellen auf der Schiene direkt bis nach Brandenburg bringen. Wir wollen unsere Zellen so CO2-arm wie möglich transportieren und auch Batteriepacks so produzieren. Brandenburg bietet zudem viele Vorteile bei erneuerbaren Energien.

Wie weit war die Nähe zur deutschen Hauptstadt Berlin für die Wahl ihrer Europazentrale wichtig?

Das war ein wichtiger Faktor. In der Metropolregion Berlin kann ich meine Mitarbeiter leben lassen. Für uns arbeiten viele Europäer und Asiaten. Die haben in Berlin den Vorteil, dass sie auch erstmal mit Englisch weiterkommen und nicht sofort Deutsch sprechen müssen. Berlin hat auch sehr gute Universitäten im Umkreis, mit denen wir bei Entwicklung und Forschung kooperieren wollen. Zudem wollen wir Mitarbeiter langfristig an uns binden und ihnen dann auch Wohnraum und Wohnmöglichkeiten bieten, der bezahlbar ist. Rund um Berlin ist das leichter als etwa rund um Frankfurt, München oder Hamburg.

Tesla hat schon die ersten Stellenanzeigen für sein Werk geschaltet. Wird die Nähe der "Gigafactory" es für sie nicht schwer machen, qualifizierte und gute Leute zu finden?

Wir haben die Entscheidung für Brandenburg früher getroffen, unsere Bauanträge sind bereits eingereicht. Wir haben am 1. April 2020 Spatenstich, im Januar 2021 werden wir unsere Produktion starten. Wir haben einen Generalunternehmer, der das Gebäude baut. Bei Tesla gibt es erst eine Absichtserklärung, mehr nicht. Zudem ist Teslas Standort in Grünheide gut 50 Kilometer von unserem Werk entfernt, liegt also weiter in Brandenburg. Unseren Standort haben wir so gewählt, dass er auch mit dem öffentlichen Nahverkehr aus Berlin gut zu erreichen ist. Das spielt für viele Arbeitskräfte nach wie vor eine Rolle. Wir sind ein sozial geprägtes, vom Inhaber geführtes Unternehmen. Wir versuchen Mitarbeiter auch mit einer adäquaten Work-Life-Balance an uns zu binden. Deshalb glauben wir, dass wir nicht so viele Abwerbungen durch Tesla haben werden.

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