Großbritannien Starkes Pfund vertreibt Ausländer von der Insel

Der Elektronikhersteller Matsushita verlagert seine TV-Fertigung nach Tschechien. Die Japaner sind nicht die ersten, die vor dem starken Pfund flüchten. Vor ihnen bauten unter anderem BMW und Sony Kapazitäten ab.

Tokio - Matsushita-Chef Kunio Nakamura hatte bereits im vergangenen August vor Produktionsverlagerungen gewarnt. Falls die britische Regierung keine Maßnahmen gegen den hohen Pfundkurs ergreife, würden ausländische Unternehmen die Insel verlassen, hatte Nakamura in einem Interview gewarnt. Ein Pfund kostete am Mittwoch 3,34 Mark.

Matsushita Electric teilte mit, dass im Werk im walisischen Cardiff 1400 Stellen gestrichen würden. Mit Hilfe von Frühpensionierungen sollten 700 Arbeitsplätze eingespart werden. Zusätzlich würden die Verträge von 700 Teilzeit-Kräften nicht verlängert.

In Großbritannien verbleibe lediglich die Produktion von Großbildfernsehern und digitalen Set-Top-Boxen, hieß es.

BMW machte den Anfang

Auch BMW hatte das Ende seines Rover-Abenteuers unter anderem mit dem hohen Pfundkurs begründet. Seit dem Entschluss der Münchener Autobauer scheuen sich immer weniger ausländische Investoren, offen über den Abbau von Kapazitäten zu sprechen. Einige Unternehmen haben entsprechende Pläne schon umgesetzt.

Anfang Oktober hatte der Matsushita-Konkurrent Sony die Streichung von 400 Stellen in seinem walisischen Werk angekündigt. Im vergangenen September hatte der Computer-Produzent Hitachi seine Pläne zum Abbau von 350 Arbeitsplätzen in Großbritannien bekannt gegeben.

Höhenflug des Pfunds kostete 300.000 Stellen

Anfang 1999 war der Pfund Sterling noch 2,75 Mark wert. Seitdem kletterte die britische Währung konsequent nach oben, der Euro sank. Zur Freude der Exporteure auf dem Festland und zum Leidwesen ihrer Konkurrenz auf der Insel.

Seit dem Beginn des Höhenflugs des Pfunds gingen im Königreich 300.000 Stellen in der Industrie verloren. Insgesamt sind in Großbritannien rund 18.000 ausländische Betriebe angesiedelt. Sie bilden das Rückgrat des Verarbeitenden Gewerbes und waren mitverantwortlich für den Wiederaufbau der heruntergewirtschafteten Industrie in den 90er Jahren.

Britische Zulieferer sollen in Euro abrechnen

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, drängen viele ausländische Unternehmen wie Toyota und Nissan ihre britischen Zulieferer, die Geschäfte in Euro abzurechnen. Damit sollen die Kosten gesenkt werden.

Eine Ausnahme ist Honda. Der Automobilkonzern kündigte im August an, seine Produktion innerhalb von zwei Jahren von 100.000 auf 250.000 Stück mehr als zu verdoppeln.

Euro-Gegner ignorieren Alarmzeichen

Eine gute Meldung für die Euro-Skeptiker in Großbritannien. Sie wehren sich trotz der Alarmzeichen für ihre Wirtschaft weiterhin gegen den Beitritt zur Einheitswährung. Selbst Premierminister Tony Blair - bisher ein Euro-Befürworter - ließ sich von der Skepsis anstecken. Er zeigte vor kurzem Verständnis für die Gegner.