Donnerstag, 5. Dezember 2019

Kehrtwende im dritten Quartal nach schwachem ersten Halbjahr Deutsche Autobauer steigern Umsatz und Gewinn - und hängen weltweite Konkurrenz ab

Volkswagen Atlas: Teure SUVs verkaufen sich weiterhin glänzend - die weltgrößten Autohersteller haben ihre Gewinne im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent gesteigert

Kehrtwende nach einem schwachen ersten Halbjahr: Im dritten Quartal haben die deutschen Autobauer Daimler, BMW und VW Umsatz und Gewinn wieder gesteigert und konnten damit das Gros der übrigen weltweit führenden Autohersteller hinter sich lassen. Beim Umsatz legten die drei deutschen Konzerne um 9 Prozent zu, während die übrigen "Autonationen" Japan, Frankreich und USA jeweils rückläufige Umsätze meldeten.

Eine ähnliche Entwicklung gab es beim Neuwagenabsatz, der bei den deutschen Autobauern insgesamt um fünf Prozent zulegte, während der Gesamtmarkt um zwei Prozent schrumpfte. Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 16 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) quartalsweise erstellt.

Weniger Autoverkäufe in China - doch VW, Daimler und BMW legen dort zu

Besonders in China zeigten die deutschen Autohersteller in einem schwachen Gesamtmarkt relative Stärke: Um sechs Prozent sanken die Verkäufe der 16 weltweit führenden Autokonzerne im Reich der Mitte. Die US-Hersteller verzeichneten einen Rückgang um 20 Prozent, bei den japanischen Herstellern schrumpfte das China-Geschäft um 28 Prozent, bei den französischen Autobauern sogar um 55 Prozent. Nur die deutschen Autobauer konnten insgesamt dem Abwärtstrend trotzen und steigerten die Neuwagenverkäufe in China um ein Prozent.

5 von 16 Autobauern erhöhten Umsatz: VW, Daimler, BMW, Kia und Toyota

Nur fünf der 16 analysierten Unternehmen konnten ihren Pkw-Absatz im dritten Quartal erhöhen - das stärkste Plus verzeichneten die drei deutschen Konzerne: Daimler legte um acht Prozent zu, Volkswagen und BMW jeweils um vier Prozent.

Außer den deutschen Autobauern konnten nur Kia und Toyota mehr Autos verkaufen als im Vorjahreszeitraum. "Die Nachfrage entwickelt sich weltweit nach wie vor schwach, gerade in China", beobachtet Peter Fuß, Partner bei EY. "Es drohen Überkapazitäten und damit neue finanzielle Belastungen. Die optimistischen Prognosen aus der Vergangenheit sind inzwischen Makulatur, China hat sich vom Wachstumsmotor zum Sorgenkind der Autobranche entwickelt."

Gewinnplus dank teurer SUVs

Beim weltweiten Umsatz konnte hingegen immerhin die Hälfte der Unternehmen zulegen - vor allem dank des anhaltenden Booms bei SUVs und Pick-ups. So schafften etwa die US-Konzerne trotz eines Absatzrückgangs um sieben Prozent ein Gewinnplus von 10 Prozent - bei einem nur um ein Prozent gesunkenen Umsatz. "Der Trend zu größeren und teureren Autos federt derzeit noch die Auswirkungen sinkender Stückzahlen ab und sorgt für steigende Gewinne. Mittelfristig stellt diese Entwicklung aber ein Problem dar - es wird immer schwerer, die strengen CO2-Vorgaben einzuhalten", betont Fuß.

Um die CO2-Bilanz der eigenen Neuwagenflotte aufzubessern und hohe Strafzahlungen zu vermeiden, setzen viele Autokonzerne zunehmend auf Elektroautos, beobachtet Fuß: "Im kommenden Jahr werden wir einen kräftigen Absatzanstieg von Elektroautos sehen - neue Modelle auch im Kleinwagen- und Kompaktsegment kommen auf den Markt, die Lieferzeiten werden kürzer, attraktive Finanzierungangebote machen Elektromobilität bezahlbar."

la/dpa-afx

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