Samstag, 19. Oktober 2019

Heute Urteil im 147-Millionen-Euro-Prozess Alles, was Sie über den Fall Schulte und Wölbern Invest wissen müssen

Schultes Gegenspieler: Das sind die Köpfe im Wölbern-Skandal
DPA

4. Teil: Die Details - wie soll Schulte laut Anklage vorgegangen sein?

Schulte erwarb das Bankhaus Wölbern im Jahr 2006. Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise geriet das inzwischen abgespaltene Fondshaus Wölbern Invest in den Folgejahren in Schieflage. So brauchte Schulte Geld - und fand es laut Staatsanwaltschaft in den Liquiditätsreserven der geschlossenen Wölbern-Fonds.

Die rechtlichen Grundlagen und Verträge, die Schulte zufolge den Geldentnahmen zugrunde lagen, dienten nach Ansicht der Staatsanwaltschaft lediglich der Bemäntelung. Nach und nach hatte sich Schulte persönlich in die entscheidenden Positionen im Wölbern-Management und in den Fonds gesetzt, sodass er Entscheidungen nach Belieben treffen und durchsetzen konnte - und Gelder ungehindert überweisen.

Erfahren Sie zuerst, welches Urteil gefällt wird:

Im Rahmen einer "Testphase" für ein sogenanntes Liquiditäts-Managementsystem (LMS) und ohne Wissen der Anleger entzog der seinerzeitige Wölbern-Chef den Fonds allein von August 2011 bis zum Jahreswechsel 2011/2012 bereits etwa 60 Millionen Euro, so die Staatsanwaltschaft. Eine merkwürdige Zirkelbuchung, mit der laut Staatsanwaltschaft Anfang 2012 die Rückzahlung dieser 60 Millionen Euro an die Fonds vorgetäuscht werden sollte, wurde vor Gericht mehrfach diskutiert.

Nachdem Anleger das LMS dann mit zahlreichen Gerichtsverfahren zu Fall gebracht hatten, machte Schulte mit Anleihen weiter, versehen mit einem angeblichen Sicherheitenpool. Doch auch daran hat Staatsanwalt Heyen etwas auszusetzen. Kein Cent sei von der Wölbern Invest B.V. gemäß den Anleihebedingungen angelegt worden. Ohnehin bestünde der Verdacht, dass bestimmte Vertragsunterlagen erst nachträglich erstellt worden seien.

Der Sicherheitenpool schließlich, demzufolge angeblich dreistellige Millionenbeträge aus der Vermarktung von Schultes Blasenkrebsmedikament in Aussicht standen, sei nicht werthaltig.

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