Deutsche Bank Erschließt neuen Vertriebsweg

Konzern-Chef Rolf E. Breuer festigt die Marktstellung der Bank in den USA. Der Broker NDB soll für zwei Milliarden Mark übernommen werden. Das ist teuer, aber Analysten werten den Kauf positiv.

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank festigt für rund zwei Milliarden Mark ihre Stellung im internationalen Aktiengeschäft. Das Kreditinstitut will für knapp zwei Milliarden Mark den US-Broker National Discount Brokers Group (NDB) vollständig übernehmen.

Trotz positiver Kommentare von Analysten hat die Deutsche-Bank-Aktie am Donnerstag nachgegeben. Das Papier notierte nach einem festen Start im späteren Handelsverlauf mit etwa 0,5 Prozent im Minus.

Ein "hervorragender Vertriebsweg" öffnet sich

"Die Übernahme der restlichen 84 Prozent an dem amerikanischen Discount-Broker ist eine hervorragende Verstärkung für das Investmentbanking der Deutschen Bank", erklärte Andreas Pläsier, Analyst bei der Hamburger Berenberg Bank.

Der Preis erscheine auf den ersten Blick zwar etwas teuer. "Mit rund 300.000 Online-Brokerage-Kunden und einem Jahresumsatz von rund zwölf Milliarden Dollar ist das US-Haus jedoch ein attraktiver Partner auf dem US-Markt", sagte der Experte.

Der Deutschen Bank ermögliche die Übernahme der restlichen 84 Prozent einen "hervorragenden Vertriebsweg" für die hauseigenen Investmentprodukte. Dadurch sollten sich auf der Ertragseite positive Effekte zeigen, erwartet Pläsier.

Die NDB ist ein Nasdaq-Marketmaker

"Mit der National Discount Brokers Group hat sich der deutsche Bankenprimus einen Marketmaker für die Technologiebörse Nasdaq ausgesucht," führt Ralf Dibbern, Analyst bei der Hamburger M.M Warburg Investmentbank aus. Vergleichbar mit einem "Designated Sponsor" am Neuen Markt stelle NDB die Kurse für über 4000 Nasdaq-Werte.

Dadurch, dass die Deutsche Bank die Aufträge für Aktienkäufe an den nun eigenen Broker geben kann, sollten Kosteneinsparungen möglich sein, erwartet Dibbern. Zusammen mit den Amerikanern sei die Deutsche Bank unter den Top Five an der Nasdaq. "Wir sehen den Deal als sehr positiv für die Deutsche Bank," kommentierte Dibbern die Übernahme.

Ein "Quantensprung" für das Deutsche-Bank-Aktiengeschäft

Die Deutsche Bank und die NDB gaben am Donnerstag die Unterzeichnung eines Fusionsvertrages bekannt, wonach die Deutsche Bank 84 Prozent der noch nicht in ihrem Besitz befindlichen Aktien zu 49 Dollar je Anteilsschein erwirbt. Dies sei ein Volumen von 888 Millionen Dollar (rund zwei Milliarden Mark).

Damit erhalte das Kreditinstitut Zugang zu einem der größten Marketmaker, Kurssteller, an der Nasdaq, hieß es in der Mitteilung. In der ersten Hälfte des Jahres hatte die Deutsche Bank bereits 16 Prozent an NDB übernommen.

NDB ist den Angaben zufolge über seine drei Töchter auf drei Märkten tätig: Als Marketmaker für mehr als 4000 an der Nasdaq gehandelte Wertpapiere, die NDB.com zählt zu den führenden Online-Brokern in den USA, und die Millennium Clearing Company soll in der Wertpapierabwicklung tätig sein und ihre Geschäftstätigkeit 2001 aufnehmen.

Deutsche-Bank-Vorstandsmitglied Edson Mitchell bezeichnete die Transaktion als einen "Quantensprung für unser Aktiengeschäft". Für die Deutsche Bank sei die Übernahme, die voraussichtlich bis Ende des Jahres abgeschlossen sein wird, ein weiterer wichtiger Schritt beim Ausbau ihres globalen Aktiengeschäfts.

Volumenmäßig würde sie nach Abschluss der Transaktion zu den fünf größten Marketmakern an der Nasdaq gehören. Außerdem könne die Deutsche Bank über die Technologieplattform der NDB erhebliche Einsparungen erzielen.

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