Dienstag, 2. Juni 2020

Investments im Corona-Wirbel Was jetzt das Anlagedepot stabilisiert

Kopfzerbrechen wegen Kursturbulenzen: Investoren brauchen in der Corona-Krise starke Nerven.

Während der Corona-Turbulenzen an der Börse stechen einige Papiere mit hohen Kursgewinnen hervor. Investoren sollten das allerdings besser ignorieren.

Pharma-Konzerne, Online-Händler, Homeoffice-Profiteure, und dazu die bekannten "sicheren Häfen" - welche Werte am Finanzmarkt von der Corona-Krise profitieren sollten, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Inzwischen ist die Krise allerdings einige Monate alt. Zeit also für eine Zwischenbilanz: Welche Aktien haben sich tatsächlich positiv entwickelt? Welche Investments stabilisieren in dieser unruhigen Zeit wirklich das Depot?

1. "Sichere Häfen": Gold, Staatsanleihen und Co.

Gold Börsen-Chart zeigen, der Klassiker unter den "sicheren Häfen" am Anlagemarkt. In der Corona-Krise kamen zunächst Zweifel auf, ob das Edelmetall seinem Ruf gerecht werden würde. Als die Aktienmärkte Mitte Februar massiv einbrachen, zog es auch den Goldpreis ins Minus. Zu viele Investoren benötigten offenbar schlagartig Liquidität und mussten auch am Goldmarkt Positionen auflösen.

Inzwischen stimmt jedoch das Bild: Der Goldpreis ist in den vergangenen Wochen stetig geklettert. Inzwischen kostet eine Unze wieder deutlich mehr als 1700 Dollar. Erstmals sprang der Preis in dieser Woche zudem über die Marke von 1600 Euro je Unze - ein Rekordhoch. Gold bewährt sich offenbar als krisenfeste Anlage - das zeigt auch eine Studie des World Gold Council (WGC). Die Analyse, die sich auch auf Finanzmarktkrisen früherer Jahre erstreckt, ergab, das Gold als Absicherung im Depot besser wirkt als andere Optionen, beispielsweise Credit Default Swaps (CDS), andere Edelmetalle wie Silber oder schlicht Cash-Positionen.

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Ebenfalls beliebt zur Absicherung: Staatsanleihen finanzstarker Nationen. Bundesanleihen etwa oder US-Staatsanleihen gelten am Anlagemarkt als das Maß der Dinge, ihre Verzinsung bildet die Benchmark für andere Papiere.

Ein genauer Blick in der aktuellen Corona-Krise allerdings lässt feine Unterschiede erkennen. Zwar entwickelten sich deutsche Staatsanleihen in den vergangenen Wochen vergleichsweise stabil, mit einer Wertentwicklung etwa bei zehnjähriger Laufzeit von knapp 1 Prozent über die vergangenen drei Monate. Besser lagen Investoren jedoch mit US-Staatsanleihen. Deren Performance bei zehn Jahren Laufzeit betrug in den vergangenen drei Monaten beinahe 8 Prozent - das Vertrauen in die wirtschaftsstärkste Nation der Welt ist offenbar nach wie vor groß.

2. Corona-Bekämpfer: Pharma, Biotech und Co.

Wer sich anschaut, wie die Aktienmärkte Europas bislang durch die Krise gekommen sind, erkennt zum Teil erhebliche Unterschiede. Vor allem zwei Länder stechen positiv hervor: die Schweiz und insbesondere Dänemark. Die Börse der Eidgenossen liegt gegenüber dem Start des Markt-Crashs Mitte Februar gegenwärtig nur noch ungefähr mit 10 Prozent im Minus. Der dänische Aktienmarkt ist sogar schon wieder beinahe bei Plus-Minus-Null angekommen. Zum Vergleich: Der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen notiert gegenüber Mitte Februar nach wie vor mit einem Minus von etwa 25 Prozent.

Des Rätsels Lösung: Sowohl in der Schweiz als auch in Dänemark haben Pharmaunternehmen ein besonders großes Gewicht am Aktienmarkt. Weltweit liefert sich die Pharmabranche ein Rennen um die Entdeckung von Mitteln gegen das Coronavirus sowie die dadurch ausgelöste Krankheit Covid-19. Ein Erfolg bedeutet dabei wohl ein Milliardengeschäft - kein Wunder, dass Investoren dieser Branche in besonderem Maße die Stange halten.

