Mammutprozess beginnt in Frankfurt S&K-Finanzjongleure heute vor Gericht - hier alle Infos dazu

S&K Präsentation aus besseren Zeiten: Die Verantwortlichen der Immobiliengruppe aus Frankfurt müssen sich vor Gericht verantworten

S&K Präsentation aus besseren Zeiten: Die Verantwortlichen der Immobiliengruppe aus Frankfurt müssen sich vor Gericht verantworten

Foto: S&K Gruppe

Heute Abend wird es vermutlich in allen Hauptnachrichten Bilder aus einem Gerichtssaal geben. Genauer: aus Saal I in Gebäude E des Frankfurter Landgerichts. Dort beginnt einer der größten Wirtschaftsstrafprozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte: Das Verfahren gegen die Verantwortlichen im Betrugsskandal um die Frankfurter Immobiliengruppe S&K.

Das Ausmaß und die Bedeutung des Falls lassen sich am besten in Zahlen ausdrücken: Sechs Angeklagte allein im nun beginnenden Verfahren, von dem ein weiteres schon abgetrennt wurde; 3150 Seiten Anklageschrift; mehr als 240 Millionen Euro Schaden; viele Tausend geschädigte Geldanleger. Hinzu kommen dutzende Personen, gegen die ebenfalls noch ermittelt wird.

Allein die dicke Anklageschrift lässt erkennen, wie umfangreich und komplex die Causa S&K ist. Lesen Sie daher im Folgenden den Überblick - alles, was Sie über den S&K-Skandal wissen müssen:

Sechs Finanzjongleure und ein Anwalt - die Akteure

Eigendarstellung in Edel: Die S&K-Gründer in einer Firmenbroschüre

Eigendarstellung in Edel: Die S&K-Gründer in einer Firmenbroschüre

Foto: S&K Gruppe

Die Frankfurter Justiz macht ein Geheimnis aus daraus, wer am Donnerstag im S&K-Prozess vor Gericht stehen wird. Per Pressemitteilung verbreitet das Landgericht lediglich, es handele sich um die beiden Firmengründer und einen leitenden Angestellten der S&K-Gruppe sowie drei Unternehmer. Das Verfahren gegen einen ebenfalls angeklagten Anwalt und Notar sei abgetrennt worden, heißt es zudem.

Sechs Angeklagte also - auch auf Nachfrage wollen aber weder das Gericht noch die Staatsanwaltschaft etwas zu deren Identität sagen oder Annahmen bestätigen.

Wer den Fall verfolgt hat, weiß aber mit ziemlicher Sicherheit, dass es sich bei den Angeklagten um folgende Personen handelt:

Stephan S. und Jonas K., die beiden Gründer und Köpfe der S&K-Gruppe,

Hauke B. und Thomas G., die Chefs des Hamburger Fonds-Emissionshauses United Investors,

Daniel F., Vertriebsprofi und "Nummer drei" der S&K-Gruppe

sowie

Marc Christian S., der von den S&K-Köpfen mit verschiedenen Führungsaufgaben betraut worden war.

Bei dem Anwalt und Notar, dessen Verfahren abgetrennt wurde, dürfte es sich um den Frankfurter Juristen Igor P. handeln, der viel mit S&K zusammengearbeitet hat und wie die anderen Angeklagten auch im Rahmen der bundesweiten Razzia im Februar 2013 verhaftet wurde.

Dutzende S&K-Unternehmen und Partner - das Firmengeflecht

Noble Adresse: In diesem Gebäude in Frankfurt am Main residierte die S&K-Gruppe

Noble Adresse: In diesem Gebäude in Frankfurt am Main residierte die S&K-Gruppe

Foto: Getty Images

Die S&K-Gruppe wurde Anfang der 2000er Jahre gegründet und begann mit dem Kauf von Immobilien aus Zwangsversteigerungen sowie der Zerteilung von Mehrfamilienhäusern in einzelne Eigentumswohnungen. Die Geschäfte expandierten rasch, zuletzt bestand die Gruppe aus einem Geflecht von weit über 100 Einzel- und Tochterfirmen.

