Brexit, Niedrigzins und Co. 8 Vorteile von Immobilienaktien, die Sie kennen sollten

Kaum bemerkt haben sich Immobilienaktien an der Börse zuletzt prächtig entwickelt. Gleich ein ganzes Bündel an Argumenten spricht dafür, dass es auch so weitergehen kann.
Skyline von London: Sollte der dortige Immobilienmarkt unter dem Brexit leiden, könnte das hiesigen Immobilienaktien sogar nützen

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Der Brexit-Schock hat neben Immobilienfonds auch Immobilienaktien in den Fokus gerückt. In Großbritannien flohen Investoren aus den Papieren, die Kurse rutschten kräftig ab. Gleichzeitig schlossen reihenweise Immobilienfonds auf der Insel ihre Pforten, weil auch dort Anleger im großen Stil ihre Gelder zurückhaben wollten. Die Sorge ist offenbar, dass der britische Immobilienmarkt erheblich leiden wird, wenn das Land demnächst aus der Europäischen Union (EU) austritt.

So paradox es klingt, aber für deutsche Immobilienaktien könnte das von Vorteil sein. Ohnehin sind die meisten dieser Papiere recht stabil durch die jüngsten Börsenturbulenzen gekommen. Einige Aspekte sprechen dafür, dass Immobilienaktien auch künftig gut laufen:

Großes Investoreninteresse: Der hiesige Immobilienmarkt erfreut sich seit Jahren großer Beliebtheit bei Investoren aus dem In- und Ausland. Viele Großanleger suchen angesichts niedriger Zinsen nach Investments mit Renditepotenzial bei überschaubarem Risiko und wenden sich deshalb deutschen Immobilien zu. Das sorgt für Preissteigerungen oder zumindest ein stabiles Preisniveau. Immobilienfirmen, die Bestände zu verkaufen haben, finden angesichts dessen in der Regel relativ problemlos Abnehmer.

Gute Performance: Schon in den vergangenen Monaten liefen Immobilienaktien an der Börse gut. In der Regel liegen sie seit Jahresbeginn im Plus, mit Kursgewinnen zwischen etwa 5 Prozent (TAG Immobilien ) und mehr als 20 Prozent (Deutsche Wohnen ). Auch die Aktie des Dax-Konzerns und Platzhirschen Vonovia  hat seit Anfang Januar um knapp 17 Prozent zugelegt. Zum Vergleich: Der Leitindex Dax  verzeichnet im gleichen Zeitraum ein Minus von 6,6 Prozent. In der guten Performance der Immobilienaktien spiegelt sich vermutlich ebenfalls das Interesse von Investoren an Immobilieninvestments in Deutschland wider, das vorläufig bestehen bleiben dürfte.

Niedrige Zinsen: Das historisch niedrige Zinsniveau ist seit Langem eines der beherrschenden Themen an den Finanzmärkten. Für Immobilienfirmen sind niedrige Zinsen von besonderem Vorteil, denn sie können ihre Geschäfte damit günstig finanzieren. Innerhalb der Euro-Zone und auch vielerorts außerhalb spricht derzeit nicht viel dafür, dass sich an diesem Vorteil auf absehbare Zeit etwas ändern wird.

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Brexit: Der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der EU schlägt Investoren auf der Insel in die Flucht. Viele Großanleger dürften jedoch bemüht sein, eine bestimmte Quote an Immobilieninvestments beziehungsweise Immobilienaktieninvestments in ihren Portfolios einzuhalten. Gut möglich, dass sich diese Anleger künftig deutschen Immobilienaktien zuwenden, um diese Quoten zu erfüllen.

Wertsteigerungen der Unternehmen: Zwar scheint die große Welle der Branchenkonsolidierung vorläufig abgeebbt zu sein, während derer die hiesigen Immobilienunternehmen versucht haben, ihren Wert mit Übernahmen und Fusionen zu erhöhen. Die Unternehmen verfügen aber durchaus über Möglichkeiten, auch künftig an ihrer Attraktivität für Anleger zu schrauben. Bestandsoptimierung heißt dabei eines der Zauberwörter, sagt Immobilienexperte Thomas Beyerle von Catella. "Die Firmen betreiben permanent Asset-Management, um ihre Objektbestände zu verbessern", so der Fachmann. "Investitionen in die energetische Sanierung, die inzwischen ja auch gesetzlichen Vorschriften genügen muss, sind ein Weg. Nicht zu vergessen: Auch durch Neu- und Nachverhandlungen von Mietverträgen können Mieteinnahmen gesteigert werden."

Nachfrage nach Wohnraum: Wie das Statistische Bundesamt gerade in dieser Woche meldete, ist die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland in den ersten Monaten des Jahres auf den höchsten Stand seit Anfang des Jahrtausends gestiegen. Hintergrund ist die große Nachfrage nach Wohnraum, auch bedingt durch den starken Zustrom von Flüchtlingen ins Land. Immobilienfirmen, die im Wohnsektor aktiv sind, dürften von dieser Entwicklung profitieren.

Schub durch Indexaufnahme: MSCI, einer der größten Indexanbieter am Finanzmarkt, will Berichten zufolge noch in diesem Jahr erstmals seit Langem wieder einen Index für Immobilienaktien starten. Sehr wahrscheinlich werden in der Folge auch Fonds entstehen, die sich an diesem Index orientieren. Ohnehin erscheint eine Aktie, die in einem Index gelistet ist, für manchen Investor attraktiver. Die im Zuge der Indexbildung zusätzliche Nachfrage von Seiten der Anleger dürfte die Kurse von Immobilienaktien künftig tendenziell ebenfalls stützen.

Vorteil gegenüber Immobilienfonds: Der offene Immobilienfonds gilt als beliebtes Vehikel für das indirekte Immobilieninvestment auch mit überschaubaren Summen. Nach der Liquiditätskrise der Fonds in Folge der Lehman-Pleite wurden aber deren Rahmenbedingungen geändert: Anleger, die ihre Anteile zurückgeben wollen, müssen dies nun zwölf Monate im voraus ankündigen und dann warten. Bei Neuanlegern beträgt die Frist sogar zwei Jahre. Durch diese Maßnahme gewinnen Immobilienaktien gegenüber den Fonds zumindest in diesem Punkt an Attraktivität: Sie unterliegen zwar den Schwankungen des Aktienmarktes und haben daher eine höhere Volatilität als die Fonds. Dafür sind die Aktien aber täglich handelbar und damit weitaus liquider.

manager-magazin.de / Wochit
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