Flucht vor niedrigen Zinsen So kaufen Sie den richtigen Dividendenfonds

Geldanlage gesucht? Dividendenfonds sind eine Möglichkeit.

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Dax-Bilanz 2017: Die stärksten Aktien des Jahres ... und die schwächsten

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Die Dividende ist der neue Zins - den Spruch dürften die meisten Anleger schon einmal gehört haben. Gemeint ist: In einer Zeit, in der Banken und Sparkassen kaum noch Zinsen bieten, können sich Investoren an Aktien halten, bei denen es möglichst regelmäßig Gewinnausschüttungen gibt. Die Konzerne, die dabei seit besonders langer Zeit die zuverlässigsten sind, bezeichnen Fachleute gern als Dividenden-Aristokraten. Im deutschen Leitindex Dax  werden beispielsweise die Autobauer Daimler  und BMW  sowie der Versicherungskonzern Allianz  zu dieser Riege gezählt.

Das Prinzip funktioniert allerdings nicht nur auf der Ebene einzelner Papiere. Manch einer, der früher in Anleihenfonds investiert hat, dürfte angesichts niedriger Zinsen inzwischen ebenfalls nach Alternativen suchen. Eine Option sind dann Dividendenfonds.

"Wir beobachten schon seit längerer Zeit eine hohe und nicht abreißende Nachfrage nach globalen Dividendenfonds", sagt Frank Wieser, Geschäftsführer bei PMP Vermögensmanagement in Düsseldorf. "Allerdings sehen wir keine Umschichtungen von Anleihen hin zu Dividenden sondern eher, dass solche Fonds statt 'normaler' Aktienfonds eingesetzt werden." Vielen Marktteilnehmern sei das Kursniveau zu hoch, so Wieser. "Wenn man dann doch in Aktien einsteigen möchte, sind Dividendentitel ein guter Kompromiss."

Die Frage ist nur: Wie den richtigen Fonds auswählen? Worauf ist zu achten?

Hier ein Überblick über einige der wichtigsten Merkmale, die Investoren beim Kauf von Dividendenfonds im Blick haben sollten:

Die Titelauswahl - welche Aktien sind im Fonds?

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Dax-Bilanz 2017: Die stärksten Aktien des Jahres ... und die schwächsten

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Das A und O eines jeden Investmentfonds: Welche Papiere kommen ins Portfolio - und welche nicht. Wie eingangs erwähnt gibt es eine Reihe von Konzernen, die für eine langjährige, zuverlässige Dividendenzahlung bekannt sind, die sogenannten Aristokraten. Es könnte also sehr einfach sein: Das Fondsmanagement verteilt die Gelder auf die besten dieser Titel, und fertig.

Doch ganz so simpel ist es nicht, wie schon ein Blick auf die Performance aktuell angebotener Dividendenfonds zeigt. Insgesamt 225 verschiedene Produkte mit der Ausrichtung "Aktien weltweit dividendenorientiert" führt beispielsweise die Ratingagentur Morningstar in ihrer Datenbank . Die Wertentwicklung allein im laufenden Jahr reicht dabei von knapp 12 Prozent plus bis 4 Prozent minus.

Ein Grund dafür: Nahezu jeder Fonds verfügt über ein anderes Portfolio einzelner Aktien. Die Performance dieser Papiere basiert zudem lediglich zum Teil auf deren Gewinnausschüttungen - einen wichtigen Beitrag leistet darüber hinaus die Kursentwicklung, die von allen möglichen Faktoren an der Börse beeinflusst wird.

Investoren sollten daher vor dem Fondskauf einen Blick in die Informationsunterlagen werfen, um herauszufinden, wie das Management bei der Zusammenstellung des Portfolios vorgeht. Dabei kommen zum Teil erhebliche Unterschiede zum Vorschein.

Jeder Fondsmanager wählt die Aktien anders aus

Für den Fonds "Danske Invest Europe High Dividend" etwa kommen von vornherein nur rund 800 europäischen Firmen in Frage, die über eine Marktkapitalisierung von mindestens zwei Milliarden Euro verfügen.

