Montag, 17. Juni 2019

Angebot für Axel-Springer-Verlag Friede Springer holt Finanzinvestor KKR zu Hilfe

Wunschpartner: Spinger-CEO Mathias Döpfner verhandelt schon länger mit KKR über den Einsteig

Der Finanzinvestor KKR will groß beim Verlag Axel Springer einsteigen und bietet den Aktionären 63 Euro je Aktie. Der Einstieg war erwartet worden. Die Aktie zieht zweistellig an - obwohl der Konzern gleichzeitig eine Umsatz- und Gewinnwarnung veröffentlicht.

Der Medienkonzern Axel Springer will sich wie erwartet den US-Finanzinvestor KKR an Bord holen. Die Amerikaner legen ein Übernahmeangebot vor und wollen zusammen mit Großaktionärin Friede Springer und Vorstandschef sowie Mit-Aktionär Mathias Döpfner die Gesellschaft kontrollieren, teilten die Parteien am Mittwoch in Berlin und Luxemburg mit.

Beide wollen mit KKR "zukünftig ihr Verhalten in Bezug auf die Gesellschaft abstimmen und ihre Stimmrechte gemeinsam ausüben", wie es in der Mitteilung weiter heißt. Dass KKR über einen Einstieg bei dem Konzern verhandelt, war bereits Ende Mai bekanntgegeben worden. KKR strebt eine Mindestannahmequote von 20 Prozent an.

KKR Börsen-Chart zeigen bietet 63 Euro je Springer-Aktie in bar. Am Dienstag Abend hatte die Aktie bei einem Kurs von 56 Euro geschlossen. Auf den volumengewichteten Durchschnittskurs bietet KKR einen Aufschlag von rund 31 Prozent. Die Papiere des Medienkonzerns legten am Mittwoch um 13 Prozent auf 62,50 Euro zu. Dass das Kursplus nicht noch höher ausfällt, könnte auch damit zusammenhängen, dass Axel Springer am Mittwochmorgen zugleich seine Prognose für den Umsatz und den Gewinn im laufenden Jahr nach unten korrigiert hat.

Vor gut zwei Wochen waren die Axel-Springer-Papiere bereits kräftig nach oben gesprungen und gewannen seither insgesamt gut 40 Prozent. KKR beendete damit die seit Frühjahr 2018 andauernde Saure-Gurken-Zeit für die Anleger des Medienhauses. Anfang 2018 hatte die Aktie ein Rekordhoch von rund 74 Euro erreicht, war dann aber binnen eines Jahres um knapp 50 Prozent eingebrochen. Erst die Gerüchte um einen Einstieg von KKR beendeten die Talfahrt.

Friede Springer und Mathias Döpfner halten 45,4 Prozent

Die Familie des "Bild"-Gründers Axel Springer hält einen Großteil der Anteile an dem börsennotierten Unternehmen. Die Witwe des Verlagsgründers, Friede Springer, kontrolliert den Medienkonzern, der zuletzt das Digitalgeschäft stark ausgebaut hat. 37,5 Prozent hält sie über die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik. Dazu kommt ein direkt gehaltener Anteil von 5,1 Prozent. Ihr Vertrauter Mathias Döpfner selbst hält 2,8 Prozent. Zusammen sind Friede Springer und Döpfner mit 45,4 Prozent beteiligt und werden ihre Anteile laut Vereinbarung mit KKR auch behalten.

Zudem bekommt Friede Springer eine Art Veto-Recht. Die Vereinbarung mit KKR sehe vor, dass "keine Entscheidungen auf Gesellschafterebene ohne die Zustimmung von Friede Springer getroffen werden können", heißt es. Die Enkelkinder des Verlagsgründers Axel Springer, Axel Sven und Ariane Melanie, halten zusammen 9,8 Prozent. Was die Enkelkinder mit ihren Anteilen vorhaben, ist nicht bekannt.

Friede Springer will den Verlag zusammen mit KKR kontrollieren

Springer-Chef Mathias Döpfner betonte die Entwicklungsperspektiven, die sich mit dem Einstieg von KKR böten. "Durch die strategische Partnerschaft mit KKR könnten wir erhebliche Wachstumschancen ergreifen, da wir uns zusätzliche finanzielle Ressourcen erschließen und uns zugleich von der reinen Fokussierung auf kurzfristige Finanzziele lösen", sagte er laut Mitteilung. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte beim Bekanntwerden der Gespräche mit KKR berichtet, Ziel des Vorhabens insgesamt sei es auch, den Konzern von der Börse zu nehmen.

Springer mit digitalen Anzeigenplattformen breit aufgestellt

Döpfner hatte das Unternehmen in den vergangenen Jahren immer stärker auf die Veränderungen durch die Digitalisierung eingestellt. Axel Springer wolle "ein weltweit führender Anbieter von digitalem Journalismus und digitalen Rubrikenangeboten werden", hieß es. Neben den Onlineangeboten von "Welt plus" und "Bild plus" verfügt das Unternehmen über eine Reihe an digitalen Anzeigenplattformen, wie etwa das Jobportal Stepstone oder die Immobilienplattformen immowelt.de, immonet.de und immoweb.de.

Das Digital-Geschäft soll weiter ausgebaut werden. Zuletzt wurde etwa über ein Interesse Springers am Kleinanzeigengeschäft von Ebay spekuliert. Solche teuren Investitionen könnten mit dem Einstieg von KKR erleichtert werden, worauf Analysten bereits hingewiesen hatten.

Döpfner: Friede Springer bleibt auch bei Mehrheit von KKR auf Augenhöhe

Das Medienhaus sieht sich daneben aber weiterhin dem unabhängigen Journalismus verpflichtet. "Unsere journalistischen Prinzipien und unsere Unternehmenskultur bleiben Grundlage, auf die wir bauen und in die wir vertrauen", sagte die Witwe des Verlagsgründers, Friede Springer. Die Parteien seien sich darüber einig, dass Springer "über sämtliche Kanäle hinweg, national wie international, eine führende Stimme für unabhängigen Journalismus sein wird."

Verlag gibt Umsatz- und Gewinnwarnung heraus

Wie der Axel Springer am Mittwoch weiter mitteilte, hat der Medienkonzern seine Prognose wegen einer schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung und der Einführung einer Digitalsteuer in Frankreich gesenkt.

Beim Jahresumsatz geht der Konzern nun von einem Rückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich aus, nachdem zuvor ein Erlös auf Vorjahresniveau in Aussicht gestellt wurde. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) dürfte nun im mittleren einstelligen Prozentbereich sinken, statt auf Vorjahresniveau zu bleiben. Zudem werde die Wachstumsstrategie 2020 zu einem deutlichen Rückgang des operativen Ergebnisses gegenüber dem laufenden Jahr führen, erst in den Jahren danach erwartet das Management Besserung.

An den in seiner Strategie vorgesehenen Investitionen halte der Konzern trotz schwächerer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen fest, hieß es zur Begründung. Außerdem schlage die zwischenzeitlich in Frankreich verabschiedete Digitalsteuer zu Buche. In dem in den vergangenen Jahren stark ausgebauten Digitalgeschäft kommen die Belastungen zum Tragen. Dort dürfte der Umsatz im günstigen Fall nur noch im niedrigen statt im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen, das operative Ergebnis im mittleren einstelligen Prozentbereich sinken statt stabil zu bleiben.

rei/dpa/Reuters

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