Pressestimmen "Dies ist nur der Beginn, der Krieg geht weiter"

Die internationalen Kommentatoren fürchten, dass das Aufflammen der Gewalt das Ende des Friedensprozesses bedeutet. Schuld an der Eskalation geben sie sowohl den Israelis als auch den Palästinensern.

Hamburg - "Die Presse" (Wien): "Jetzt hoffen die Palästinenser auf internationale Unterstützung, und Israel pocht auf sein Recht der Selbstverteidigung. Bravo, wir sind im Nahen Osten zurück auf Feld eins. Das ist die wahre Logik der Gewalt."

"La Repubblica" (Rom): "Es ist ein schwarzer Tag. Und ein historischer: In 33 Jahren der Besetzung hat Israel niemals Kampfhubschrauber und Panzer gegen die Palästinenser im Westjordanland und in Gaza eingesetzt. (...) Dies ist nur der Beginn, der Krieg geht weiter."

"Telegraaf" (Amsterdam): "Der mühsam verlaufene Friedensprozess der vergangenen Jahre ist durch das harte Auftreten der Israelis und durch die unkontrollierte Wut der Palästinenser zertrümmert worden. Es droht eine weitere Eskalation, die den ganzen Nahen Osten in Flammen setzen kann."

"Le Figaro" (Paris): "Das Risiko einer Ansteckung ist nicht nur regional. Der Terrorismus ist - wie es die Attacke auf das US-Kriegsschiff und der Brand der Synagoge in Trappes in Erinnerung rufen - eine weltweite Gefahr. (...) Doch nichts deutet darauf hin, dass dieser Brand eine irreversible Katastrophe auslösen wird."

"Neue Zürcher Zeitung" (Zürich): "Die Eskalation erstaunt aber auch darum nicht, da Extremisten auf israelischer wie auf palästinensischer Seite seit Tagen nicht müde werden, den 'Friedensprozess' für beendet zu erklären."

"France-Soir" (Paris): "Vergessen der Friedensprozess; Schluss mit den Umarmungen; in den Käfig mit der (Friedens-)Taube; verwelkt ist ihr Palmwedel. Der Nahe Osten hat gestern den Wahnsinn der Kanonen wiedergefunden, die Angst, die erbeben lässt und das Blut, das die Erde rot färbt."

"Corriere della Sera" (Mailand): "Sollte zudem der terroristische Hintergrund für die Explosion von Aden bestätigt werden, dann wird das Szenarium noch düsterer. Mit einem Amerika, das mit dem Wechsel der Präsidentschaft beschäftigt ist, und einem Europa, das keine Stimme hat, um seine Angst vor einem Krieg auszudrücken.»

"The Financial Times" (London): "Wenn sich die USA nicht im Wahlkampf befänden, dann wäre kaum vorstellbar, dass Washington nicht schon früher eingegriffen hätte, um zu verhindern, dass das palästinensisch-israelische Blutvergießen das derzeitige Ausmaß erreicht. Die USA müssen jetzt handeln, um die bisherige Untätigkeit wettzumachen."

"Liberation" (Paris): "Die Stabilität der Region scheint von einer Ansteckung bedroht, die sicherlich hinter dem Anschlag auf ein US-Kriegsschiff im Hafen von Aden steht. (...) Angesichts einer solch existenziellen Auseinandersetzung wirken die Aufrufe zur Wiederaufnahme des israelisch-palästinensischen Dialogs wie fromme Wünsche."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.