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Autos, Uhren, Gold: Was an Vermögen bei S&K sichergestellt wurde

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Anklage gegen Finanzjongleure Das wilde Leben der Männer von S&K

Zwei Jahre nach der Großrazzia gegen die Immobiliengruppe S&K legt die Staatsanwaltschaft ihre Anklage vor. Ein 3000-Seiten-Dokument, das zeigt: Die Männer, denen tausende Anleger viele Millionen anvertrauten, lebten in Saus und Braus.

Frankfurt am Main - Dem Rausch des Geldes haben sie sich hingegeben, Goldbarren, Rolex-Uhren und Maseratis schmückten ihr Leben. Alles auf Kosten ihrer Opfer - so jedenfalls der Vorwurf der Frankfurter Staatsanwälte. Die zwei Gründer der mutmaßlich betrügerischen Immobiliengruppe S&K aus Frankfurt sollen mit einem Schneeballsystem viele zehntausend Menschen um ihr Geld geprellt haben. Der Schaden: Mindestens 240 Millionen Euro, wie die Staatsanwälte in Frankfurt sagen. Sie erhoben jetzt Anklage gegen Stephan S. und Jonas K. sowie weitere fünf Verantwortliche - zwei Jahre nach der bundesweiten Razzia gegen die S&K.

Damals stellten die Ermittler teure Uhren sicher, Luxuswagen und Gold, Grundstücke und Bankguthaben und ganze Säcke voller Geld - bei Durchsuchungen von 130 Objekten in sieben Bundesländern. Der Bundesanzeiger listete schließlich die noch sichergestellten Vermögenswerte von zwölf namentlich genannten Beschuldigten auf. Doch die 55 Millionen Euro reichen hinten und vorne nicht aus, um die Ansprüche der Geschädigten zu finanzieren.

Im Internet kursierten Partybilder, auf denen Stephan S. und Jonas K. in ihren goldenen Zeiten posierten - mit Muckis, Cocktails und bezahlten Frauen. Elefanten und Promis - teure Staffage für Feste in Saus und Braus. Der Schaden von 240 Millionen Euro, von dem die Staatsanwaltschaft spricht, ist vermutlich längst nicht alles. "Es ist sicherlich von einem viel größeren Gesamtschaden auszugehen", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Albrecht Schreiber. Die Beschuldigten schweigen bislang zu den Vorwürfen.

Das Geld aber ist für die Anleger zum großen Teil verloren - Stephan S., Jonas K. und Co. sollen es mit ihrem Luxusleben verprasst haben. Nur maximal 20 Millionen Euro gaben sie laut Anklage an die wenigen Anleger zurück, die aus dem Geschäft aussteigen wollten. Die Staatsanwaltschaft geht von rund 11.000 direkten Betrugsopfern aus. Dazu kommen noch zehntausende weitere Opfer, deren Fondsverwalter bei S&K in Untreue riskante Anlagen kauften.

140 Verdächtige, 150 Unternehmen, 2200 Bankkonten

Die Werbestrategie der mutmaßlichen Betrüger war so einfach wie wirksam: Mit Hochglanzbroschüren und in Telefonaten warben sie für vermeintlich wertvolle Immobilien - und köderten die Anleger mit Renditeversprechen von bis zu 12 Prozent pro Jahr. Tatsächlich aber waren die Immobilien den Ermittlern zufolge eher minderwertig, aufgepeppt durch falsche Gutachten. Viele Kunden gaben ihre Lebensversicherungen auf, um bei S&K einsteigen zu können.

Das mutmaßliche Schneeballsystem aber fraß offenbar zunehmend Geld. Um die nötigen Summen reinzubekommen, soll S&K auch bestehende Fondsgesellschaften aufgekauft und die vorhandenen Mittel abgeschöpft haben. Ein Beispiel ist das Emissionshaus DCM in München, ein anderes ein Fondshaus namens Midas.

So groß und verzweigt das Firmenflechtwerk war, so diffizil ist nun auch das Superverfahren gegen sie. Insgesamt ermitteln die Staatsanwälte gegen 140 Verdächtige, darunter Gutachter, Notare, Anwälte und Steuerberater. Zur S&K-Gruppe gehörten 150 Unternehmen, etwa 2200 Bankkonten hatten die Ermittler zu analysieren.

"Wir haben 100 Terabyte von E-Mail-Material auswerten müssen. Das entspricht, in Papier ausgedruckt, in etwa der Entfernung von Frankfurt nach Rom", sagte Schreiber. Zwei Jahre hat das gedauert - und die Anklage ist 3150 Seiten lang geworden. Davon werden die Staatsanwälte wohl um die 1300 vor Gericht verlesen müssen und planen dafür gleich mehrere Tage ein.

Doch zunächst entscheidet die Wirtschaftsstrafkammer des Frankfurter Landgerichts, ob sie das Verfahren überhaupt zulässt. Der Prozess verspricht kompliziert und langwierig zu werden, denn bislang haben die Angeklagten keinerlei Kooperationsbereitschaft gezeigt, sagen die Ankläger.

Zeichen dafür: Während eines Gerichtstermins im September 2013 versuchte Stephan S. zu fliehen - und brach sich bei seinem Sprung aus dem Fenster im 1. Stock mehrere Knochen.

Autos, Uhren, Bargeld: Was bei S&K an Vermögenswerten sichergestellt wurde

Von Sophie Rohrmeier, dpa