Gleichzeitig stieg das Transaktionsvolumen. Zur Beschaffung frischer Mittel nutzte S&K verschiedene Quellen. So legte das Hamburger Emissionshaus United Investors gemeinsam mit S&K eine Reihe von geschlossenen Fonds auf, über die Anlegergelder in dreistelliger Millionenhöhe in die Firmengruppe geschleust worden sein sollen.

Daneben gehörten zum S&K-Reich verschiedene Firmen, deren Geschäft darin bestand, Kunden ihre Lebensversicherungspolice oder Bausparverträge abzukaufen, diese zu kündigen und den Erlös in die S&K-Gruppe zu investieren. Vor allem die Firmen Asset Trust AG und Deutsche Sachwert Emissionshaus AG in Regensburg waren auf diesem Gebiet aktiv, ebenso wie zumindest zeitweise auch die S&K-Töchter S&K Sachwert AG, S&K Immobilienhandels GmbH und S&K Real Estate Value GmbH.

Des weiteren verschaffte sich S&K nach und nach die Kontrolle über die Emissionshäuser Midas, SHB und DCM. Die Absicht dahinter war offensichtlich, auf die Gelder von Dutzenden geschlossenen Fonds zuzugreifen, die diese Unternehmen aufgelegt hatten. Auch dabei ging es um Millionenbeträge.

Gewerbs- und bandenmäßiger Betrug und Untreue - die Vorwürfe

Anlageberater bei der Arbeit: S&K flossen unter anderem Gelder aus geschlossenen Fonds zu

Anlageberater bei der Arbeit: S&K flossen unter anderem Gelder aus geschlossenen Fonds zu

Foto: Corbis

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main legt den Angeklagten einer Pressemitteilung zufolge gewerbs- und bandenmäßigen Betrug sowie gewerbs- und bandenmäßige Untreue beziehungsweise Beihilfe hierzu zur Last.

Die Angeklagten sollen Gelder in Millionenhöhe mit hohen Renditeversprechen bei Privatanlegern eingesammelt und zum großen Teil zu anderen Zwecken als vorgegeben verwendet haben. Dabei geht es nach Angabe der Ankläger um geschlossene Fonds, die gezielt zur Liquiditätsabschöpfung aufgelegt worden sein sollen. Insgesamt sind laut Staatsanwaltschaft 11.000 Direktanleger davon betroffen. Zudem wurden die Lebensversicherungsverträge von über 1300 Anleger gekündigt, damit das Geld in S&K-Geschäfte investiert werden kann.

Darüber hinaus werfen die Staatsanwälte den Angeklagten vor, Fondsgesellschaften erworben zu haben, um unrechtmäßig auf die Anlegergelder zugreifen zu können. Die Angeklagten waren für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen nicht zu erreichen. Bis zu einem möglichen Urteil gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

Tausende Anleger verlieren Millionen - der Schaden

Edle Uhren, Autos, Partys: Viel Geld der Anleger soll in Luxusartikel und den ausschweifenden Lebensstil der S&K-Leute geflossen sein

Edle Uhren, Autos, Partys: Viel Geld der Anleger soll in Luxusartikel und den ausschweifenden Lebensstil der S&K-Leute geflossen sein

Foto: ALEX HOFFORD/ picture alliance / dpa

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt beziffert den Schaden, um den es im Prozess gehen wird, auf circa 240 Millionen Euro. Tatsächlich dürfte die S&K-Gruppe aber noch größere Verluste bei Anlegern verursacht haben. "Diese 240 Millionen, die wir hier als Schaden haben, sind ja nur pars pro toto", sagte Albrecht Schreiber, der Leitende Oberstaatsanwalt bei der Präsentation der Anklageschrift. "Es ist sicherlich von einem viel größeren Gesamtschaden auszugehen."

Entstanden ist der Schaden angeblich, weil die Verantwortlichen von S&K das Geld der Anleger nicht rechtmäßig investiert haben. Stattdessen soll ein Großteil für den ausschweifenden Lebensstil der S&K-Leute ausgegeben worden sein,teure Partys, wertvolle Uhren und schnelle Autos inklusive.

