Hoeneß Noch kein Frieden in Sicht

Auf ein unterschiedliches Echo ist die Erklärung des Managers vom FC Bayern München in der Affäre um Christoph Daum gestoßen. Ungeachtet seines Rückziehers geht sein Streit mit dem designierten Bundestrainer weiter.

München - Daums Hamburger Anwalt Matthias Prinz bezeichnete die Hoeneß-Aussagen als "Fallrückzieher, der daneben ging". Es bleibe bei der Strafanzeige gegen Hoeneß wegen Verleumdung und übler Nachrede: "Am Sachverhalt hat sich nichts geändert."

Der Manager des Branchenprimus Bayern München hatte am Dienstag erklärt, dass er nie die Absicht hatte, Daum zu diskreditieren. Auch habe er nie behauptet, dass der Trainer Drogen konsumiere. Einen Anlass, sich bei Daum zu entschuldigen, sah Hoeneß nicht.

Einen Fehler gestand die Münchner "Abendzeitung" am Mittwoch ein, die mit einem Artikel am 26. September die Diskussion um Daum ins Rollen gebracht hatte. Dafür entschuldigte sich die Tageszeitung bei Daum.

Zugleich räumte die Redaktion ein, Hoeneß falsch zitiert zu haben: "Wir haben ihn mit dem gegen Daum gerichteten Vorwurf von 'Erpressungsversuchen' und 'Prostituierten' zitiert, doch diese Begriffe hat Hoeneß nicht benutzt."

Daum will sich nicht weiter zum Bayern-Manager äußern, "und ich werde Hoeneß jetzt nicht diskreditieren, obwohl unsere Rivalität bis zur tiefsten Enttäuschung gewachsen ist", sagte der Noch-Trainer des Bayern-Rivalen Bayer Leverkusen der Illustrierten "Bunte".

Die Bundesliga reagierte auf den Hoeneß-Rückzieher vom Dienstag mit Kritik, aber auch mit Zustimmung.

"Moralisch gehört es mit zum Verwerflichsten, was die Bundesliga bisher gesehen hat", wetterte Trainer Ewald Lienen vom 1. FC Köln in der "Bild"-Zeitung über Hoeneß.

Dagegen beurteilte Hertha-Manager Dieter Hoeneß die Erklärung seines Bruder als "überzeugend und logisch".

Überraschend zurückhaltend reagierte Bayer Leverkusens Manager Reiner Calmund, der seine Freundschaft mit Hoeneß beendet hat: "Ich bin froh, dass Uli einen Rückzug angetreten hat. Aber wir müssen ihm dafür keinen Orden verleihen. Das hat nichts von Edelmut", sagte er im Berliner "Tagessspiegel".

Voraussichtlich am Sonntag wollen Präsident Franz Beckenbauer, Vize Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß vom FC Bayern sowie Calmund und DFB-Vizepräsident Gerhard Mayer-Vorfelder versuchen, die Kontroverse zu lösen. Daums Teilnahme ist nicht sicher.

Bei den Gesprächen geht es auch darum, ob Daum noch Bundestrainer wird oder das Erfolgsduo Rudi Völler/Michael Skibbe weitermachen soll.

Geplant war, dass Daum im Juni 2001 seinen Posten bei Bayer Leverkusen verlässt und das wichtigste Traineramt im deutschen Sport übernimmt.

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