Post Neuemission erst nach dem Branchen-Höhenflug

Die Euphorie um die Boombranche Logistik hat sich gelegt. Analysten sprechen von einer "gesunden Konsolidierung". Kommt die Aktie Gelb zu spät?

Düsseldorf - Die vielbeschworene Sommerrallye ist dieses Jahr ausgeblieben, doch eine Branche hat dem schon zur Jahresmitte einsetzenden Abwärtstrend am Neuen Markt und dem dahindümpelnden Dax damals getrotzt: Die Aktien der Logistikdienstleister legten in den Sommermonaten, vor allem im August, einen Höhenflug hin.

Das Segment galt als chic, erste Fonds wurden aufgelegt. Jetzt, zum Börsengang des Logistikriesen Deutsche Post, hat sich die Lage gewandelt. Neben dem allgemein eingetrübten Börsenklima führen Experten dafür bestimmte individuelle Gründe bei den Unternehmen und ein als normal anzusehendes nachlassendes Interesse nach anfänglicher Euphorie an.

Der Hype um die Branche hat sich gelegt

Ob IVU Traffic Technologies, Microlog Logistics, Thiel Logistik oder D.Logistics - den Papieren der am Neuen Markt notierten Unternehmen rund um Beschaffung, Lagerung und Lieferung brachte der Altweibersommer ihre bisherigen Jahreshöchstkurse.

Der Neue Markt insgesamt ging hingegen seit Juni stetig nach unten, um nach einem Zwischenhoch im September dann vollends in den Keller zu sausen. Doch nicht nur die Nemax-Logistikwerte, auch die im M-Dax gelistete Stinnes zog ab Juli merklich an.

Sie notiert zwar inzwischen noch immer deutlich höher als im Frühjahr, aber mancher Nemax-Titel sieht sich wieder da, vor er vor dem Hype gelegen hatte.

Kommt der Börsengang der Post zu spät?

Vor diesem nicht gerade berauschenden Hintergrund geht nun die Post an den Start, die sich auf dem besten Weg zum weltweit führenden Logistikkonzern sieht. Ist ihre Zeit, zumindest an der Börse, schon vorbei?

Wenn man Analysten Glauben schenkt, besteht für die Anleger kein Grund zur Beunruhigung. "Aus fundamentaler Sicht lässt sich nicht sagen, dass die Logistiker in eine Schwächephase eintreten", meint Robert Gülpers von Sal. Oppenheim.

Der Markt sei derzeit schwierig zu erklären. Vor allem sei zu bedenken, dass die am Neuen Markt notierten Logistiktitel ebenfalls den Schwankungen dieses naturgemäß volatilen Segments unterlägen.

In einzelnen Fällen ist aber offenbar auch die Geschäftsentwicklung der Unternehmen ein Grund für Kursrückgänge. So habe IVU, die seit Jahresbeginn bis Ende August um elf auf 31,30 Euro anzog, enttäuschende Halbjahreszahlen vorgelegt.

Zeit der "Übertreibungen" ist vorbei

Bei Stinnes hingegen läuft das operative Geschäft bestens, trotzdem bröckelte der Kurs seit seinem Jahreshoch von 33,50 Euro am 30. August ab, um zuletzt bei rund 26 Euro zu liegen. Für das nachlassende Interesse an dem Papier ist aus Analystensicht paradoxerweise eine gute Neuigkeit verantwortlich: Die geplante Akquisition der niederländischen HCI, mit der Stinnes in der Chemiedistribution Weltmarktführer wird.

Nach solchen Nachrichten gehe aus einem Wert meist angesichts der zu erwartenden Integrationsaufwendungen die Luft raus, so die Experten. Ein bisschen ist aber auch im gesamten Logistiksektor Ernüchterung eingetreten, wie Martin Ziegenbalg, Branchenanalyst der Deutschen Bank, darlegt.

Der Kursrückgang komme nicht unerwartet. Wenn ein neuer Bereich wie die Logistik von den Anlegern entdeckt werde und zunächst wenige Werte da seien, in die das Kapital fließen könne, seien "Übertreibungen" normal.

"Gesunde Konsolidierung" im Logistik-Sektor

Ziegenbalg, dessen Bank wie auch Sal. Oppenheim im IPO-Konsortium der Post sitzt, spricht von einer "gesunden Konsolidierung", die jetzt zu beobachten sei.

Die Kurse hätten ihren Boden gefunden; nun beginne sich die Spreu vom Weizen zu trennen. Die Börse sei keineswegs unattraktiv geworden für andere Logistikunternehmen: "Wir erwarten noch eine Verlängerung des Kurszettels", sagt der Analyst voraus.

Neben der Post liebäugelten "noch einige kleinere Werte" mit dem Börsengang. Welche das sein können - darüber schweigt sich Ziegenbalg aus. Eines aber sagt er klipp und klar: "Die Logistik ist langfristig ein positiver Sektor."