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Autos, Uhren, Gold: Was an Vermögen bei S&K sichergestellt wurde

Foto: SPIEGEL TV

Nach Ansicht von Beobachtern gibt es in der Rechnung allerdings noch eine große Unbekannte. "Rund 240 Millionen Euro sollen von S&K direkt eingesammelt worden sein", sagt etwa Rechtsanwalt Marc Gericke, der zahlreiche S&K-geschädigte in Zivilprozessen vertritt. "Die Investments der Gruppe sowie die von Behörden sichergestellten Gelder erreichen diesen Betrag jedoch bei weitem nicht. Eine ziemliche große Summe, schätzungsweise 80 bis 100 Millionen Euro, scheint also noch offen. Und es stellt sich die Frage: Wo ist dieses Geld."

Tausende Ermittler stürmen bundesweit die S&K-Räume - die Razzia

Ermittler zu Besuch: Am 19. Februar führten die Behörden eine bundesweite Großrazzia gegen S&K durch

Ermittler zu Besuch: Am 19. Februar führten die Behörden eine bundesweite Großrazzia gegen S&K durch

Foto: DPA

Zu den ersten, die über Verdachtsmomente gegen die S&K-Gruppe berichtet hatten, gehörte schon im November 2012 manager-magazin.de. Im Februar 2013 dann, kurz nach einer weiteren kritischen S&K-Geschichte auf manager-magazin.de schlagen die Justizbehörden zu.

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Staatlicher Besuch bei S&K: Bilder von der Razzia in Frankfurt

Foto: Bernhard L. Lacroix

Im Rahmen einer bundesweiten Großrazzia durchsuchen mehr als 1000 Ermittler in verschiedenen Bundesländern mehr als 100 Gebäude von S&K sowie Firmen und Privatwohnungen aus dem Umfeld der Gruppe. Sechs Hauptverdächtige kommen in Untersuchungshaft. Insgesamt wird in dem Komplex gegen etwa 50 Personen ermittelt, teilt die Staatsanwaltschaft mit. Später erhöht sie die Zahl auf 140. Selbst Beschäftigte des TÜV Süd sollen in die Machenschaften verstrickt sein.

Wenige Tage nach der Razzia im Februar gibt es weitere Verhaftungen. Die Bilder von der Razzia gehen durch alle Medien.

Mammutverfahren von unabsehbarer Dauer - der Prozess

Juristen unter sich: Der S&K-Prozess in Frankfurt dürfte sich lange hinziehen

Juristen unter sich: Der S&K-Prozess in Frankfurt dürfte sich lange hinziehen

Foto: Oliver Berg/ dpa

Der Prozess gegen die Verantwortlichen von S&K und deren Partnerfirmen findet vor der 28. Großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Frankfurt statt, die die Anklage der Frankfurter Staatsanwaltschaft am 28. Juli dieses Jahres teilweise zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet hat. Verhandelt wird, sofern sich keine Änderungen ergeben, in Saal I des Gebäudes E im Gerichtskomplex zwischen Seilerstraße, Zeil und Konrad-Adenauer-Straße.

In dem Saal, der sich im Erdgeschoss befindet, sollten die Justizbeamten unbedingt darauf achten, dass die Fenster stets geschlossen sind: Bei einem Gerichtstermin im September 2013 war S&K-Gründer Stephan S. kurzerhand aus einem geöffneten Fenster gesprungen. Dabei zog sich S. schwere Verletzungen zu, denn der Raum befand sich im ersten Obergeschoss - und der S&K-Mann trug Handschellen.

Laut Terminplan des nun anstehenden S&K-Prozesses sind bis Mitte November zunächst 17 Verhandlungstage angesetzt. Danach will man sich - mit Unterbrechung in der Weihnachtszeit - meist zweimal pro Woche im Gerichtsaal treffen.

Die Dauer des Prozesses erscheint derzeit noch völlig offen. Klar ist dagegen aber wohl eins: Zunächst dürften die Anwesenden mehrere Verhandlungstage lang der Staatsanwaltschaft lauschen, die ihre umfangreiche Anklage vorträgt.

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