AT&T Telefonriese zerlegt sich in vier Teile

Nach einem fast halbierten Aktienkurs und knapp 62 Milliarden Dollar verlorenem Börsenwert setzt der US-Telefonriese auf eine Radikalkur: Der Konzern zerlegt sich in vier neue Firmen.

New York - Die größte amerikanische Telefon- und Kabelfernsehgesellschaft AT&T will sich in vier Einzelfirmen aufspalten. Jede Einzelfirma soll besser wachsen und sich an der Börse entfalten können, teilte AT&T am Mittwoch mit. Das rückläufige Geschäft mit Ferngesprächen wird dabei von den schneller wachsenden Sparten getrennt.

Mit diesem Schritt reagierte der US-Telekomriese auf einen drastischen Kursverfall seiner Aktien und auf harte Kritik seiner Aktionäre.

Die AT&T-Aktien hatten in diesem Jahr 47 Prozent oder 61,5 Milliarden Dollar an Wert verloren. Am Mittwochmorgen fielen sie weiter um 2,19 Dollar auf 24,69 Dollar.

Gewinn niedriger als erwartet

Ein bessere Stimmung ist kaum zu erwarten. Denn mit der Nachricht zur Aufspaltung gab AT&T auch eine Gewinnwarnung für das letzte Quartal des Jahres heraus.

Und im dritten Quartel setzte AT&T mehr um als im Vorjahres-Zeitraum, verdiente aber unterm Strich weniger. Die Gesellschaft rechnet mit einen Quartalsgewinn von 29 bis 33 Cents. Das ist weniger als Analysten erwarten.

Verwaltungsrat stimmte Aufspaltungsplan zu

AT&T will seine Telekomgeschäfte mit Unternehmen (AT&T Business) in einer Firma bündeln. Davon getrennt soll eine weitere Firma Telefon- und Internetdienste für Verbraucher (AT&T Consumer) anbieten. Weitere Unternehmen sind für die Mobilfunkoperationen (AT&T Wireless) sowie die Kabelfernseh- und Breitbandsparte (AT&T Broadband) geplant.

Der weit reichende Aufspaltungsplan soll bis 2002 über die Bühne gehen. Der Verwaltungsrat hat den Plan einstimmig gebilligt.

Die "AT&T Business", die das Geschäft mit den Unternehmenskunden betreiben wird, hat einen Jahresumsatz von 28 Milliarden Dollar.

Sie wird als Hauptnachfolgegesellschaft von AT&T das Aktiensymbol "T" und die AT&T-Marke behalten - letztere darf AT&T Business an die drei anderen Unternehmen in Lizenz vergeben, wenn die es wollen. Sie erhält ausserdem unter anderem das AT&T-Festnetz.

Gesellschaften sollen enges Geflecht bilden

Die Mobilfunkfirma AT&T Wireless mit 9,6 Milliarden Dollar Umsatz sowie die AT&T Broadband - Breitband, Fernsehen - mit 9,3 Milliarden Dollar Umsatz sollen jeweils eigene Aktien ausgeben.

Die AT&T Consumer mit 19 Milliarden Dollar Umsatz bündelt das rückläufige Ferngesprächsgeschäft mit den Verbrauchern und das Internet-Verbrauchergeschäft. Sie wird mit so genannten "Tracking"-Aktien verselbstständigt. "Tracking"-Aktien sind eine amerikanische Besonderheit, bei der die Besitzer am Gewinn des Geschäfts beteiligt werden.

Milliarden-Investitionen tragen bisher keine Früchte

AT&T-Chef C. Michael Armstrong hat seit 1997 rund 100 Milliarden Dollar für den Kauf von Kabelfernsehgesellschaften ausgegeben. Er wollte damit ein Breitbandnetz mit direktem Zugang zu den US-Haushalten unter Umgehung der regionalen Telefongesellschaften schaffen. Seine Pläne haben sich aber bisher nicht ausgezahlt.

AT&T war vor 1984 aus der Zerschlagung der Monopolgesellschaft American Telephone & Telegraf als größte US-Ferngesprächsgesellschaft hervorgegangen.

Das Unternehmen hatte 1996 bereits den weltgrößten Telekommunikationsausrüster Lucent Technologies abgespalten und sich auch wieder von dem 1991 aufkauften Computerkonzern NCR getrennt.