Mittwoch, 22. Mai 2019

Windige Broker in New York Die neuen Wölfe der Wall Street

Szene aus "The Wolf of Wall Street": Bis heute sind in Manhattan windige Abzocker am Werk

Kaltakquise, windige Aktientipps, Abzocke - ist das, was im Film "Wolf of Wall Street" gezeigt wird, längst vergangen? Mitnichten: Mitten in Manhattan, dem Zentrum des Weltfinanzgeschäfts, tummeln sich unzählige Broker, die genau das den ganzen Tag machen.

Wilde Partys, massenhaft Geld und viele, viele betrogene Anleger. Das war das Leben von Jordan Belfort, verfilmt im Hollywood-Streifen "The Wolf of Wall Street". Das frühere Leben, muss man wohl sagen. Inzwischen gibt sich der verurteilte Ex-Betrüger geläutert, arbeitet als Motivationstrainer, schreibt Bücher.

Und auch die unseriösen Vertriebsmethoden, mit denen Belfort im New York der Neunziger zu Reichtum kam - immerhin zockte er Anleger um mehr als 200 Millionen Dollar ab -, müssten längst der Vergangenheit angehören. Sollte man jedenfalls meinen.

Doch weit gefehlt: 20 Jahre nachdem der "Wolf der Wall Street" sein Revier aufgeben musste, wimmelt es dort offenbar von windigen Brokerfirmen. New York sei ein Zentrum für Veteranen des Gewerbes geworden, die Jahrzehnte alte Leitfäden nutzen, um Anleger in Spekulationsgeschäfte zu drängen, berichtet die Agentur Bloomberg auf ihrer Internetseite.

"Sie beuten die wenigen Leute aus, die noch Festnetztelefone benutzen", zitiert Bloomberg Joshua Brown, Chef von Ritholtz Wealth Management, der über die Zustände schon 2012 in seinem Buch "Backstage Wall Street" berichtete. "Sie verkaufen 50 Leuten die eine Aktie und 50 Leuten eine andere. Wenn eins der beiden Papiere steigt, rufen sie die Gruppe wieder an."

Laut Bloomberg gibt es mindestens 15 solcher "Chop Shops", was sich wohl am besten mit "Drückerbuden" übersetzen lässt, im Umkreis von wenigen Blocks zur New Yorker Börse. In der Gegend hatten früher auch große Banken ihren Sitz. Die seien jedoch inzwischen allesamt in größere Räumlichkeiten anderswo in Manhattan umgezogen, schreibt die Agentur. Einzige Ausnahme: die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen. Deutschlands Primus residiere nach wie vor unter der Adresse 60 Wall Street, also mitten im anrüchigen Geschehen.

Das berüchtigte Trump Building

Ein paar Schritte weiter etwa, mit Hausnummer 40, steht das so genannte Trump Building. Der 72-Etagen-Turm aus den 1920er Jahren beherbergte früher die Firma Manhattan Company, einen Vorläufer von JP Morgan Chase, gegründet von einem Mann, der als einer der frühen Vize-Präsidenten der Vereinigten Staaten bekannt wurde.

Heute sitzen dort Bloomberg zufolge zwei Wertpapierfirmen, gegen die Ermittlungen laufen, sowie mindestens drei Brokergesellschaften, die sich der zweifelhaften Methode des "Cold Callings" bedienen. Dabei werden Privatleute auf blauen Dunst angerufen, mit denen das Unternehmen zuvor noch niemals in Kontakt war.

Ganz so glamourös wie bei Jordan Belfort oder seinem Film-Alter-Ego Leonardo DiCaprio laufen die Geschäfte allerdings heute offensichtlich nicht mehr. Einige der Händler, mit denen Bloomberg gesprochen hat, sagen, dass die Provisionen von einstmals bis zu 20 Prozent deutlich geschrumpft sind. In Zeiten des Internets, in denen jede Information nur wenige Klicks entfernt sei, sei es zudem deutlich schwieriger, jemanden von der "Qualität" einer bestimmten Aktie zu überzeugen.

Wie das jedoch nach wie vor gelingen kann, weiß offensichtlich Sean Scott. Ihn zitiert Bloomberg mit den Worten: "Ein Händler kann mit nur ein paar Abschlüssen höllisch viel Geld verdienen." Scott arbeitet den Angaben zufolge inzwischen als Berater bei der Bank of America Merrill Lynch in Florida. Vor wenigen Jahren war er bei den "Drückerbuden" Manhattans jedoch noch dick im Geschäft, mit einem Monatsverdienst von bis zu 20.000 Dollar.

Sein Arbeitgeber seinerzeit: Die Firma John Carris Investments, 40 Wall Street, 17. Stock. Im berüchtigten Trump Building also.

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