Donnerstag, 27. Juni 2019

Brasilianische Natura einigt sich mit Avon auf Übernahme Mega-Deal in Kosmetik-Industrie

Lippenstifte von Avon: Wo ist die Avon Lady?
Bloomberg via Getty Images
Lippenstifte von Avon: Wo ist die Avon Lady?

Der für seine Beraterinnen bekannte US-Kosmetikkonzern Avon ist so gut wie verkauft. Natura Cosmeticos und die Amerikaner haben sich auf eine Übernahme geeinigt, teilt der brasilianische Wettbewerber mit. Der Kaufpreis soll vollständig in eigenen Aktien bezahlt werden.

Übernahmespekulationen hatten am Mittwoch den Kurs des US-Kosmetikkonzerns Avon zu Handelsbeginn zweistellig oben getrieben. Erst nach US-Börsenschluss aber stand fest, worüber das "Wall Street Journal" (€) und die "Financial Times" (€) am Mittwoch zuvor berichtet hatten:

Der brasilianische Kosmetik-Konzern Natura Cosmeticos wird Avon übernehmen. Man habe sich mit den Amerikanern auf eine Übernahme geeinigt, teilten die Brasilianer am späten Mittwochabend (Ortszeit) mit. Den Kaufpreis wolle Cosmeticos vollständig in eigenen Aktien bezahlen. Der geschätzte Wert des Deals werde 3,7 Milliarden US-Dollar betragen. Die Aktionäre beider Unternehmen müssen dem Deal noch zustimmen. Die Übernahme solle spätestens 2020 abgeschlossen sein.

Natura bringt es an der Börse auf einen Marktwert von etwa 6 Milliarden US-Dollar. Avon ist derzeit gut 1,5 Milliarden Dollar wert. Am Mittwoch waren die Papiere nach den bestätigten Übernahmegesprächen mit einem Aufschlag von fast 10 Prozent aus dem Handel gegangen.

Natura Cosméticos mit Sitz in São Paulo würde nach der Übernahme über eine Holding rund 76 Prozent der Avon-Gruppe besitzen, während die restlichen Anteile bei Avon-Aktionäre verblieben, teilte Natura weiter mit. Die Übernahme würde Natura weltweit zum viertgrößten Hersteller und Anbieter von Schönheitsprodukten befördern und der brasilianischen Marke eine globale Reichweite verleihen.

Avon hat den Zeitgeist verschlafen - bereits 2300 Stellen gestrichen

Die "FT" hatte zuvor berichtet, dass sich der Body-Shop-Mutterkonzern Natura Cosmeticos den Rivalen Avon in einer mehr als zwei Milliarden Dollar schweren Transaktion einverleiben wolle. Übernahmefantasie treibt Avon-Papiere schon länger: Seit Jahresbeginn hat sich der Aktienkurs mehr als verdoppelt.

Avon hatte in den vergangenen Jahren Probleme und musste im Januar 2300 Stellen streichen. Der Kosmetikhersteller, der das Direktvertriebsmodell eingeführt hat, ist in der Vergangenheit hinter konkurrierende Kosmetikmarken zurückgefallen, die sich schneller an den auch durch soziale Medien stark veränderten Markt anpassen konnten. So hatte Avon schließlich Marktanteile an Wettbewerber wie Sephora, Estée Lauder und L'Oréal verloren.

Natura ist dem Bericht zufolge überzeugt, die Marke Avon wieder mit Leben erfüllen zu können. Avon wurde auch deutschlandweit bekannt, weil Avon-Beraterinnen quer durch die Republik von Haustür zu Haustür gingen und so die überwiegend weiblichen Kundinnen für ihre Produkte zu gewinnen versuchten. Auch Natura setzt auf das Geschäft an der Haustür und hat Tausende Beraterinnen unter Vertrag. Durch den Kauf von Avon kann Natura international weiter expandieren, insbesondere in Asien, Europa und Lateinamerika.

Vor drei Jahren hatte Avon beschlossen, sein Nordamerika-Geschäft, das von der Private Equity-Gruppe Cerberus Capital kontrolliert wird, auszulagern. Das ausgegliederte Unternehmen übernahm 230 Millionen Dollar von Avons langfristigen Verbindlichkeiten, was Natura den Kauf von Avon erleichtern dürfte.

Die südamerikanische Gruppe hatte "The Body Shop" 2017 von L'Oréal übernommen und sich darauf konzentriert, die Präsenz des britischen Einzelhändlers weltweit zu verbessern.

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