Mittwoch, 27. Mai 2020

Hammer fällt bei 38 Millionen Dollar Ferrari 250 GTO stellt neuen Auktions-Weltrekord auf

Ferrari, Mercedes und Co.: Die teuersten Oldtimer aller Zeiten
Bonhams

38 Millionen Dollar für ein einziges Auto - in Kalifornien war ein Unbekannter bereit, diesen Preis zu zahlen. Allerdings nicht für irgendeinen Wagen: Unter den Hammer kam ein knallroter Ferrari 250 GTO - davon wurden überhaupt nur 36 gebaut.

Hamburg - Die 50 Millionen Dollar, über die im Vorfeld spekuliert worden war, wurden es dann doch nicht: Der knallrote Ferrari 250 GTO aus dem Jahr 1962, über dessen anstehende Versteigerung manager magazin online schon vor einigen Wochen berichtet hatte, kam in der vergangenen Nacht in Kalifornien zum Preis von 38 Millionen Dollar (etwa 28 Millionen Euro) unter den Hammer. Das ist der höchste Preis, der bisher auf einer Auktion für ein Auto gezahlt wurde. Nur in Privatverkäufen, so ist in Oldtimerkreisen zu hören, werden besondere Einzelstücke mitunter zu noch höheren Preisen gehandelt.

Einzelstücke wie eben jener Ferrari, der jetzt in Monterey vom Auktionshaus Bonhams anlässlich des namhaften Oldtimertreffens Pebble Beach Concourse d'Elegance versteigert wurde: Es war das erste Mal seit mehr als zehn Jahren, dass ein 250 GTO auf einer Auktion den Besitzer wechselte. Das Modell spielt in der Sammlerwelt in einer eigenen Liga, sagen Experten. Die Preise seien seit Anfang der 2000er Jahre von weniger als zehn Millionen Dollar auf inzwischen bis zu 50 Millionen Dollar pro Exemplar gestiegen. In einer privaten Transaktion, so heißt es, wurde kürzlich ein GTO für 52 Millionen Dollar verkauft. Ein Auto des gleichen Typs, das kürzlich für 63 Millionen Dollar auf der Handelsplattform mobile.de offeriert wurde, entpuppte sich dagegen kurz darauf als offensichtlicher Fake.

Lediglich 36 Autos stellte Ferrari in den 1960er Jahren von diesem Modell her. In Pebble Beach stand jetzt die Nummer 19 der Baureihe zum Verkauf. Der rote Flitzer mit der Chassis-Nummer "3851 GT" war im September 1962 an den französischen Rennfahrer Jo Schlesser übergeben worden, der damit gemeinsam mit seinem Co-Piloten, dem französischen Skifahrer Henri Oreiller, im gleichen Jahr zweiter der Tour de France für Automobile wurde.

Wenig später hatte der Ferrari ebenfalls in Frankreich einen schweren Unfall, bei dem Beifahrer Oreiller ums Leben kam. Nach der Instandsetzung des Fahrzeugs und einigen weiteren Stationen kam Schlessers GTO 1965 in den Besitz des italienischen Sammlers Fabrizio Violati, dessen Geld aus dem Mineralwassergeschäft seiner Familie stammte. Bis in die 2000er Jahre hinein habe Violati mit dem Auto an Classic-Car-Events teilgenommen, so Bonhams - dann kam das gute Stück ins Museum.

Bisher hielt ein "Silberpfeil" den Preisrekord

Letzter Besitzer des Ferraris und aktueller Verkäufer war laut US-Sender CNBC eine Gruppe von Investoren, die den Wagen nach dem Tode Violatis im Jahr 2010 erworben hatte. Für den Boliden und eine Sammlung weiterer Klassiker hatten die Käufer seinerzeit angeblich 100 Millionen Dollar auf den Tisch gelegt.

Wer das Auto nun ersteigert hat, gab das Auktionshaus zunächst nicht bekannt. Der Preis allerdings blieb trotz des Rekordes leicht hinter einigen Erwartungen zurück. Fachleute wie der Schweizer Ferrari-Historiker und Berater von Sammlern Marcel Massini hatten bereits erwartet, dass der Wagen einen neuen Rekord für Oldtimerauktionen setzen wird. Dabei war auch über einen Preis von mehr als 50 Millionen Dollar spekuliert worden.

Zum Vergleich: Der höchste bislang bei einer Auktion gezahlte Preis für ein klassisches Automobil betrug nach Angaben der auf den Oldtimermarkt und die Bewertung spezialisierten Firma Classic-Analytics aus Bochum knapp 30 Millionen Dollar. Für das Geld wechselte im vergangenen Jahr ebenfalls auf einer Bonhams-Auktion ein Mercedes-Benz des Typs W196R aus dem Jahr 1954 den Besitzer. Der Wagen wird im Volksmund auch als "Silberpfeil" bezeichnet und hat Renngeschichte geschrieben.

Erst vor Kurzem setzte sich zudem ein Auto mit einem Versteigerungspreis von 18,4 Millionen Dollar auf Platz zwei beziehungsweise seit vergangener Nacht Platz drei der ewigen Rangliste. Dabei handelt es sich wiederum um einen Ferrari, allerdings vom Typ 375 Plus Competizione, ebenfalls aus dem Jahr 1954.

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