Nachdem das Fondsmanagement weitere Auswahlkriterien angelegt hat, wie beispielsweise die Dividenden-Ausschüttungsquote der Unternehmen, die Bewertung der Aktien gemessen etwa am Kurs-Gewinn-Verhältnis oder die Qualität der Titel, die beispielsweise aus der Eigenkapitalrendite hervorgeht, reduziert sich das Investmentuniversum auf 320 Aktien, wie Fondsmanager Asger Lund Nielsen in einem Interview  erläutert. Nach einer weiteren Analyse der einzelnen Papiere bleiben nur noch 35 übrig, in die investiert werden kann.


Zum schnellen Überblick: Die besten Aktien im Dax - und die besten Dividendenzahler


Einen ähnlichen Ausleseprozess gibt es auch beim Anbieter First Private aus Frankfurt, der sich allerdings auf den sogenannten Quant-Ansatz, also auf Computer-gestützte Investmententscheidungen, spezialisiert hat. Beim Fonds "First Private Euro Dividenden Staufer" nimmt das Unternehmen zunächst Daten zu mehr als 2500 Aktiengesellschaften unter die Lupe, wie First-Private-Geschäftsführer Richard Zellmann im Gespräch mit manager magazin online erläutert. Nach einer systematischen Analyse der Dividendenzahlungen etwa nach den Kriterien Rendite, Stabilität, Trend oder Wachstum sowie einer qualitativen Prüfung der Aspiranten bleiben letztlich noch maximal rund 50 Aktien übrig, die für einen Kauf durch First Private in Frage kommen.

Das sind nur zwei Beispiele von vielen, und auch die Argumente anderer Anbieter klingen in der Regel überzeugend. Was also tun? Grundsätzlich sollte bei der Aktienauswahl darauf geachtet werden, dass es sich um Substanzwerte handelt die fair oder günstig bewertet sind, lautet ein Tipp von Andreas Görler, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Wellinvest Pruschke & Kalm. "Das Unternehmensmanagement sollte bereits über Erfahrungen in schwierigen Marktphasen verfügen und eine konsequente Strategie verfolgen."

Auch PMP-Geschäftsführer Wieser hält die Vorgehensweise bei der Titelauswahl für entscheidend. "Kauft der Fondsmanager Aktien, die seit Jahren konstante oder steigende Dividenden aufweisen oder setzt er auf gefallene Titel, wo das Verhältnis zwischen Einstiegskurs und Dividende gut ist?", sagt er. "Gerade vom letzteren Ansatz ist abzuraten, denn man investiert dann schnell in ein Portfolio ohne Perspektive."

Die Unwägbarkeiten - welche Risiken sind im Fonds?

Der Vorteil des Fondsinvestments ist es per Definition, dass die Gelder der Anleger breit gestreut werden, was das Anlagerisiko tendenziell überschaubarer macht. Dennoch gibt es auch bei Investmentfonds bestimmte Unwägbarkeiten, gegen die eine Absicherung eingebaut werden kann. So lassen sich Verlustgefahren begrenzen, aber auch Renditechancen schmälern.

Ein Beispiel ist die Absicherung gegen Währungsrisiken, die bei Dividendenfonds häufig am Zusatz "EUR hedged" im Namen zu erkennen ist, und die nach Ansicht von Roger Bergande, Manager des entsprechend aufgestellten Fonds "Bantleon Dividend", speziell für jene Anleger von Bedeutung ist, die gegenwärtig von Anleihenfonds zu Dividendenfonds switchen. "Ohne Währungsabsicherung ist bei einer starken Dollar-Abwertung wie in diesem Jahr der Kursgewinn der Aktien schnell durch den Währungsverlust aufgezehrt", sagt Bergande. "Langfristig, also über mehrere Jahre, gleicht sich das aus, aber sicherheitsbewusste Anleger können bei den so entstehenden starken Volatilitäten verunsichert werden und spontan mit Verlust verkaufen."

