Börsenprofi Markus Zschaber erklärt Mit 1500 Dollar zum Millionär - ist Amazon noch ein Kauf?

Von Markus Zschaber
Amazon: Aktionäre der ersten Stunde haben seit dem Börsendebüt von 1997 eine Rendite von 64.000 Prozent eingestrichen. Wer damals 1500 Dollar einsetzte, ist heute Millionär

Amazon: Aktionäre der ersten Stunde haben seit dem Börsendebüt von 1997 eine Rendite von 64.000 Prozent eingestrichen. Wer damals 1500 Dollar einsetzte, ist heute Millionär

Foto: MIKE SEGAR/ REUTERS

Jeder, der an der Börse aktiv ist, träumt davon, irgendwann einmal den großen Glücksgriff zu landen und mit dem Kauf einer Aktie und relativ geringem Kapitaleinsatz Millionär zu werden. Dieser Traum ist zuletzt für Aktionäre der ersten Stunde des Online-Versandgiganten Amazon  wahr geworden. Denn wer zum Börsendebüt 1997 Aktien zum Ausgabepreis von 18 Dollar bezog, konnte seither eine Gesamtrendite über Aktiensplits hinweg von rund 64.000 Prozent erzielen.

Wer also damals Aktien im Wert von nur rund 1500 US-Dollar erwarb, darf sich heute Millionär nennen. Grund genug für uns, den amerikanischen Onlineversandhändler einmal näher zu beleuchten, der allein in Deutschland mit mehr als 44 Millionen Kunden umgerechnet rund 14,1 Milliarden Dollar im Jahr 2016 erlöst hat.

Gegründet wurde das Unternehmen von Jeff Bezos, der auch 23 Jahre nach Gründung des Unternehmens immer noch die Geschicke steuert. Begonnen als ein rein auf Bücher spezialisierter Onlinehändler, gelang es Amazon durch aggressive Übernahmen von regionalen Mitbewerbern rasch globaler Marktführer im Onlinebuchversand zu werden. Diese Marktstellung wurde schrittweise immer weiter ausgebaut, vor allem aber wurde die Produktpalette massiv erweitert. Heute können Kunden quasi jeden beliebigen Artikel über Amazon  beziehen und bekommen diesen bereits am nächsten Tag bequem nach Hause geliefert.

Markus Zschaber

Markus Zschaber ist Gründer der Vermögens-verwaltung V.M.Z. (www.zschaber.de ) und Leiter des Instituts für Kapitalmarkt-Analyse (www.kapitalmarktanalyse.com ).Bitte beachten Sie die wichtigen Hinweise und den Haftungsausschluss hinter diesem Link. 

Damit hat Amazon das Konsum- und Kaufverhalten weltweit verändert, denn mit dem Aufstieg Amazons hat der Niedergang des klassischen Einzelhandels begonnen. Während früher weltweit Verbraucher die üblichen Einkaufsstraßen besuchten, kaufen sie heute lieber bequem im Internet. Mit der Entwicklung seines Geschäftsmodells ist Amazon in eine Marktlücke gestoßen und hat einen neuen Megatrend entwickelt. Leidtragender sind die großen Kaufhausketten, die sich immer weiter vom Markt zurückziehen und unrentabel gewordene Filialen schließen müssen. Namhafte Beispiele dafür sind Kaufhausketten wie Macy's, Sears und JC Penney's aus den USA oder Kaufhausketten wie Karstadt in Deutschland.

Gegenwärtig ist Amazon unangefochtener Weltmarktführer im Onlinehandel. Heute erwirtschaftet das Unternehmen, welches seit seiner Gründung in Seattle ansässig ist, einen Umsatz von zuletzt 135 Milliarden Dollar im Jahr 2016. Vor allem die Dynamik, mit der Amazon wächst, ist beachtlich. 2015 belief sich der Jahresumsatz noch auf 107 Milliarden Dollar, was einem Umsatzwachstum in Höhe von 27 Prozent binnen eines Jahres entspricht.

