Mittwoch, 21. August 2019

Aufhebungsverträge für Manager So gewinnen Sie im Abfindungspoker

 Ruhe, Nervenkraft, Chuzpe: Was beim Pokern mitunter zum Erfolg führt, kann auch bei Abfindungsverhandlungen von Nutzen sein.
imago/Panthermedia
Ruhe, Nervenkraft, Chuzpe: Was beim Pokern mitunter zum Erfolg führt, kann auch bei Abfindungsverhandlungen von Nutzen sein.

Manager werden in letzter Zeit häufig wegen vermeintlich überhöhter Gehälter und Boni sowie wegen angeblich überzogener Abfindungen attackiert. Diese Diskussion erscheint mir überflüssig. Schließlich wird kein Unternehmen zur Zahlung überhöhter Gehälter gezwungen. Die Preisbildung unterliegt auch auf dem Markt für Führungskräfte vielmehr Angebot und Nachfrage sowie der Vertragsfreiheit. Wir leben ja nicht in einer Planwirtschaft, in welcher der Staat die Gehälter oder Abfindungshöhen diktiert. Zumindest noch nicht.

Christoph Abeln
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    Steffen Jänicke
    Christoph Abeln ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und auf die Vertretung von Führungskräften und leitenden Angestellten spezialisiert. Zuletzt erschien von ihm das "Handbuch für Führungskräfte", außerdem richtet seine Kanzlei jährlich den Führungskräftetag aus.
    www.abeln.de

Ebenso wenig sind Unternehmen dazu verpflichtet, ihren Mitarbeitern überhöhte Abfindungen zu bezahlen. Das deutsche Kündigungsschutzrecht ist nämlich kein Abfindungsgesetz, sondern ein sogenanntes Bestandsschutzgesetz. Das wird oft missverstanden. Geschützt wird das Arbeitsverhältnis, nicht jedoch dessen Ausverkauf - unabhängig von der Höhe der Abfindung.

Gehen Sie aufs Ganze

Meiner Erfahrung nach hat darüber hinaus kaum ein Unternehmen die Kapazitäten, in bestehenden Verträgen die Bezüge oder Bonuszahlungen zu kürzen. Denn Gehaltskürzungen sind nur über eine Änderungskündigung möglich. So sieht das übrigens auch die Rechtsprechung. Sie lässt derartige Kürzungen nur ausnahmsweise zu, beispielsweise bei einer drohenden Insolvenz. Trotzdem ist zu beobachten, dass immer mehr Unternehmen versuchen, Mitarbeiter über den zu verteilenden Bonustopf oder das sogenannte billige Ermessen gewissermaßen auszutricksen.

Für Führungskräfte heißt das: Es besteht kein rechtlicher Druck, sich auf einen Aufhebungsvertrag einzulassen. Vielmehr besteht weiterhin der Anspruch, vertragsgemäß beschäftigt und bezahlt zu werden. In Abfindungsverhandlungen sollte man daher im wahrsten Wortsinne aufs Ganze gehen und den sogenannten Total Contract Value als Grundlage nehmen. Das ist der Wert sämtlicher Gehaltszuzahlungen, die der Manager bis zum Renteneintritt verdienen könnte. Von einem vermeintlich hoch erscheinenden Abfindungsangebot sollte man sich nicht ködern lassen. Dies ist ein beliebter Kniff, bei dem das Unternehmen meist nur die Einsparung von Personalkosten und der betrieblichen Altersversorgung im Blick hat.

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