Salzgitter Ex-Chef setzt volle Abfindung und Pension vor Gericht durch

Hans-Joachim Selenz kann triumphieren. Sein ehemaliger Arbeitgeber wollte nicht die abgesprochene Abfindung zahlen. Doch der geschasste Vorstandschef hatte das Landgericht Braunschweig auf seiner Seite.

Braunschweig - Ex-Salzgitter-Chef Selenz darf sich über weitere 1,5 Millionen Mark auf seinem Konto freuen. Außerdem erhält der ehemalige Manager mit Erreichen des Pensionsalters jährlich 250.000 Mark. Das hat die Zweite Kammer für Handelssachen des Landgerichts Braunschweig entschieden.

Mit seiner Entscheidung gab das Gericht einer Klage von Selenz weitgehend statt. Der Manager vertrat die Meinung, dass die bei seinem Ausscheiden 1999 aus dem Salzgitter-Konzern getroffene Vereinbarung über eine Abfindung von 3,5 Millionen Mark gültig sei.

Der Stahlkonzern hatte zunächst zwei Millionen Mark gezahlt, dann aber die mit dem früheren Manager getroffene Vereinbarung angefochten und weitere Zahlungen verweigert. Für diese Anfechtung sehe er keinen akzeptablen Grund, meinte Richter Pardey.

Selenz erklärte, er sei mit der Entscheidung des Zivilgerichts "weitgehend zufrieden". Er wolle das Urteil allerdings zunächst in Ruhe mit seinem Anwalt absprechen und dann entscheiden, ob er weitere rechtliche Schritte gegen seinen früheren Arbeitgeber einleiten werde.

Auch mit der Preussag im Clinch

Selenz hatte 1999 sein Amt auf Drängen der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat niedergelegt. Grund waren die anhaltenden Proteste der Belegschaft gegen den Manager, den die Mitarbeiter für die Verhandlungen über die Übernahme der Salzgitter-Gruppe durch den luxemburgischen Arbed-Konzern verantwortlich machten.

Zudem könne sich der ruppige Stahlmanager wohl kaum noch ausreichend um das Unternehmen kümmern, weil er sich in eine Privatfehde mit dem Preussag-Konzern verbissen hätte.

Zur Preussag hatte die jetzige Salzgitter AG einst gehört, bis Selenz das Unternehmen mit Landeshilfe an die Börse führte ­und dabei in letzter Minute die Pläne von Preussag-Chef Michael Frenzel durchkreuzte. Der hatte die Stahlsparte lieber an den österreichischen Voest-Konzern verkaufen wollen.

Mit viel Getöse wurde Stahlchef Selenz anschließend aus dem Konzernvorstand der Preussag abberufen, sein Arbeitsvertrag später fristlos gekündigt. Danach war das Klima zwischen den beiden niedersächsischen Industriekonzernen hochgradig vergiftet.

Argumentationshilfe bekam die Anti-Selenz-Fraktion im Salzgitter-Aufsichtsrat am 15. Oktober durch Zeitungsmeldungen vom gleichen Tag, Selenz wolle gegen seine fristlose Kündigung durch Preussag klagen. Vor Gericht, prophezeiten Journalisten, würde der temperamentvolle Stahlmann den Streit mit der Preussag genüßlich fortsetzen.

Prozesserfahren ist er ja nun schon.