Sonntag, 26. Mai 2019

Börse Dax erholt sich - Deutsche Bank springt an die Spitze

Deutsche Bank: Bankchef Cryan sieht am Markt "Kräfte am Werk, das Vertrauen in das Geldhaus zu schwächen"

Der Ausverkauf bei der Deutschen Bank drückt den Dax am Freitag Morgen zunächst tief ins Minus. Bis zum Nachmittag holt der Index jedoch wieder auf. Auch die Deutsche Bank setzt zur einem fulminanten Rebound an.

Achterbahnfahrt an den Börsen: Die Turbulenzen der Deutschen Bank haben die europäischen Anleger am Freitag in Atem gehalten. Die Aktien des größten deutschen Geldhauses rutschten am Morgen erstmals unter die psychologisch wichtige Marke von zehn Euro. "Das Gespenst einer neuen Bankenkrise geht an den Finanzmärkten um", sagte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets.

Mit Folgen: Der Dax Börsen-Chart zeigen und der EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen fielen im frühen Handel um jeweils mehr als zwei Prozent auf ein Zwei-Monats-Tief. Im Handelsverlauf konnte der Dax Börsen-Chart zeigen seine Verluste jedoch komplett wieder aufholen und schloss zum Ende des Xetra-Handels mit einem Gewinn von 1,1 Prozent oberhalb der Marke von 10.500 Punkten. Der Anlass für die Erholung am Nachmittag: An der Wall Street starteten Dow Jones Börsen-Chart zeigenund Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen mit Gewinnen in den Handel und bauten diese im weiteren Handelsverlauf aus - allen voran die Aktie der Deutschen Bank.

Deutsche Bank fällt auf Rekordtief - und legt dann 17 Prozent zu

Die Titel der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen fielen am Freitag Morgen zeitweise um neun Prozent auf ein Rekordtief von 9,90 Euro, setzten dann aber zu einer Erholung an. Als die Aktie am Nachmittag in die Gewinnzone drehte, setzte ein klassischer Short Squeeze ein, Leerverkäufer stellten ihre Positionen glatt und verliehen der Aktie damit zusätzlich Auftrieb. Zum Handelsschluss in Deutschland notierte die Aktie der Deutschen Bank rund 7 Prozent fester bei 11,70 Euro - ein fulminanter Rebound nach dem Rekordtief.

Auslöser der Talfahrt am Vorabend war ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, demzufolge das Geldhaus Kunden aus der Hedgefonds-Branche verliere. Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research mahnte zur Besonnenheit. "Dramatisch wird es erst, wenn andere Kunden wie Vermögensverwalter oder Firmen der Deutschen Bank den Rücken zukehren." Seine Kollegen von der US-Bank JPMorgan warnten, dass ein größerer Exodus eine Kapitalerhöhung notwendig machen könne.

Bankchef Cryan schreibt Brief an Mitarbeiter - "komfortabler Puffer"

Auch Deutsche Bank-Chef John Cryan versuchte, die Wogen zu glätten. Er verwies in einem Brief an die Mitarbeiter auf die mit 215 Milliarden Euro "überaus komfortablen" Liquiditätsreserven. "Obwohl Viele der Einschätzung zustimmen, dass die Deutsche Bank ein solides Unternehmen ist, scheint das Händler kaum zu interessieren", betonte Aktienmarkt-Experte Markus Huber vom Brokerhaus City of London. Je länger die Spekulationen um die Deutsche Bank anhielten, desto größer sei die Gefahr eines Vertrauensverlustes in die gesamte Finanzbranche.

Hohe Forderung der US-Justiz versetzt Bankensektor in Unruhe

Der Deutschen Bank drohen hohe Strafen aus Rechtsstreitigkeiten. So fordern die US-Behörden allein wegen Tricksereien am dortigen Immobilienmarkt 14 Milliarden Dollar. Experten rechnen jedoch damit, dass die endgültige Summe nach Verhandlungen deutlich geringer ausfallen wird. "Angesichts der wachsenden Sorgen des Marktes ist eine Einigung wichtig", betonten die Analysten der US-Bank Goldman Sachs. An der Börse ist der gesamte Konzern derzeit umgerechnet nur gut 15 Milliarden Dollar wert.

Euro fällt

Vor diesem Hintergrund geriet auch der Euro unter Druck. Er verbilligte sich um einen knappen halben US-Cent auf 1,1185 Dollar. Zur Schweizer Währung fiel er sogar auf ein Zwei-Monats-Tief von 1,0808 Franken. Andere als sicher geltende Anlagen wie Bundesanleihen waren ebenfalls gefragt: Der Bund-Future legte 44 Ticks auf 166,17 Punkte zu.

Hedgefonds reduzieren Geschäft mit Deutscher Bank

Anlass für den Kursrutsch der Deutschen Bank: Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge haben einige Hedgefonds ihr Derivate-Geschäft mit der Deutschen Bank reduziert. Angeblich haben etwa 10 Hedgefonds, darunter die Hedgefonds Millennium Partners, Capula Investment und Rokos Capital Management, ihre Geschäfte mit Deutschlands größter Bank reduziert und investiertes Geld abgezogen, hieß es.

Dies sei ein ganz normaler Fall von Risikomanagement und die große Mehrzahl der rund 200 Geschäftspartner, die mit der Deutschen Bank ähnliche Derivate-Geschäfte betreiben, hätten keine Änderungen vorgenommen, hieß es. Dennoch sorgte die Nachricht, dass einige Fonds ihr eigenes Risiko offenbar reduzierten, für steigende Nervosität im Bankensektor. Erinnerung an die Lehman-Krise werden wach, obwohl die Situation der Deutschen Bank nicht mit der Situation von Lehman Brothers vergleichbar ist. "Das Worst Case Szenario ist eine Pleite wie damals die Lehman-Pleite", sagte ein Händler. "Die Deutsche Bank muss nun ein Vertrauenssignal aussenden, um den Markt zu beruhigen".

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ak/reuters/dpa-afx

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