Donnerstag, 14. November 2019

Girokonto und Überweisungen künftig teurer Banken drehen an der Gebührenschraube

Viele Banken in Deutschland wollen angesichts der schwachen Ertragslage und niedriger Zinsen die Gebühren erhöhen

Angesichts schwächelnder Gewinne werden die Kreditinstitute in Deutschland die Gebühren anheben. Umfragen kommen allerdings zu teils recht unterschiedlichen Ergebnissen: Bei einer Umfrage unter 120 Geldhäusern gaben 16 Prozent laut einer Umfrage des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY an, in diesem Jahr an der Gebührenschraube drehen zu wollen.

Im Fokus stehe dabei das Girokonto, das bei 13 Prozent der befragten Institute teurer werde. Für Überweisungen wollten 10 Prozent der Institute die Gebühren verhöhen. Der Finanzdienstleister Biallo hatte hingegen nach einer Umfrage erklärt, das 400 von 1200 Instituten in diesem Jahr planten, die Gebühren für das private Girokonto anzuheben - teilweise um bis zu 30 Prozent.

Banken und Sparkassen brechen wegen des Zinstiefs die Erträge weg. Lange verdienten die Institute gut daran, dass sie mehr Zinsen für Kredite kassierten, als sie Sparkunden auf deren Einlagen zahlten. Doch die Zeiten üppiger Zinsüberschüsse sind vorbei. Eine Zinserhöhung im Euroraum ist in weite Ferne gerückt.

Unicredit wälzt Strafzins auf Einlagen mit mehr als 1 Million Euro ab

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte jüngst zudem den Strafzins erhöht, den Banken zahlen müssen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Einzelne Banken wälzen diesen Strafzins zumindest teilweise auf ihre Kunden ab: Die italienische Unicredit will ab 2020 Kunden mit Einlagen ab einer Million Euro einen Negativzins abknöpfen. Vorstandschef Jean Pierre Mustier hatte bereits vergangene Woche mitgeteilt, die Bank plane die negativen Zinssätze der Europäischen Zentralbank auf Kunden mit einem Kontostand von mehr als 100.000 Euro abzuwälzen.

Geldhäuser setzen vor allem auf Kostensenkungen

"Die Banken stehen vor der Herausforderung, trotz eines dauerhaft extrem niedrigen Zinsniveaus profitabel zu wirtschaften", erläuterte EY-Experte Robert Melnyk. Dass die Institute dennoch nicht flächendeckenden Gebühren erhöhen, dürfte auf den Konkurrenzdruck auf dem deutschen Markt zurückzuführen sein. Hinzu kämen neue Wettbewerber, wie Technologiekonzerne oder Finanz-Start-ups.

Die Geldhäuser setzen daher auch auf Kostensenkungen. 22 Prozent der befragten Kreditinstitute wollen die Zahl der Mitarbeiter in diesem Jahr reduzieren. Vor allem beim direktem Kundenkontakt, zum Beispiel am Schalter oder bei der Beratung, dürften EY zufolge Stellen wegfallen. 19 Prozent der Institute rechnen dagegen mit steigender Beschäftigung. Zusätzliche Jobs könnten in Bereichen wie IT oder Risikomanagement entstehen.

rei/dpa/Reuters

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