Dienstag, 23. Juli 2019

Aussage im Wölbern-Prozess Im Angeklagten Schulte brodelt es

Weist alle Vorwürfe zurück: Ex-Wölbern-Chef Schulte (Mitte) mit seinen Anwälten

Ex-Wölbern-Chef Heinrich Maria Schulte hat sich erstmals seit Beginn des Untreueprozesses gegen ihn wieder ausführlich vor Gericht geäußert. Ein emotionaler Auftritt - und eine Kampfansage.  

Hamburg - Im Prozess gegen Heinrich Maria Schulte, den Ex-Chef des Fondshauses Wölbern Invest, schien sich bereits ein Ende anzudeuten. An einem der vergangenen Verhandlungstage war schon die Rede davon, die Staatsanwaltschaft betrachte die Beweisaufnahme als so gut wie beendet. Das jedoch, so hieß es, sehe die Verteidigung völlig anders.

Dass das keine leeren Worte waren, konnten Besucher der heutigen Verhandlung bereits am Saaleingang im Landgericht Hamburg feststellen. Der dort ausgehängte Zettel mit den Prozessterminen war plötzlich um einige Zentimeter länger als zuvor. Zwölf neue Termine haben die Beteiligten vereinbart. Bislang stand als letzter Verhandlungstag der 19. Dezember auf dem Plan - nach neuem Stand geht es wohl mindestens bis März kommenden Jahres (alle neuen Termine gibt es auf Twitter: @ChrRottwilm).

Den Grund für die Verlängerung erfuhr das Publikum in der Verhandlung. Dort ergriff der Angeklagte Professor Schulte erstmals seit Beginn des Prozesses wieder ausführlich das Wort, um sich zu den Vorwürfen gegen ihn zu äußern.

Seit Mai dieses Jahres läuft das Verfahren bereits. Die Staatsanwaltschaft wirft dem gelernten Mediziner, der sich vor einigen Jahren das Bankhaus Wölbern nebst Fondsabteilung zugelegt hatte, gewerbsmäßige Untreue in 360 Fällen vor. Insgesamt 147 Millionen Euro soll Schulte aus geschlossenen Fonds von Wölbern Invest unrechtmäßig entnommen und zweckentfremdet haben, was er selbst bestreitet. Allen Unschuldsbeteuerungen zum Trotz sitzt Schulte jedoch seit September 2013 in Untersuchungshaft.

Schultes Stimme scheint zu zittern

Dass all das an Schulte nicht spurlos vorübergeht, wird gleich zu Beginn des etwa 45-minütigen Statements deutlich, das der Angeklagte am heutigen Donnerstag im Gericht vorträgt. Im Gegenteil: In dem Mann auf der Anklagebank brodelt es ganz offensichtlich.

Selbst seine Gegner dürften Schulte kaum absprechen, dass er zumindest bis zu den Vorgängen bei Wölbern Invest eine beeindruckende Karriere hingelegt hat, sowohl als Mediziner wie auch als Unternehmer und Investor. Eingerahmt von seinen Verteidigern sitzt dort im Gericht also ein Alphamann wie er im Buche steht, mit jahrzehntelanger Führungserfahrung - doch als er das Wort an den vorsitzenden Richter Peter Rühle richtet, scheint Schultes Stimme zu zittern und sein Gesicht färbt sich rot.

Verwundern können die Emotionen des Angeklagten kaum. Nicht genug damit, dass er die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft eigenen Angaben zufolge für rundweg unbegründet hält. Schwerer noch wiegt offenbar die Inhaftierung. Gerade erst hat das Gericht einen Antrag Schultes auf Haftentlassung abgelehnt. Darin hatte der Ex-Wölbern-Chef mit sehr persönlichen Worten geschildert, wie sehr ihm der Gefängnisaufenthalt zu schaffen mache.

Darauf kommt Schulte auch zu Beginn seiner heutigen Einlassungen zu sprechen. Das Gericht betrachte ihn als Wirtschaftskriminellen, der Urkunden fälsche und sein unerlaubtes Handeln über Jahre vorbereitet habe, sagt Schulte mit Blick auf die jüngst beschlossene Haftverlängerung. Diese Haltung werde zwar schwer zu entkräften sein. Schulte sei jedoch entschlossen, sich der Aufgabe zu stellen, und zwar gleichgültig, ob er zu dem Zweck - wie gegenwärtig - aus der Haft vorgeführt werden müsse oder das Gericht durch den gleichen Eingang betreten könne, wie seine Anwälte.

Dann kommt er zur Sache: Schulte sagt, dass

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