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Im ersten Quartal 2017 setzte sich diese Wachstumsgeschwindigkeit mit einem Zuwachs von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal in ähnlichem Tempo fort. Dabei erzielt Amazon bisher noch rund Zweidrittel seines Umsatzes in den USA, nur ein Drittel wird außerhalb der USA erwirtschaftet. Blickt man auf das Jahresergebnis fällt dieses allerdings mit 4,1 Milliarden US-Dollar recht ernüchternd aus. Vor allem, weil das Ergebnis zu großen Teilen von der Cloud-Computing-Tochter "Amazon Web Services AWS" stammt und damit nicht aus dem klassischen Handelsgeschäft.

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Doch diese Profitabilitätsschwäche ist investitionsbedingt. So investiert Amazon laufend in die Erweiterung seines Geschäftsmodells und den Ausbau seiner Logistik. So wurde bekannt, dass Amazon beispielsweise einen eigenen Flughafen im US-Bundesstaat Kentucky plant, um die steigenden Lieferungen bedienen zu können mit prognostizierten Kosten von rund 1,5 Milliarden US-Dollar. Dieser auf Wachstum ausgelegte Businessplan scheint durchaus intelligent gewählt. Gerade im Onlinehandel gibt es noch große Potenziale, die Amazon schnellstmöglich erschließen muss, denn auch der größte Onlinehändler der Welt mit teils monopolartigen Marktanteilen ist nicht unangreifbar.

Einer der entscheidenden Gründe für den Erfolg von Amazon ist vor allem die hohe Innovationskraft des Unternehmens. So ist das Geschäftsmodell Amazons zwar klar, wird aber immer wieder durch Innovationen ergänzt bzw. weiterentwickelt. So verkauft Amazon nicht nur selbst Produkte über seine Homepage, sondern bietet auch privaten und gewerblichen Kunden die Möglichkeit, ihre Produkte über Amazon zu veräußern. Dazu hat Amazon die Premiummitgliedschaft "Prime" entwickelt, der Kunden gegen ein jährliches Entgelt eine Lieferung der Ware am nächsten Tag verspricht und dazu den Kunden den Zugang zu "Prime Instant Video" gewährt, einem kostenlosen Musik- und Filmstreamingdienst.

Diese Marketingstrategie bindet Kunden auch langfristig an das Unternehmen, was im täglichen Kampf um den Kunden im Onlinehandel sehr wichtig ist. Mit dem neugestarteten Lebensmittellieferdienst "Amazon Go", mit dem man sich auch übliche Lebensmittel wie Milch, Fleisch, Butter usw. liefern lassen kann, greift Amazon nun auch die klassischen Supermärkte an. Noch ist der Lieferdienst nur in einigen Regionen verfügbar, aber ein flächenmäßiger Ausbau wird unmittelbar folgen, sofern das Modell von den Kunden angenommen wird.

Der Erfolg des Unternehmens ist auch gut am Aktienchart abzulesen. Derzeit notiert die Aktie bei knapp unter 1000 US-Dollar auf Rekordhoch. Auf Sicht der letzten drei Jahre konnte die Aktie einen Wertzuwachs in Höhe von 220 Prozent erzielen. Nun fragen sich viele potenzielle Anleger, ob der Einstieg jetzt überhaupt noch sinnvoll sein kann. Grundsätzlich bietet Amazon weiteres, enormes Chancenpotenzial.

Zum einen durch das Erschließen neuer Ländern und den Ausbau seiner Logistikzentren. Zum anderen wird Amazon über den Onlinehandel nicht alle potenziellen Kundengruppen erreichen können, da gerade ältere Verbraucher noch den klassischen Einzelhandel bevorzugen. Hier wird sich im Zuge einer immer stärkeren Digitalisierung vieles verändern, welches Amazon Chancen einräumen wird.

Für mittel- bis langfristig orientierte Anleger kann die Aktie des Onlinehändlers im diversifizierten Aktienportfolio eine gute Kaufmöglichkeit sein. Als Vermögensverwalter warten wir derzeit etwas ab, analysieren weiter die Zahlen des Unternehmens und werden bald wieder Zug um Zug nachkaufen.

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