Früher geschlossene Fonds, jetzt AIF Sachwert-Fonds legen kräftig zu - gelingt das Comeback?

Diesige Aussichten: Die Anbieter von AIF-Kapitalanlagen verzeichnen ordentliches Wachstum - ein großer Teil des Marktes ist aber weiterhin schwer zu durchschauen.

Diesige Aussichten: Die Anbieter von AIF-Kapitalanlagen verzeichnen ordentliches Wachstum - ein großer Teil des Marktes ist aber weiterhin schwer zu durchschauen.

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Containerschiffe, Bürogebäude, Windparks, Flugzeuge - es gab eine Zeit, da florierte in Deutschland das Geschäft mit sogenannten geschlossenen Fonds, über die private Anleger viel Geld in all diese verschiedenen Sachwerte steckten. Zweistellige Milliardensummen flossen zu Hochzeiten in solche Kapitalanlagen, und zwar Jahr für Jahr.

Gelockt wurden die Anleger von hohen Renditeversprechen sowie häufig auch steuerlichen Vorteilen. Und weil die Fonds zum Großteil stattliche Gebühren einstrichen, klingelten bei den Machern und deren Vertriebspartnern jahrelang die Kassen.

Dann kam der Absturz: Während der Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2008 kam das Geschäft mit geschlossenen Fonds praktisch zum Erliegen. Zudem hatten zahlreiche Anlageskandale und fragwürdige Geschäftspraktiken den Gesetzgeber auf den Plan gerufen: Mit dem Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) erhielten die Fondsanbieter 2013 deutlich umfangreichere Vorgaben und Anforderungen - das sorgte für eine grundlegende Neuordnung dieses Nischenmarktes, der viele Firmen zum Opfer fielen.

Alles auf Anfang, hieß es also 2014, im ersten Jahr unter den Regeln des KAGB. Seither versuchen diejenigen Fondshäuser, die die Marktbereinigung überstanden haben, das Beteiligungsgeschäft wieder in Gang zu bringen. Eine neue Studie zeigt nun, dass ihnen das offenbar besser gelingt, als womöglich viele gedacht hätten.

Es ist seit Jahren die erste umfassende Marktübersicht über das Geschäft mit den Kapitalanlagen, die früher geschlossene Fonds genannt wurden, und heute, in ihrer reformierten Form, Alternative Investmentfonds (AIF) heißen. Und es ist eine Analyse, die von berufener Stelle kommt: Autor Stefan Loipfinger war schon zu den Hochzeiten des Geschäfts mit geschlossenen Fonds eine feste Größe in der Branche.

Über Jahre erwarb sich Loipfinger einen Namen als versierter Fachjournalist sowie überaus kritischer und mitunter auch gefürchteter Beobachter des Geschehens. Die Symposien, auf denen der "Fondspapst", wie viele Medien ihn nannten, regelmäßig zu Jahresbeginn die Ergebnisse seiner akribischen Marktanalysen präsentierte, galten als Pflichtveranstaltung für Vorstände und Geschäftsführer aus der ganzen Republik.

Zweistelliges Wachstum - und weiterhin Probleme

Nun hat Loipfinger den Markt also erneut unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Die Geschäfte mit AIF für Privatanleger laufen offenbar bereits wieder besser, als von vielen in der Branche erwartet. Mehr als 100.000 Anleger haben seit Einführung des KAGB bereits insgesamt 4,2 Milliarden Euro in die Investmentvehikel gesteckt. Allein 1,57 Milliarden Euro sammelten die Anbieter der Untersuchung zufolge im vergangenen Jahr ein. Das Geld floss vor allem in Immobilien im In- und Ausland, in See-Container sowie in Flugzeugfinanzierungen. Containerschiffe dagegen, für die per geschlossenen Fonds einst Milliarden eingesammelt wurden, spielen praktisch keine Rolle mehr.

Stefan Loipfinger

Stefan Loipfinger

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Besonders bemerkenswert: Der Markt verzeichnete Sowohl zwischen 2015 und 2016 mit plus 17 Prozent, als auch zwischen 2016 und 2017 mit knapp 19 Prozent jeweils kräftige, zweistellige Zuwächse. Gelingt der Beteiligungsbranche also tatsächlich ein Comeback zu alter Größe?

