Mittwoch, 24. April 2019

Kartell-Sünder Daimler und Volkswagen Darum können Auto-Aktionäre auf Schadensersatz hoffen

Angebliche Kartell-Partner BMW, Volkswagen und Daimler: Einige Autobauer könnten gegen die Adhoc-Pflicht verstoßen haben
BMW, Volkswagen, Daimler
Angebliche Kartell-Partner BMW, Volkswagen und Daimler: Einige Autobauer könnten gegen die Adhoc-Pflicht verstoßen haben

2. Teil: Jura-Professor macht Anlegern Hoffnung

Seine Meinung untermauert der Jurist mit klaren Argumenten: Die im EU-Recht verankerte Pflicht zur Ad-hoc-Publizität erfordere vor allem zweierlei: Erstens müsse die fragliche Information eine "erhebliche Kursrelevanz" haben, und zweitens müsse es einen Bezug der Informationen zum Emittenten geben. Beides sei im Falle der Selbstanzeigen von Volkswagen und Daimler wahrscheinlich gegeben, so Grundmann. Das ergebe sich auch aus der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) im Präzedenzfall "Geltl", in dem es um die Informationspflicht des Autobauers Daimler im Zusammenhang mit dem Ausscheiden des früheren Konzernchefs Jürgen Schrempp ging.

Zwar könne von einer sofortigen Information der Öffentlichkeit abgesehen werden, wenn dem Unternehmen dadurch großer Schaden drohe, führt der Experte aus. Dagegen sei jedoch das Interesse der Anleger, nicht getäuscht zu werden, abzuwägen - und letzteres wiege im Zweifel schwerer, sagt der Jurist.

Die Folge: Grundmann hält es für wahrscheinlich, dass die Bafin im Falle von Volkswagen und Daimler Verstöße gegen die Ad-hoc-Pflicht erkennen und Bußgelder verhängen wird. Die endgültige Entscheidung darüber obliege freilich wieder letztlich dem EuGH.

Kursbewegungen machen die Sache kompliziert

Die Schadensersatzforderungen seitens der Aktionäre hält Grundmann nicht zuletzt deshalb ebenfalls für aussichtsreich. "Das Wertpapierhandelsgesetz verlangt bei diesem Haftungstatbestand vom Unternehmen keinen Vorsatz, sondern lediglich ein 'grob fahrlässiges Handeln'", sagt er. "Das ist in diesem Fall wohl durchaus gegeben, weil auf das hohe Sorgfaltsniveau abgestellt wird, das Vorständen abverlangt wird."

Dass es in möglichen Schadensersatzprozessen dennoch knifflig werden kann, hat allerdings auch einen anderen Grund: Zwar sorgte das Bekanntwerden der Kartell-Vorwürfe sowohl bei der Daimler-Aktie, als auch beim Papier von Volkswagen für empfindliche Kursverluste. So rutschte die Aktie von Daimler binnen kurzer Zeit in der Spitze um etwa 6 Prozent ab. Bei Volkswagen beziffert sich der Verlust sogar auf bis zu 7 Prozent.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Zumindest bei Volkswagen ist jedoch der Zeitpunkt der Selbstanzeige relativ präzise bekannt - und im Vergleich zum seinerzeitigen Kursniveau fällt der Vergleich nicht so negativ aus: Auch nach dem Kursrutsch angesichts der Kartell-Vorwürfe notiert die Aktie des Wolfsburger Autobauers vielmehr gegenwärtig nach wie vor über dem Niveau vom Juli 2016, als das Unternehmen die Behörden informiert haben soll.

Das, so Professor Grundmann, könnte die Herleitung und Berechnung eines möglichen Schadensersatzes ziemlich kompliziert machen ("Wo liegt der Schaden bei insgesamt gestiegenem Aktienkurs?").

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