Nouvelles Frontières Jacques Maillot bricht ein

Ohne Hilfe von außen kann Unternehmensgründer Jacques Maillot nicht mehr bestehen. Sein Unternehmen ist bereits mit dem 1,3fachen des Eigenkapitals verschuldet. Der hohe Dollarkurs und die Kerosinpreise zwingen ihn nun zum Handeln.

Paris - Jacques Maillot ist seit Mittwoch gemeinsam mit dem Preussag-Konzern unterwegs zu "Neuen Grenzen". Die heißen auf Französisch "Nouvelles Frontières" (NF), und stehen als Firmenname für eines der größten Reiseunternehmen Frankreichs.

Jahrzehnte standhaft gegen Verlockungen

Mit 34 Prozent wird Preussag bei der NF-Gruppe künftig - nach Maillot - der wichtigste Aktionär. Trotz tagelanger Gerüchte und Dementis schuf der zum Tourismus-Giganten konvertierte frühere Stahl- und Maschinenbaukonzern damit in Frankreich eine Überraschung.

Denn jahrzehntelang war Maillot gegen alle Verlockungen standhaft geblieben und hatte auf unternehmerische Unabhängigkeit gepocht.

Der aus der Pfadfinderbewegung kommende Franzose hatte 1967 mit einigen Weggefährten "den Tourismus demokratisieren" und Reisen in die Ferne für schmale Geldbeutel anbieten wollen. Mangelnde Finanzen kompensierte er mit Improvisation und pfiffigen Ideen.

Komplettangebot wurde zum Hindernis

Seine ersten Schritte in der Tourismusbranche leitete der unkonventionelle Unternehmer mit einer Art Club ein. Die ersten Kunden mussten pro forma Mitglied in seiner Vereinigung werden, um einen günstigen Flug zum Beispiel nach Wagadugu (Ougadougou, Burkina Faso) buchen zu können.

Ähnlich wie der Brite Richard Branson setzte Maillot auf ein Komplettangebot: vom eigenen Reisebüro übers eigene Hotel bis zum eigenen Flieger.

Seit 1990 zählt die Fluggesellschaft Corsair dazu, die mit ihren zwölf Flugzeugen (darunter sechs Boeing 747) rund 2,7 Millionen Passagiere transportiert.

Diese Flugzeugflotte ist einer der Gründe, warum der im christlich-sozialen Unternehmertum verhaftete Maillot nun seinen Widerstand gegen eine fremde Kapital-Beteiligung aufgab.

Mit dem Roller ins Büro

Die anstehende Erneuerung macht dringend neues Kapital erforderlich - und das Unternehmen ist bereits mit dem 1,3fachen seines Eigenkapitals verschuldet. Hinzu kommen derzeit der hohe Dollarkurs und die hohen Kerosinpreise.

Doch Maillot, der statt mit schwerer Limousine mit dem Roller in die Vorstandsbesprechung fährt, verweist auch auf die Marktkonzentration in Europa. Nach der Kontaktanbahnung durch Preussag im April sowie einer Unterredung in Hannover am 5. Mai wurden in der Tourismusbranche die Karten neu gemischt.

Als der deutsche Preussag-Konkurrent C & N die französische Havas Voyages kaufte, versuchte Preussag immer drängender, auch auf dem französischen Markt Fuß zu fassen.

"Es wurde klar, dass - wenn NF nicht mit ihm vorangehen würde - andere seiner Konkurrenten dazu bereit wären, es zu tun. Das war eine nicht auszuschlagende Gelegenheit; vor allem, da sie die Unabhängigkeit von NF wahrt", erklärte Maillot.

Sein Anteil an seinem Imperium mit seinen 6.000 Mitarbeitern wird nach Kapitalerhöhung und sukzessiver Aufstockung der Preussag-Beteiligung von 50,99 Prozent der Anteile auf 38 Prozent sinken. Damit bleibt Maillot weiter wichtigster Aktionär.

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