VW-Aufsichtsrat verschiebt Entscheidung Rupert Stadler bleibt vorerst Audi-Chef

Seit drei Monaten sitzt Audi-Chef Stadler in Haft. Bisher hat ihn der VW-Konzern nur beurlaubt. Eigentlich wollten die Aufseher des Konzerns am Freitag eine Entscheidung über die Zukunft des Managers fällen, haben sie jedoch erneut verschoben.
Rupert Stadler

Rupert Stadler

Foto: Denis Balibouse / REUTERS

Der Volkswagen-Aufsichtsrat hat am Freitag nach intensiver Diskussion in Wolfsburg erneut keine Entscheidung über die Zukunft des inhaftierten Audi-Chefs Rupert Stadler getroffen und sie stattdessen verschoben. Das berichtet das "Handelsblatt"  am Freitagnachmittag.

Auf der ordentlichen Sitzung der Aufseher wollten die Kontrolleure über den Ausblick für das letzte Quartal des Geschäftsjahres beraten - und Stadler. Zuvor hieß es aus Kreisen, dass die Aufseher eine Entscheidung zu der Personalie fällen wollten, eine einvernehmliche Beendigung seines Vertrages sei denkbar, hieß es.

Uneinigkeit in dem Gremium habe aber darüber geherrscht, ob der offiziell beurlaubte Audi-Chef abberufen oder abgelöst werden soll. Demnach seien die beiden Vertreter des Landes Niedersachsen im Aufsichtsrat, Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU), mit der Lösung einer Vertragsaufhebung samt Abfindung für den Chef der VW -Tochter nicht einverstanden, berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf informierte Kreise.

An kommenden Dienstag sollen die Gespräche fortgesetzt werden. Volkswagen und Audi äußerten sich dazu zunächst nicht.

Haftentlassung bei vorzeitiger Vertragsauflösung möglich

Bei einer vorzeitigen Auflösung könnte der Manager möglicherweise schon im Oktober auf Haftentlassung hoffen. Seine Haftbeschwerde liegt dem Oberlandesgericht zur Entscheidung vor. Gibt er seine Ämter auf, könnte die Frage möglicher Einflussnahme oder Verdunkelungsgefahr neu bewertet werden.

Bislang ist der bisherige BMW-Einkaufsvorstand Markus Duesmann als neuer Audi-Chef im Gespräch. VW und Duesmann haben im Juli einen Wechsel in den VW-Vorstand angekündigt. BMW kann Duesmanns Abgang zum Konkurrenten wegen des Vertrags zwar noch zwei Jahre blockieren. Die Münchner Autobauer haben aber am Mittwoch schon einen Nachfolger für Duesmann in ihren Vorstand berufen.

Der VW-Aufsichtsrat hatte schon vor zwei Wochen über den Fall Stadler beraten. Dessen Bestellung durch den Audi-Aufsichtsrat zum Audi-Chef läuft zwar noch bis 2022, entscheidend ist aber der Dienstvertrag mit dem VW-Konzern.

Stadler sitzt seit Juni in Augsburg in Untersuchungshaft. Er wurde wegen Betrugsverdachts und Verdunkelungsgefahr im Zusammenhang mit dem Dieselskandal festgenommen und von VW und Audi beurlaubt. Seither führt Audi-Vertriebsvorstand Bram Schot die Ingolstädter VW-Tochter kommissarisch. Stadlers Vertrag als Mitglied des VW-Konzernvorstands läuft Ende 2019 aus.

rei mit dpa
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