AOL/Time Warner Dürfen fusionieren

Grünes Licht für die beiden Konzerne. Die EU-Kommission hat heute die Fusion genehmigt, allerdings muss AOL die Beziehungen zum Bertelsmann-Konzern abbrechen. Die Entscheidung gilt als wegweisend.

Brüssel - Der Bruch mit Bertelsmann soll verhindern, dass AOL Zugang zu Europas führendem Verlagsunternehmen hat. Die Gefahr einer Dominanz im entstehenden Markt des Online-Vertriebs von Musik sei damit gebannt, teilte die EU-Kommission am Mittwoch mit.

Die Entscheidung der EU-Kommission kommt nicht überraschend. Seitdem die beiden Musikkonzerne Warner Music und EMI ihre Fusionspläne in der vergangenen Woche aufgegeben haben, war eine Genehmigung durch die EU wahrscheinlich geworden.

Fusionsabsage von EMI/Warner Music entschied

In einer Stellungnahme der Kommission heißt es: "Wenn Europas größter Medienkonzern, das heißt in erster Linie die Bertelsmann Music Group, zu einem unabhängigen Konkurrenten wird, dürfte AOL/Time Warner bei den Musikverwertungsrechten nicht die kritische Masse erreichen, die nötig ist, um marktbeherrschend zu werden".

EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti sagte, der Musikmarkt sei bereits durch einen hohen Konzentrationsgrad gekennzeichnet: "Daher bestand die Gefahr, dass bei einem Zusammenschluss von AOL mit drei der fünf Musikgiganten ein vertikal integriertes Unternehmen entsteht, das auf dem Markt für den Online-Musikvertrieb und Player-Software eine beherrschende Stellung einnimmt. Diese Gefahr ist jetzt gebannt."

Durch die Trennung der Verbindungen zu Bertelsmann hat AOL keinen Zugang mehr zu dessen Musikbeständen und ist nicht mehr in einer Schlüsselposition, in der es die Bedingungen für die Verbreitung von Musikdateien hätte diktieren können. Verhindert wird auch, dass der neue Medienriese seine Player-Software Winamp als die einzige am Markt durchsetzen kann.

AOL/Warner-Ehe muss noch vor US-Behörde bestehen

Bis zu dem Ausstieg von Bertelsmann aus AOL Europe und dem französischen Gemeinschaftsunternehmen AOL Compuserve sllen Übergangsregelungen gelten.

Allerdings ist die Ehe zwischen AOL und Time Warner noch nicht endgültig unter Dach und Fach. Die Pläne der beiden Konzerne müssen noch zwei Regulierungs-Gremien in den USA passieren, bevor sie wirklich umgesetzt werden können. Die EU-Entscheidung gilt in dieser Hinsicht aber als wegweisend.

Fusionen gehören in der Branche zum guten Ton

Hoffnung können sich nun andere an Fusionen interessierte Unternehmen machen. So haben sich der französische Mischkonzern Vivendi und der Gürtersloher Konzern Bertelsmann ähnliche Ziele wie AOL und Warner gesetzt: Sie wollen führende Unternehmen im Geschäft mit medialem "Content" werden, der über das Internet gehandelt wird.

Vivendi wie Bertelsmann verfolgen dabei eine ähnliche Strategie wie AOL: "Wachstum von innen" dauert ihnen schlicht zu lange - daher kaufen sie sich bestehende Unternehmen ein; sofern die Kartellbehörden mitspielen. Vivendi will die Getränke- und Entertainmentfirma Seagram übernehmen, Bertelsmann schielt derzeit nach der EMI.