Prior "Unrechtmäßiger Gewinn"

Der Börsenjournalist muß sich voraussichtlich im Frühjahr wegen Verdachts des verbotenen Insiderhandels vor dem Frankfurter Landgericht verantworten.

Frankfurt/Main - Die Staatsanwaltschaft wirft Egbert Prior vor, er habe im Februar und März Aktien gekauft und anschließend gezielt die Kurse mit Kaufempfehlungen hochgetrieben, um davon zu profitieren. Den "unrechtmäßigen Gewinn" bezifferte Staatsanwalt Rolf Heyter am Freitag in Frankfurt mit mehr als 175.000 Mark. Prior hatte die Vorwürfe bereits am Donnerstag abend als unberechtigt zurückgewiesen.

Der Herausgeber des Informationsdienstes "Prior Börse" in Frankfurt hatte den Ermittlungen zufolge am 10. Februar 900 SCM-Aktien gekauft, den Wert drei Tage später in der Fernsehsendung "3Sat-Börse" besprochen, und die Aktien schließlich am 4. März mit knapp 33.000 DM Gewinn wieder verkauft. Außerdem habe er am 10. und 11. März insgesamt 200 Mobilcom-Papiere gekauft und sich zwei Tage später im Fernsehen zu diesem Titel geäußert.

"Nach seiner Empfehlung ist der Kurs regelrecht explodiert", sagte Heyter. Die Mobilcom-Aktien, die sich immer noch in Priors Besitz befänden, hatten nach Berechnungen der Staatsanwaltschaft binnen kurzem mehr als 142.000 Mark an Wert gewonnen. Die fraglichen Daten werden auch von Prior bestätigt. Allerdings bestreitet er den Vorwurf, er habe gezielt "vorgekauft" und verweist darauf, daß er bereits lange vorher die betreffenden Aktien öffentlich als zukunftsträchtig dargestellt habe.

Vorwürfe Priors, seine journalistische Freiheit solle beschnitten werden, wies die Staatsanwaltschaft am Freitag zurück. "Es liegt mir fern, die Tätigkeit von Analysten und Journalisten einzuschränken", versicherte Heyter. Die Empfehlungen Priors, bei denen Kleinanleger "gläubig an seinen Lippen" hingen, gehörten allerdings auch nicht zum schützenswerten Kernbereich des Journalismus. Ausdrücklich betonte der Staatsanwalt, daß nicht die Kauftips an sich ein strafbarer Insidertatbestand seien. "Kern der Anklage ist das Vorkaufen im Wissen um den Zeitpunkt und die Wirkung der Empfehlung." Heyter wies darauf hin, daß Prior bereits für längere Zeit Teilnehmer des 3Sat-Börsenspiels gewesen sei. Dabei habe er ausgiebig Gelegenheit gehabt, die Wirkungen seiner Aktientips zu testen.

Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, daß der Fall Prior zum ersten Mal auch zu einer höchstrichterlichen Entscheidung in diesem relativ neuen Rechtsgebiet führt. Der Anwalt Priors habe bereits Revision angekündigt, sollte es zu einer Verurteilung kommen. "Es wäre wünschenswert, wenn zumindest einmal der Bundesgerichtshof mit dem Wertpapierhandelsrecht befaßt wird", sagte Heyter. Mit dem Fall Prior beschäftigt sich zum ersten Mal seit Inkrafttreten des Wertpapierhandelsgesetzes ein deutsches Gericht mit dem Verdacht des Insiderhandels. Alle bisherigen Fälle sind nach Darstellung Heyters ohne Hauptverhandlung per Strafbefehl erledigt worden.