Samstag, 19. Oktober 2019

Rede in London vor einem Jahr Als Mario Draghi der Euro-Krise den Schrecken nahm

Retter des Euro oder Feind des deutschen Steuerzahlers? Mario Draghi, Chef der EZB

Vor einem Jahr holte EZB-Chef Mario Draghi die Bazooka raus. Die Zentralbank werde alles tun, um den Euro zu retten, sagte er in London und schaffte mit den historischen Worten die Wende in der Euro-Krise. Seither ist Draghi für viele nur noch Super-Mario. Doch neue Probleme lauern.

Frankfurt am Main - Am Freitag vor einem Jahr schrieb Mario Draghi Finanzgeschichte - und schaffte damit womöglich den Wendepunkt in der schwersten Finanz-, Wirtschafts- und Schuldenkrise seit Jahrzehnten. Am 26. Juli 2012 reichten dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) zwei Sätze, um die Finanzwelt auf den Kopf zu stellen.

"Innerhalb unseres Mandats ist die EZB bereit, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird reichen", sagte er in London. Nahezu augenblicklich gelang mit dieser als Versprechen getarnten Drohung die Beruhigung der Märkte, die sich zum damaligen Zeitpunkt in hellster Aufregung befanden und auf das Auseinanderbrechen der Währungsunion wetteten.

Draghi unterschrieb eine Art Blankoscheck, weil die Politik die Krise bis dato nicht gelöst hatte. Und machte zugleich allen Spekulanten klar, dass es sich nicht lohnt, gegen eine zu allem entschlossene Notenbank zu spekulieren, weil diese immer die tiefsten Taschen hat.

Spätestens mit der in den Folgewochen gegen den erbitterten Widerstand der Bundesbank durchgeboxten Zusage, notfalls auch unbegrenzt Staatsanleihen überschuldeter Euro-Länder zu kaufen, wurde aus Draghi "Super Mario" - allerdings nicht überall. Während er in Deutschland für manche konservative Kreise fast zum Staatsfeind mutierte, wurde der Italiener in vielen Südländern als Heilsbringer gefeiert. Zwölf Monate danach hat sich daran nichts geändert.

Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen ist voll des Lobes

Nach wie vor stehen sich die Lager der Befürworter und Kritiker unversöhnlich gegenüber. Sogar das Bundesverfassungsgericht hat sich des Streitfalls angenommen, obwohl die EZB seit Draghis Versprechen noch nicht einen einzigen Euro Börsen-Chart zeigen ausgeben musste, um den Erhalt der Währungsunion zu sichern.

Für den Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, ist Draghi der Matchwinner der Krise, dessen Machtwort gilt: "Draghi muss seine Ansage nicht erneuern - sie gilt nach wie vor. Es gibt keine Alternative zum Euro. Ich erkenne nur Vorteile, wenn alle Länder die Voraussetzungen dafür schaffen, um an der Währungsunion teilzunehmen. Wir müssen weiter die Zeit nutzen, die die EZB uns allen gegeben hat."

Der Vergleich der weltweiten Finanzmärkte heute und vor einem Jahr fällt eindeutig aus - das müssen selbst Gegner von Draghis Kurs zugeben: So hat der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen seit der Londoner Rede knapp 2000 Punkte oder satte 30 Prozent auf gut 8300 Zähler zugelegt. Bis Januar verbuchte er acht Monatsgewinne in Folge und schloss seit Juli 2012 jedes einzelne Quartal mit einem Kursplus ab.

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