Allerdings lohnt auch an dieser Stelle ein genauer Blick: Längst nicht alle Pharma-, Medizin- und Biotech-Aktien halten sich in der Corona-Krise gleichermaßen stabil. Der deutsche Dax-Konzern Bayer Börsen-Chart zeigen beispielsweise kam mit einem Kursverlust von rund 20 Prozent seit Beginn des Markt-Crashs bis heute heftig unter die Räder. Der Schweizer Weltkonzern Novartis Börsen-Chart zeigen steht mit einem Kursminus von etwa 10 Prozent schon besser da. Zudem gibt es zum Beispiel den Schweizer Pharmariesen Roche Börsen-Chart zeigen, der seine anfänglichen Kursverluste inzwischen immerhin wieder wettgemacht hat. Gleiches gilt übrigens für manche weniger stark beachteten, kleineren Pharma- und Medizinwerte wie etwa Siemens Healthineers Börsen-Chart zeigen oder Gerresheimer Börsen-Chart zeigen, einen Hersteller von Verpackungen unter anderem für die Pharmabranche.

Und dann sind da noch jene Unternehmen, die unmittelbar und ganz konkret mit der Corona-Bekämpfung in Verbindung gebracht werden und deren Kurse davon deutlich angetrieben werden. Beispiele sind der Anbieter von Testtechnologien Qiagen Börsen-Chart zeigen (Kursplus seit Mitte Februar: mehr als 10 Prozent), der Gilead-Konzern Börsen-Chart zeigen, der mit Remdesivir ein Medikament herstellt, auf dem einige Hoffnungen im Kampf gegen Covid-19 ruhen (Kursplus: rund 15 Prozent), sowie der Hersteller von Schutzausrüstungen Drägerwerk Börsen-Chart zeigen (Kursplus bislang: rund 30 Prozent).

An der Stelle zeigt sich allerdings auch, wie schwer vorhersehbar und flüchtig die Kursgewinne in diesem Bereich sein können. Investoren reagieren auf jede Information unmittelbar, und zwar in die eine wie die andere Richtung. Die Folge sind teilweise starke Schwankungen bei den Papieren. Das musste beispielsweise am Donnerstag dieser Woche der Gilead-Konzern erleben, dessen Aktien durch einen Bericht der "Financial Times" über angeblich negative Ergebnisse einer Studie zu Remdesivir ins Rutschen gebracht wurden.

Ein weiteres Beispiel für die hohe Volatilität je nach Nachrichtenlage ist die deutsche Biotech-Firma Biontech, die sich an der Suche nach einem Corona-Impfstoff beteiligt. Der Aktienkurs des Unternehmens liegt seit Beginn des Corona-Crashs am Aktienmarkt mit mehr als 50 Prozent im Plus, das Unternehmen kann also durchaus zu den Gewinnern der Krise gerechnet werden. Aber ist es auch ein Stabilisator für das Depot? Der Kurs der Biontech-Aktie war zwischenzeitig bereits auf ein Plus von beinahe 200 Prozent in die Höhe geschossen - solche Schwankungen mag eigentlich wohl kaum ein Anleger.

3. Lockdown-Gewinner: Online-Händler, Video-Chat-Portale und Co.

Schließlich gibt es noch jene Unternehmen, die von der ungewöhnlichen Umstellung des Alltags für viele Millionen Menschen weltweit profitieren sollten: Lockdown, Quarantäne, Kontaktverbote, Homeoffice. Wer die Namen der Aktien wissen will, die an der Stelle zu den Gewinnern zählen, muss eigentlich nur seinen Tagesablauf checken:

  • Vormittags: Videokonferenz per Zoom (Kursplus: mehr als 60 Prozent seit Beginn des Corona-Crashs an der Börse).
  • Nachmittags: Shopping auf Amazon Börsen-Chart zeigen (Kursplus: etwa 10 Prozent auf das Rekordniveau jenseits von 2200 Euro je Aktie).
  • Abends: Serien-Binge-Watching auf Netflix Börsen-Chart zeigen (Kursplus: ebenfalls rund 10 Prozent).

Aber auch dabei gilt: Vorsicht. Viele Zwangsisolierte dürften beim Abendessen angesichts geschlossener Restaurants auf den Bringdienst ausweichen. Die Aktie des Lieferunternehmens Delivery Hero Börsen-Chart zeigen jedoch hat seit Mitte Februar etwa 10 Prozent an Wert verloren.

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Auch daran zeigt sich: Die Profiteure der Corona-Misere am Finanzmarkt lassen sich zwar grob erahnen, mit Sicherheit voraussagen lassen sie sich im Einzelnen jedoch kaum. Und um eine Stabilisierung im Depot zu erreichen, wäre schließlich der frühzeitige Einstieg in die richtigen Werte entscheidend - eine rückblickende Betrachtung wie die hier vorliegende hilft da wenig.

Investoren sollten sich also womöglich von der Vorstellung verabschieden, während der Corona-Krise besonders clevere Investments machen zu können. Besser ist es, sich auch in diesen turbulenten Zeiten an die Basics der Geldanlage zu halten: die Mittel breit streuen, die Kosten niedrig halten - und Ruhe bewahren.

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