Powerline Kommt jetzt der Durchbruch?

Die Technik, die das Telefonieren und Websurfen via Stromkabel möglich machen soll, steht vielleicht vor dem Durchbruch. Ein neuer Chip soll das Frequenzproblem lösen, das bislang die Powerline-Ausbreitung behinderte.

Düsseldorf - Die deutschen Stromkonzerne stehen mit ihren Powerline-Aktivitäten in den Startlöchern. Der RWE-Vorstandsvorsitzende Dietmar Kuhnt betrachtet die von der Schweizer Firma Ascom Powerline Communications entwickelte Technik, die das Telefonieren und die Internet-Nutzung über das Stromnetz möglich machen soll, als wichtige Innovation für das Kerngeschäft seines Konzerns.

Wie auch E.ON und EnBW will das Essener Unternehmen im Frühjahr 2001 das Geschäft mit Powerline Communications (PLC) beginnen. Doch die notwendige Frequenzzuteilung steht noch immer aus.

Die Bochumer Powertec AG hat jetzt einen Chip vorgestellt, der das Frequenzproblem lösen soll. Bei der technisch schon lange machbaren Übertragung von Sprache und Daten über das Stromnetz gab es bisher die Schwierigkeit, dass ab einer bestimmten Leistung Funkdienste - etwa der Funkverkehr von Rettungsdiensten - oder auch empfindliche elektronische Geräte gestört werden können. Verbindliche Grenzwerte für die erzeugten Störfeldstärken gibt es aber noch nicht.

Die zuständige Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) konnte deshalb auch noch keine Frequenzen für die Powerline-Anwendungen endgültig vergeben. Für die zahlreichen PLC-Feldversuche der Konzerne - RWE testet die Technologie beispielsweise derzeit in Essen, E.ON über ihre Tochter Oneline AG in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt - hatten die Bonner lediglich Sondergenehmigungen erteilt.

Powertech-Chip soll "Quantensprung" bringen

Der Powertech-Chip, den Firmenchef Heinrich Rodzinski jetzt auf der Expo in Hannover vorstellte, soll nun auf Frequenzen innerhalb der zur Nutzung freigegebenen, sogenannten Cenelec-Bandbreite (3 bis 148,5 Kilohertz) senden. Für die PLC-Technik sei dies ein Quantensprung, behauptet das Unternehmen.

Zahlreiche Unternehmen haben bereits ihr Interesse signalisiert. Mit RWE soll es nun einzelne Projekte geben, wie auch schon mit DaimlerCrysler, Siemens oder auch Ericsson. "Die Konzerne haben kapiert, was da los ist", hob ein Sprecher von Powertec hervor.

Regulierungsbehörde bleibt skeptisch

Große Kapazitäten hat das Bochumer PLC-Unternehmen mit seinen derzeit 20 Mitarbeitern allerdings noch nicht. Für 2001 ist aber schon ein Umsatz von 50 Millionen Mark eingeplant, für 2002 sogar von 300 Millionen Mark. Ob sich der DLC-2-Chip jedoch tatsächlich so schnell am Markt durchsetzt und sich Powerline wirklich so rasch zu einem "Milliardengeschäft" entwickelt, wie es in Hannover prognostiziert wurde, bleibt abzuwarten.

Zumindest in der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post bleibt man skeptisch: Dass Unternehmen die unmittelbar bevorstehende Markteinführung von Powerline verkündeten, höre man schon seit Jahren, heißt es hier.

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