Die Währungsabsicherung dient insofern der Verringerung des Gesamtrisikos im Fonds, so der Bantleon-Mann. "Die Volatilität wird reduziert. Damit kommt der Dividendenfonds einem Anleihenfonds etwas näher."

Wie immer hat allerdings auch diese Medaille zwei Seiten. "Je nachdem wie sich die Wechselkurse entwickeln, kann eine Absicherung positive oder negative Effekte auf den Anlageerfolg in der Basiswährung haben", gibt Patrick Zimmermann, Fondsmanager des "UBS Global High Dividend", zu bedenken.

Die Kosten - welche Belastungen sind im Fonds?

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Einen Großteil der Rendite, die ein Fonds abwirft, kann der Investor kaum beeinflussen. Sie hängt vom Management ab sowie von der Performance der erworbenen Aktien im Portfolio. Auf einen Faktor jedoch hat jeder Anleger direkten Einfluss: Er kann sich genau anschauen, welche Kosten die einzelnen Fonds ihren Investoren in Rechnung stellen, und sich im Zweifel für die günstigere Offerte entscheiden. Schon einfache Kalkulationen zeigen, wie stark sich scheinbar geringfügige Kostenunterschiede über die Jahre auf die Performance auswirken können.

Grundsätzlich gilt: Aktiv gemanagte Fonds sind teurer als passive Fonds. Letztere spiegeln in der Regel lediglich einen vorgegebenen Index wider, erzielen dabei aber nicht selten bessere Ergebnisse als die aktiven Portfoliolenker. Indizes, die beim Thema Dividenden-Investments in Frage kommen, sind vor allem: Der Dow Jones Global Select Dividend, der S&P Global Dividend Aristocrats, der SG Global Quality Income sowie der STOXX Global Select Dividend 100 Index.

Neben den laufenden Kosten sollten Anleger allerdings auch einmalige Kosten beim Erwerb der Fondsanteile beachten. Viele Fondsanbieter halten nach wie vor an Ausgabeaufschlägen von bis zu 5 Prozent fest, die letztlich ebenfalls das Anlageergebnis beeinträchtigen. Investoren sollten daher nach Fonds Ausschau halten, die auf solche Aufschläge verzichten.

Das Fazit - welcher Fonds für welchen Investor?

"Von den 11.000 gemanagten Investmentfonds gibt es eine ordentliche Auswahl von dividendenorientierten Aktienfonds", fasst Portfoliomanager Görler von Wellinvest die Situation aus Sicht der Anleger zusammen. "Praktisch bietet jeder größere Anbieter solche Fonds an. Zusätzlich gibt es genügend passive Fonds beziehungsweise Exchange Traded Funds oder ETFs, die diesen Fokus haben."

Görlers Tipp: Der amerikanische ETF-Anbieter Wisdom Tree, der seit zwei Jahren in Deutschland aktiv ist, ist genau auf dieses Thema spezialisiert und bietet dividendenorientierte Strategien für amerikanische, europäische und Schwellenländer-Aktien an.

Ob es allerdings tatsächlich eine gute Idee ist, lediglich aufgrund niedriger Zinsen von Anleihenfonds zu Dividendenfonds zu wechseln, sei dahingestellt. "Es ist ein schöner Werbespruch, dass die Dividende der neue Zins ist", sagt Lothar Koch, Leiter des Portfoliomanagements bei GSAM + Spee Asset Management. "Trotzdem ist die Dividendendenaktie nicht der vollständige Ersatz für eine Anleihe."

Das gleiche gelte für Fonds, so Koch. "Anleiheanleger sind normalerweise defensive Anleger", sagt er. "Aktien haben aber ein generell höheres Schwankungs- und Verlustrisiko als Aktien. Deswegen stuft sie das Wertpapierhandelsgesetz in höhere Risikoklassen ein."

Auch diesen Aspekt sollten Investoren nicht außer Acht lassen, wenn sie sich für einen Dividendenfonds entscheiden.

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