Scour Filmtauschdienst bemüht sich um legale Anwendungen

Während Napster versucht, die drohende Schließung seines Web-Musikservices abzuwehren, ändert die ebenso umstrittene Filmtauschbörse Scour ihre Business-Strategie: Der Tausch von illegalen Kinofilmen soll künftig der Krebsforschung zugute kommen.

San Francisco - Der Online-Filmtauschdienst Scour.com hat einen Deal mit dem Internet-Start-up United Devices vereinbart, der helfen soll, das "Bad-Boy"-Image des kontroversen Online-Services loszuwerden.

Informationen des US-Branchenblatts "The Standard" zufolge soll künftig über die Web-Filmtauschbörse eine United-Devices-Software zur Verfügung gestellt werden, die ungenutzte Rechenleistungen von Computersystemen bündelt. Die damit agglomerierte Performance ("Distributed Computing") kann dann zur Berechnung komplexer Prozesse genutzt werden, für die ansonsten der Einsatz teurer Hochleistungsrechner erforderlich wäre.

Nutzer stellen Rechenleistungen zur Verfügung

Über Scour sind bislang via File-Sharing-Prinzip à la Napster Filme, Musikvideos und MP3-Songs kostenlos zu kopieren – unter anderem auch Raupkopien aktueller Hollywod-Streifen. Die Film- oder Musikdateien werden dabei auf Rechnern anderer User lokalisiert und können von dort downgeloadet werden.

Der United-Devices-Deal bedeutet für Scour, dass seine vier Millionen Nutzer beim Austausch von Dateien gleichzeitig ihre brachliegenden Systemressourcen bereitstellen können. "Scour dient bisher dazu, Filme oder Songs zu finden, und kann jetzt zudem helfen, etwa ein Heilmittel für Krebs zu finden", preist Scour-Vice-President Travis Kalanick den neuen Service an. Mit verschiedenen Anreizen und Gewinnmöglichkeiten sollen die User animiert werden, ihre ungenutzten Rechenleistungen zur Verfügung zu stellen.

Napster und co. hoffen auf Einsehen

Diese Funktionserweiterung des Scour-Dienstes dient auch als Trumpf gegen die Urheberrechtsklage der US-Entertainment-Industrie. Der Deal stelle einen weitere "entscheidende rechtmäßige Anwendung" der Scour-Technologie dar, so Kalanick.

Wie auch Napster stützt sich der Filmtauschservice zu seiner Verteidigung auf das sogenannte "Betamax-Urteil" aus dem Jahr 1984. In diesem Prozess wurde entschieden, dass Videorekorder der Firma Sony nicht ausschließlich zur Erstellung von Raupkopien dienen, sondern sich auch für legale Anwendungen – sprich Aufnahme von TV-Programmen oder Abspielen von Amateurvideos – einsetzen lassen.

Scour entläßt Großteil der Belegschaft

Scour hatte erst im vergangenen Monat einen Großteil seiner Belegschaft entlassen müssen, nachdem die Copyrightklage der MPAA und RIAA zahlreiche Investoren verschreckte.

Das Prinzip des "Distributed Computings" war im vergangenen Jahr insbesondere durch das Seti@Home-Projekt bekannt geworden, das auf der Suche nach extraterrestrischem Leben ungenutzte Rechenkapazitäten bündelte. Der derzeitige United-Devices-Chief-Technology-Officer David Anderson, war einst Direktor des Weltraumforschungsprojekts.

Jochen A. Siegle

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