Freitag, 15. November 2019

Größte Sparte schwächelt Allianz-Aktie bricht ein

Bis zu 12 Milliarden Euro operativer Gewinn in diesem Jahr sind drin, sagt Allianz-Chef Bäte

Ein Sonderertrag in der US-Lebensversicherung hat Europas größtem Versicherer Allianz im zweiten Quartal einen überraschenden Gewinnanstieg beschert. Schwächer lief es im größten Geschäftsfeld, der Schaden- und Unfallversicherung, und auch das Ergebnis der Kapitalanlage lässt zu wünschen übrig. Anleger sind nicht begeistert.

Die Aktie verlor am Freitag in der Spitze fast 5 Prozent und damit deutlich stärker als der Dax. Allerdings hat der Titel im laufenden Jahr schon rund ein Fünftel an Wert gewonnen. Zum Handelsschluss gingen die Papiere mit einem Verlust von 3,54 Prozent aus dem Rennen und damit etwas schwächer als der Leitindex.

Vorstandschef Oliver Bäte sieht die Allianz gleichwohl "auf einem guten Weg", in diesem Jahr wie geplant einen operativen Gewinn zwischen 11 und 12 Milliarden Euro zu erreichen, kündigte er am Freitag in München an. Im ersten Halbjahr hat der Dax-Konzern mit 6,1 Milliarden Euro mehr als die Hälfte davon erreicht.

Im zweiten Quartal profitierte die Allianz vor allem von ihrem Geschäft mit Lebens- und Krankenversicherungen. Konzernweit legte das operative Ergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum dadurch um gut 5 Prozent auf knapp 3,2 Milliarden Euro zu. Damit übertraf der Versicherer die Erwartungen selbst der optimistischsten Experten. Analyst Johnny Vo von der Investmentbank Goldman Sachs verwies aber auf den Sondereffekt in der US-Lebensversicherung. Ohne diesen hätte der Gewinn wohl im Rahmen der Erwartungen gelegen.

Für das Gesamtjahr gingen Experten zuletzt von einem operativen Gewinn der Allianz von rund 11,8 Milliarden Euro aus.

Ihren Umsatz steigerte die Allianz im zweiten Quartal um sechs Prozent auf 33,2 Milliarden Euro. Der Nettogewinn kletterte auf 2,1 Milliarden Euro oder rund 13 Prozent. Damals hatte der Verkauf des klassischen Lebensversicherungsgeschäfts in Taiwan das Ergebnis belastet.

Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsen hat die Allianz ihr Produktangebot in der Lebensversicherung größtenteils auf neuartige Verträge ohne klassischen Garantiezins umgestellt. Diese binden weniger Kapital und sollen den Kunden die Chance auf höhere Renditen bieten. Für den Konzern zahlt sich das bisher aus. Im zweiten Quartal wuchsen die Einnahmen in der Lebensversicherung in den wichtigen Märkten Deutschland und USA, und die Marge im Neugeschäft stieg von 3,5 auf 3,6 Prozent.

Kapitalanlage schwächer, Gewinn in Sparte Schaden und Unfall fällt

Der operative Gewinn der Lebens- und Krankenversicherungssparte wuchs um fast 15 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Das lag allerdings vor allem an einer veränderten Abschreibungsdauer für bestimmte Rentenversicherungsverträge in den Vereinigten Staaten, die das Ergebnis um 156 Millionen Euro nach oben trieb. Das Kapitalanlageergebnis ging dagegen zurück.

Im größten Geschäftsfeld, der Schaden- und Unfallversicherung, musste die Allianz einen Rückgang des operativen Gewinns um fünf Prozent auf 1,4 Milliarden Euro hinnehmen, da die Kapitalanlagen weniger abwarfen als ein Jahr zuvor. Allerdings zehrten auch die Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb etwas mehr von den Prämieneinnahmen auf: Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote verschlechterte sich von 94,1 auf 94,3 Prozent, blieb damit immer noch deutlich unter der kritischen 100-Prozent-Marke.

Allianz-Chef Bäte will im Schaden- und Unfallgeschäft weiter aufdrehen. Für Kunden und Mitarbeiter soll das Geschäft im Zuge der stärkeren Digitalisierung deutlich einfacher werden. Dazu will der Vorstand mehr Versicherungsangebote zentral für viele Länder entwickeln lassen und so Kosten und Komplexität verringern. Zudem startet der Konzern mit Allianz Direct einen neuen Direktversicherer, der 2019 in Deutschland und weiteren Ländern eine digitale Kfz-Versicherung anbieten soll.

Pimco und Allianz Global Investors steigern Gewinn

Gut lief es im Fondsgeschäft der amerikanischen Allianz-Tochter Pimco. Die Kunden schoben unter dem Strich umgerechnet zusätzliche 23 Milliarden Euro in die Fonds des US-Unternehmens. Pimcos Schwestergesellschaft Allianz Global Investors (AGI) musste hingegen Abflüsse von rund drei Milliarden Euro hinnehmen.

Insgesamt verwalteten die beiden Gesellschaften der Allianz im zweiten Quartal damit im Schnitt Kundengelder im Wert von fast 1,6 Billionen Euro - rund fünf Prozent mehr als im ersten Jahresviertel und acht Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Für den Konzern zahlte sich das aus: Der operative Gewinn des Segments zog um vier Prozent auf 678 Millionen Euro an

rei/dpa

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