Montag, 23. September 2019

Milliardenbewertung für Gebrauchtwagenportal "Und dann kam Oma"

 Von null auf 2,9 Milliarden: Hakan Koç (l.) und Christian Bertermann steuern eines der wertvollsten Start-ups weltweit
Kai Müller für manager magazin
Von null auf 2,9 Milliarden: Hakan Koç (l.) und Christian Bertermann steuern eines der wertvollsten Start-ups weltweit

3. Teil: Intransparenter Markt

Hauptkritikpunkt: Der am Ende gezahlte Preis ist oft viel niedriger als das erste Angebot. "Wenn die Erfahrung der Kunden nicht so rosig ist wie das Kundenversprechen, ist die Frage, wie nachhaltig das Geschäftsmodell ist", sagt Google-Manager Justus. Andererseits lebe der Gebrauchtwagenmarkt von einer gewissen Intransparenz, meint Bain-Experte Stricker. "Wer einen Informationsvorsprung über den Zeitwert der Autos hat, kann gute Profite machen." Zudem sind Autobesitzer selten zufrieden mit dem Preis, egal an wen sie verkaufen.

Koç kann die Anfeindungen nur bedingt nachvollziehen. "Wir handeln 450.000 Fahrzeuge im Jahr, die gemessene Kundenzufriedenheit liegt bei 70 bis 80 Prozent. Solche Werte erreicht man nur mit einem seriösen Angebot." Den Vorwurf der Bauernfängerei weist er von sich. "Sicher gibt es Kunden, die mehr erwartet hätten, aber die wissen oft nicht, dass ein Auto in drei Jahren 50 Prozent an Wert verliert und die Preise auf Mobile.de keine Marktpreise sind."

Praxischeck in Hamburg: Unser silbergraues Testobjekt ist 13 Jahre alt und hat schon ein paar Kratzer. 7153 Euro stellt WKDA online für die Mercedes-B-Klasse in Aussicht. Nach einer halbstündigen Inspektion bleiben davon 4175 Euro übrig - ein Preisrutsch von mehr als 40 Prozent. Begründung: keine. Das System ist unbestechlich, auch der Angestellte kann die Abweichung nicht erklären.

Einem Insider zufolge kommen die hohen Preisdifferenzen zustande, weil für die Berechnung des Erstangebots nur theoretische Restwerte herangezogen werden. "Wir brauchen noch zwei bis drei Jahre, bis wir genügend eigene Preise in der Datenbank haben, um exaktere Prognosen zu machen", sagt er.

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10 Prozent Marktanteil in der zersplitterten Branche strebt Auto1 langfristig an. Allein in Deutschland würde dies einen Umsatz von gut acht Milliarden Euro bedeuten, fünfmal so viel wie 2016. Selbst bei einer Marge im niedrigen einstelligen Bereich, wie sie im Gebrauchtwagenhandel üblich ist, bliebe dann ein dreistelliger Millionengewinn hängen. Da der Zwischenhandel entfällt, sei das Potenzial indes "höher als bei einem reinen Vermittler", sagt Koç.

Auch ein Verkauf an private Endkunden sei denkbar, ein Test mit rund 300 Fahrzeugen läuft gerade in Berlin. "Wenn das Konzept ein Erfolg wird, würden wir das bundesweit ausrollen", so Bertermann. Ein Gang an die Börse steht jedoch nicht zur Debatte. "Welchen Vorteil hätten wir davon?"

An Kapital scheint es tatsächlich nicht zu mangeln, weder beruflich noch privat. Die beiden Gründer haben jüngst mit eigenem Geld einen Wagnisfinanzierer ins Leben gerufen und fördern kleinere Start-ups. Schon der Name klingt, als hätten sie noch einiges vor: Warpspeed.

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