Samstag, 24. August 2019

Razzia in fünf Bundesländern Polizei vor der Kanzlei - Anlegeranwälte im Visier

Polizei im Einsatz: An 15 Orten in fünf Bundeländern durchsuchten diese Woche Einsatzkräfte Büros und Wohnungen von Mitarbeitern einer Anwaltskanzlei aus Jena

3. Teil: "Wirklich aussichtslose Klagen gibt es eigentlich nicht"

Die Massenbriefe, die dann verschickt werden, sind nach Angaben der Anwältin auch unter Juristen nicht unumstritten. Schließlich gebe es bestimmte Werbeverbote für die Zunft. Zwar besage die aktuelle Rechtsprechung, dass solche Anwaltsbriefe an Investoren auch in großer Zahl in der Regel statthaft seien, so Uelhoff. Um jeglichen Problemen aus dem Wege zu gehen, arbeiteten viele der fraglichen Anwaltskanzleien jedoch mittlerweile mit Anlegerschutzvereinen oder Interessengemeinschaften zusammen, denen sie die Erstakquise der geschädigten Investoren überließen. Auch bei PWB in Jena war dies offenbar zumindest teilweise der Fall.

Darüber hinaus sei die Grenze zwischen seriös und unseriös bei dem Thema ohnehin oft schwer zu ziehen, sagt die Anwältin. Der Vorwurf, eine Klage habe keine Aussicht auf Erfolg und diene lediglich der Gebührenmaximierung der Anwälte, lasse sich beispielsweise leicht machen - jedenfalls im nachhinein. "Die jahrelange Prozesserfahrung zeigt jedoch: Wirklich aussichtslose Klagen gibt es eigentlich nicht", so Uelhoff. "Deshalb dürfte den fraglichen Anwälten auch rechtlich - beispielsweise mit einem Betrugsvorwurf - in der Regel schwer beizukommen sein."

Ähnlich schwierig erscheint die Differenzierung beim Thema Anlegerschutzvereine oder Interessengemeinschaften. Zwar gibt es so manche Organisation in diesem Bereich, die im Grunde ausschließlich dem Zweck dient, Anwälten Mandanten zuzuführen, und die darüber hinaus kaum legitime Absichten verfolgen dürfte. Die "Wirtschaftswoche" beispielsweise listete bereits vor einigen Jahren gleich eine ganze Reihe von Fällen auf, in denen die Kooperation von Anwälten mit Anlegerschützern ein allzu fragwürdiges Bild abgab.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Auf der anderen Seite ist jedoch nicht jede Organisation zum Schutze von Anlegerrechten per se unseriös. "Selbstverständlich gibt es schwarze Schafe unter Anwälten und Vereinen, und die beschädigen den Ruf der gesamten Branche", sagt beispielsweise Rechtsanwalt Wolfgang Schirp von der Kanzlei Schirp, Neusel & Partner in Berlin. "Grundsätzlich ist die Zusammenarbeit von Kanzleien mit solchen Vereinen jedoch absolut legitim und nicht verwerflich."

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