Sonntag, 5. April 2020

Der Singapore-Airlines-Schock Wie das Fondshaus Dr. Peters einen A380 notlandet und trotzdem prächtig daran verdient

War mal eine gute Idee: A380 von Singapore Airlines.
Singapore Airlines
War mal eine gute Idee: A380 von Singapore Airlines.

2. Teil: Wie viel ist ein filetierter A380 wert?

Für Gehling selbst sieht das weiterhin nach einem hochrentierlichen Geschäft aus. Als "Geschäftsbesorgungskosten" setzt er für seine Firma pro Jahr 554.000 US-Dollar an. Als das Geschäft mit Singapore Airlines noch lief, entsprach das einem Gebühren-Anteil am Umsatz von gut 2,6 Prozent - durchaus marktüblich. Da der Fonds aber künftig nur noch wesentlich weniger Geld für die Triebwerke von Rolls Royce bekommt, stiege der so genannte "Management-Fee-Anteil" auf mehr als 10 Prozent. Keine schöne Zahl, also kündigte Gehling seinen gebeutelten Investoren an, immerhin die Hälfte zu "stunden" - was dann 4,3 Prozent ergibt und schon besser aussieht - zumal Dr. Peters sich die zweiten 227.000 Dollar bei nächster Gelegenheit auch noch holen kann. Sie sind ja nur gestundet.

An der "Prognose", die Gehling seinen Gesellschaftern vorstellte, können die ihr Trauerspiel ablesen: Weil die Abflüsse an die Banken und Dr. Peters höher sind als die Zuflüsse von Rolls Royce, schrumpft der Liquiditätspuffer des Fonds von derzeit etwa 13,8 Millionen Dollar bis Juli 2019 auf rund 400 000 Dollar.

Sollte sich bis dahin immer noch keine neue Fluggesellschaft finden, bleibt nur noch die Zerlegung des Riesenfliegers, das so genannte "Part-out". Gehling zeigte sich optimistisch: 60 Millionen Dollar für die vier Triebwerke, vielleicht 15 Millionen für die Fahrwerke, 5 Millionen seien für das Hilfstriebwerk (APU) drin und wohl noch mal etwa 5 bis 10 Millionen für den Rest, inklusive des Rumpfs. Insgesamt 85 bis 90 Millionen Euro. Wobei: Das sind alles Schätzungen, einen Präzendenzfall gibt es schließlich keinen.

Vielleicht erbarmt sich ja aber doch noch eine Fluggesellschaft. Gehling berichtete von "Gesprächen mit einem amerikanischen Unternehmen, das in Erwägung zieht, den Umbau des Flugzeuges in eine Frachtversion mit anschließendem Leasingvertrag mit großen Frachtunternehmen wie FEDEX und UPS vorzunehmen". Und natürlich die British Airways, da gebe es "konkret" Gespräche. Die gab es aber auch schon im vergangenen Jahr und schon damals verlangte BA eine Leasingrate von "unter einer Million US$" - also in so gefährlicher Nähe der Break-Even-Schwelle, dass die Anleger weiterhin um ihre Rendite fürchten müssten.

Sie wollen deswegen jetzt die Einsetzung eines Sonderprüfers beantragen, um mal selbst Einblick in die Verhandlungen mit Fluggesellschaften und Banken zu bekommen.

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