Experte Loipfinger glaubt, dass durchaus auch künftig weiteres Wachstum möglich ist. "Die durchschnittlichen Zeichnungssummen lagen zuletzt bei mehr als 45.000 Euro je Anleger", zitiert er im Gespräch mit manager magazin online aus seiner Untersuchung. "Vorausgesetzt, dass eine ordentliche Finanzberatung stattfindet, kann es sich bei den Anlegern also bislang eigentlich nur um Millionäre handeln."

Für Loipfinger heißt das: Wenn die Fondsanbieter die richtigen Maßnahmen ergreifen, um breitere Kundenkreise zu erschließen, könnten sie auch weiteres Wachstum generieren. "Ich meine selbstverständlich nicht den klassischen Kleinanleger, für den diese Investments in der Regel nach wie vor kaum geeignet sind", so der Fachmann. "Aber Investoren im Vermögensbereich von einer Viertel- oder einer halben Million Euro kommen als Anleger durchaus in Frage."

Ungeachtet des rasanten Wachstums beäugt Experte Loipfinger den Markt allerdings nach wie vor mit Besorgnis. So habe das KAGB das Geschäft mit bislang unregulierten Kapitalanlageprodukten keineswegs vollends unter Kontrolle gebracht, sagt er. Gleichzeitig schuf der Gesetzgeber vielmehr mit dem Vermögensanlagegesetz (VermAnlG) eine Regelung, unter der Marktneulinge und kleinere Anbieter mit geringeren Auflagen agieren und Investorengelder einsammeln können.

"Zumindest kann niemand mit dem Geld einfach abhauen"

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Dieser Ansatz sei jedoch missglückt, sagt Loipfinger. Der Markt für Kapitalanlagen nach dem lockerer gefassten VermAnlG ist seiner Einschätzung nach inzwischen noch einmal etwa ebenso groß, wie jener für KABG-Produkte. Unter das VermAnlG fallen beispielsweise vielfach Schwarmfinanzierungen, Direktinvestitionen etwa in Container, Bürgerwindparks sowie verschiedenste Investments per Nachrangdarlehen oder Genussrecht. In allen diesen Fällen erhält der Anleger aufgrund der laxeren Kontrolle also nicht den Schutz, der eigentlich erforderlich wäre, meint der Fachmann.

Damit nicht genug: Selbst bedeutende Marktplayer, die große Summen an Anlegergeldern mobilisieren, finden Loipfingers Angaben zufolge problemlos Gesetzeslücken, die es ihnen ermöglichen, die strenge Kontrolle durch das KAGB zu umgehen und nach den Regeln des VermAnlG zu operieren.

Und selbst bei jenen Fondsanbietern, die im Rahmen des KAGB agieren, sieht Loipfinger nach wie vor große Missstände. Das Management der Firmen sei oft nach wie vor das gleiche wie vor Jahren bei den geschlossenen Fonds, sagt er. Auch an den hohen Kosten, mit denen die Fonds belastet seien, habe sich nicht viel geändert.

Einziger Lichtblick: Mit der sogenannten Verwahrstelle wurde vom Gesetzgeber offenbar eine Kontrollinstanz in das AIF-Geschäft eingefügt, die Wirkung zeigt. Zwar gab es schon früher sogenannte Treuhänder und Mittelverwendungskontrolleure, die über den korrekten Einsatz der Anlegergelder wachen sollten. Die waren aber in der Regel nah beim Fondsanbieter angesiedelt und verfügten daher nicht immer über die erforderliche Unabhängigkeit.

Das ist heute anders, sagt Loipfinger. "Die Verwahrstelle fungiert beinahe wie eine Depotbank und begleitet das Investment als Kontroll- und Absicherungsinstanz über die gesamte Laufzeit. So ist zumindest sichergestellt, dass niemand mit dem Geld einfach abhauen kann."

Das ist nach Ansicht Loipfingers der womöglich einzige Vorteil am KAGB: Plumpe Betrügereien, wie es sie früher bei geschlossenen Fonds häufiger gab, können unter dem Gesetz nach seiner Darstellung heute nicht mehr vorkommen. Das gilt allerdings nicht für den nicht unbedeutenden Teil des Marktes, der nach den weniger strengen Regeln des VermAnlG agiert.

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