Nahost-Konflikt Kein Ende der Gewalt in Sicht

Israelische Kampfhubschrauber haben ihre Vergeltungsangriffe gegen die Palästinenser fortgesetzt. Ministerpräsident Barak verhandelte mit Hardliner Scharon über eine Notstandsregierung.

Jerusalem/Gaza - Ariel Scharon vom oppositionellen Likud-Block hatte den Beitritt zu einer israelischen Notstandsregierung bisher bei Ehud Barak von einem Abbruch der Friedensverhandlungen abhängig gemacht. Scharon hatte mit seinem Besuch auf dem Jerusalemer Tempelberg vor rund zwei Wochen die neue Gewalt in den Palästinensergebieten ausgelöst. Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat bezeichnete Scharon in einem Interview mit dem Fernsehsender CNN als "Todeskuss für den Friedensprozess". Erakat warf Israel vor, faktisch Krieg gegen die Palästinenser zu führen.

Auch am Donnerstagabend setzte Israel seine Angriffe fort. Israelische Kampfhubschrauber griffen Ziele der palästinensischen Sicherheitskräfte in Ramallah und Gaza-Stadt an. Nach palästinensischen Angaben wurden 17 Personen verletzt. Auch in Hebron kam es zu Feuergefechten. Nach israelischen Angaben feuerten israelische Hubschrauber auch Raketen auf eine Polizeistation in Jericho, nachdem dort eine Synagoge in Brand gesteckt worden sei.

Uno-Sondersitzung abgelehnt

Aufgebrachte palästinensische Jugendliche hatten in Ramallah ein Polizeirevier gestürmt, in dem zwei israelische Reservisten gefangen gehalten wurden. Mindestens eine Leiche wurde aus einem Fenster des Gebäudes geworfen. Auf Fernsehaufnahmen war zu sehen, wie die Menge auf den Körper einschlug. Nach israelischen Angaben war möglicherweise ein dritter Soldat in dem Gebäude. Israels Armee zufolge handelte es sich bei den Soldaten um verirrte Reservisten. Der Uno-Vertreter der Palästinenser, Nasser al-Kidwa, sagte dagegen, die Soldaten gehörten einer Spezialeinheit an.

Der Anführer der Hisbollah, Scheich Hassan Nasrallah, rief die Araber auf, nach dem Freitagsgebet ihre Wut auf die Straße zu tragen. "Lasst es einen Tag der arabischen und islamischen Wut werden", sagte er im Fernsehen Katars. Die islamistische Gruppe Hamas forderte die Palästinenser auf, Menschenketten um wichtige Gebäude zu bilden, um diese vor israelischen Angriffen zu schützen.

Ein Sprecher der Hamas sagte, während der israelischen Angriffe seien etwa 50 inhaftierte Hamas-Kämpfer in Gaza-Stadt freigekommen, als palästinensische Polizisten aus den Gefängnissen geflohen seien. Aus Hamas-Kreisen verlautete, zudem seien etwa 35 Kämpfer der Gruppe in Nablus freigekommen.

Palästinenserpräsident Jassir Arafat hat nach Angaben aus Diplomatenkreisen bei einem Treffen mit dem britischen Außenminister Robin Cook die Tötung der israelischen Soldaten in Ramallah verurteilt. Wenn Israel weiter Militär einsetze, werde es jedoch keine neuen Gespräche geben.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen lehnte einstimmig einen Antrag zu einer Sondersitzung ab, den Nasser al-Kidwa gestellt hatte. US-Präsident Bill Clinton sagte nach Angaben einer Sprecherin des US-Präsidialamtes Termine ab, um sich der Lage im Nahen Osten zu widmen.

Rohölpreise stiegen an

Die Sorgen um die anhaltenden Unruhen führten zu einem Anstieg der Rohölpreise im New Yorker Handel um rund 2,85 auf 36,10 Dollar pro Barrel. Die New Yorker Aktienbörse schloss auf breiter Front schwächer.

Die steigenden Ölpreise könnten auch die Benzinpreise in Deutschland wieder nach oben treiben: "Ich befürchte, dass das nicht ohne Einfluss auf das Inlandspreisniveau bleiben wird", sagte Esso-Sprecher Karl-Heinz Schult-Bornemann.

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