Freitag, 6. Dezember 2019

Strompreis Ökostrom-Umlage steigt auf 6,24 Cent

Treibt die Stromkosten: Energie aus Wind und Sonne

Offiziell wird die Zahl erst am Dienstag. Heute sickert bereits durch, die Ökostrom-Umlage für Verbraucher wird 2014 um rund ein Fünftel auf 6,24 Cent je Kilowattstunde steigen. Breiter Widerstand regt sich.

Düsseldorf/Berlin - Der Aufschlag für die Ökostrom-Förderung auf den Rechnungen der Verbraucher wird im kommenden Jahr nach Angaben aus Branchen- und Regierungskreisen 6,24 Cent pro Kilowattstunde betragen. Er steige damit um knapp einen Cent im Vergleich zum Aufschlag in diesem Jahr, sagten am Montag mehrere mit der Zahl Vertraute der Nachrichtenagentur Reuters.

Ein Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden müsste damit für den Strom aus erneuerbarer Energie wie Wind oder Sonne inklusive Mehrwertsteuer rund 40 Euro mehr als in diesem Jahr bezahlen. 2013 war die EEG-Umlage um fast zwei Cent auf 5,277 Cent gestiegen. Die Netzbetreiber veröffentlichen die Zahl für 2014 am Dienstag.

Verbraucherschützer, Unternehmer und Experten fordern von der neuen Bundesregierung angesichts weiter steigender Strompreise einen Kurswechsel in der Energiepolitik.

Der langjährige Umweltstaatssekretär Rainer Baake (Grüne) fordert mit einem Reformvorschlag, den Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bereits in den Sondierungsgesprächen mit den Grünen thematisierte, eine deutliche Kostenbegrenzung bei der Energiewende. "Unser Vorschlag mutet allen Gruppen etwas zu", sagte Baake der Deutschen Presseagentur. Statt einst mehr als 50 Cent pro Kilowattstunde will der Leiter der Denkfabrik "Agora Energiewende" nur noch eine maximale Vergütungs-Obergrenze für neue Windparks und Solaranlagen von 8,9 Cent je Kilowattstunde zulassen.

Konzepte gegen weiteren Preisanstieg in der Diskussion

Ziel sei es, einen weiteren Anstieg der Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien zu vermeiden, sagte Baake, der einst unter Rot-Grün das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit auf den Weg gebracht hatte. Das Konzept sieht auch eine stärkere Kostenbeteiligung bisher weitgehend befreiter Unternehmer mit hohem Stromverbrauch vor - und von Bürgern, die sich mit selbstproduziertem Strom versorgen.

Der Vorstandschef des Energieversorgers Eon , Johannes Teyssen, sagte der "Bild": "Es muss einen grundlegenden Neustart bei der Energiewende geben, die Zeit des Durchwurschtelns ist vorbei." Das EEG in seiner jetzigen Form führe zu einer unsozialen Umverteilung von unten nach oben. Um die Kosten besser zu verteilen, schlägt er eine "Flatrate" für das Stromnetz vor - die auch diejenigen bezahlen, die ihren Strom selbst produzieren.

Deutschlands oberster Verbraucherschützer Gerd Billen forderte eine Obergrenze bei den Kosten für die Energiewende. "Die Höhe der EEG-Umlage muss gedeckelt werden", sagte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen dem "Focus". "Jeder weitere Anstieg untergräbt den Glauben an die Energiewende." Um die Kosten gerechter zu verteilen, sollte ein Teil der Öko-Subventionen aus Steuermitteln finanziert werden.

Übersicht: Was Strom ab 2014 kosten kann

rei/rtr/dpa

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