Montag, 22. Juli 2019

Anlagebetrug Frau Madoff aus Franken

Wohlhabende Privatanleger investierten Millionensummen in "Lucendro" - und fragen sich nun, was Bankerin Gabi K. mit dem Geld angestellt hat

Es ist eine Geschichte zwischen Absurdität und Abgrund: Gabriele K., eine Bankerin aus der bayerischen Provinz, soll reiche Anleger um eine zweistellige Millionensumme gebracht haben. Wie? Mit Investmentdeals, die es gar nicht gibt.

Dafür, dass Gabriele K. eine Frau mit besten Verbindungen sein soll, weist ihr LinkedIn-Profil erstaunlich wenige Kontakte aus. 16 sind es gerade mal. Auch sonst ist die Seite für den Besucher eher enttäuschend. Ein bisschen was über K.s Interessen erfährt man ("Bond Trading"). Und dass sie seit April 2006 als "Director" der Dr. Stark Vermögensverwaltung firmiert.

Daneben? Wenig. Nicht einmal auf dem neuesten Stand ist das Profil. Denn andernfalls müsste dort korrekterweise stehen: "März 2013 - Heute: Untersuchungshaft in Bamberg."

Wenn ein Gericht eine Beschuldigte neun Monate in U-Haft festhält, dann sollte es dafür, auch in Bayern, einen triftigen Grund geben. Im Fall der Gabriele K. - genannt: die Gabi - ist dieser Grund: mutmaßlicher Anlagebetrug, verbunden mit Fluchtgefahr. Die 50-jährige Fränkin soll reiche Privatleute aus Deutschland und der Schweiz mit einem Schneeballsystem um viele Millionen gebracht haben; darüber hinaus sind offenbar auch institutionelle Investoren betroffen.

Die Causa erreicht, nach allem, was Manager Magazin Online bislang recherchiert hat, zwar nicht ganz die Größenordnung der Fälle "Kiener" oder "S&K". Um eine Petitesse aber geht es auch nicht. Die Schadenshöhe soll im zweistelligen Millionenbereich liegen.

Schneeballsysteme sind keine Männerdomäne mehr

Was den Fall so außergewöhnlich macht, ist gleichwohl nicht die mögliche Schadenshöhe, sondern zwei andere Aspekte. Erstens: Ob Bernie Madoff, Jürgen Harksen, Helmut Kiener oder die S&K-Bubis - seit den Zeiten des seligen Charles Ponzi waren Anlagebetrug und Schneeballsysteme eine Männerdomäne.

Gabriele K., dunkles Haar, dezentes Make-up, würde dieses Muster sprengen. Gegen ihren Ehemann ermittelt die Staatsanwaltschaft zwar ebenfalls. Aber das Sagen hatte offenbar sie. "Wenn seine Frau sich ums Geschäftliche gekümmert hat, war er auf dem Golfplatz", sagt einer, der Einblick hat in die Sache. Aus der U-Haft wurde der Gatte wieder entlassen.

Und der zweite Aspekt, der den Fall so bemerkenswert macht? Die Investmentdeals, in die das Geld der reichen Anleger fließen sollte - diese Investmentdeals gibt es offenbar gar nicht.

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