Universal Music Bietet Musikdateien im Monatsabo

Das Musikunternehmen startet als erstes großes Plattenlabel einen kostenpflichtigen Musik-Abo-Service im Internet. Dabei haben Musikfans gegen einen Pauschaltarif unbegrenzt Zugriff auf das Songarchiv im Web.

San Francisco - US-Medienberichten zufolge werden die Musikstücke im Rahmen des neuen Services nicht zum Download angeboten, sondern sind als MP3-Streams abrufbar. jedoch bietet Universal Music diesen neuen Dienst zunächst nur als Pilotprojekt an: 5.000 Web-User können den neuen Dienst testen.

In der Testphase soll eine ausgewählte Usergruppe zunächst aus einem Pool von 20.000 Songs auswählen können. Wann die Seagram-Tochter mit ihrem Abosystem offiziell an den Start geht, wurde bislang nicht bekannt. Auch wurden noch keine Angaben über die Höhe der geplanten Monatsgebühr gemacht. Universal hatte zuvor schon angekündigt, Online-Musik im Monatsabo in Kooperation mit Sony anbieten zu wollen. Für das Testprojekt stehen bislang nur Universal-Songs zum Streaming bereit.

Pauschal-Service soll Raubkopien umgehen

Mit dem neuen Pauschal-Service umgeht Universal weitgehend die Gefahr von Raubkopien, da Musikstreams nicht wie Downloads direkt zu speichern sind. Auch müssen User zur Nutzung des Angebots kein spezielles Programm herunterladen. Bei den bisherigen Online-Angeboten von Universal oder anderer großer Plattenlabels sind einzelne Songs oder auch komplette CDs per Download zu bezahlen. Teilweise ist die Installation spezieller Software notwendig.

Universal ist nicht das erste Unternehmen im Netz, das Online-Musik zum monatlichen Pauschaltarif anbietet, jedoch das erste Major-Label, das diesen Schritt wagt. Das Web-Musikportal MP3.com etwa kündigte bereits im Juni an, Musik im kostenpflichtigen Online-Abo anzubieten und Künstler wie Plattenfirmen an den Internet-Einnahmen zu beteiligen.

Musikindustrie will im Netz Fuß fassen

Das Universal-Projekt markiert eine weitere Anstrengung der Musikindustrie, im Online-Geschäft Fuß zu fassen und den populären Musik-Portalen wie MP3.com und vor allem den Dateitauschdiensten Napster, Gnutella oder Scour User abspenstig zu machen. Analysten gehen davon aus, dass ein derartiger Abo-Dienst den kostenlosen File-Sharing-Services allerdings nur dann erfolgreich Paroli bieten kann, wenn die Songs aller großen Labels in das Online-Angebot integriert werden.

Die Musikindustrie klagt derzeit wegen Urheberrechtsverletzungen gegen den Web-Musiktauschdienst Napster, über den User kostenlos MP3-Songs kopieren können. Mit einem Urteil ist erst in einigen Wochen zu rechnen.

Universal ist zudem die einzige der fünf großen Plattenfirmen, die sich mit dem Online-Musikportal MP3.com nicht außergerichtlich einigen konnte. Ein Urteilsspruch im Prozess gegen den Web-Musikpionier wird noch im November erwartet. Möglicherweise muss MP3.com dem weltgrößten Plattenlabel bis zu 250 Millionen Dollar Entschädigung wegen Copyright-Verletzungen zahlen.

Jochen Siegle, San Francisco