EM.TV Neuer Finanzchef gesucht

Nach dem misslungenen Rechen-Trick in der Bilanz soll Finanzvorstand Florian Haffa, Bruder des Firmenchefs Thomas Haffa, den Hut nehmen. Unterdessen haben sich auch Grossinvestoren von EM.TV-Aktien getrennt.

Unterföhring - Der Medienkonzern EM.TV sucht einen Nachfolger für Finanzvorstand Florian Haffa. Dieser wolle sich in Zukunft anderen Aufgaben in der Führungsetage des am Neuen Markt notierten Unternehmens widmen, schreibt das "Handelsblatt".

Haffa war für die voreilige Einbuchung von Gewinnen verantwortlich, die bilanztechnisch erst in der nächsten Periode hätten berücksichtigt werden dürfen. Das Unternehmen musste darauf hin eine Gewinnwarnung herausgeben.

Dieser vom Unternehmen als "technischer Fehler" bezeichnete, offenbar misslungene Rechen-Trick kostete die Anleger in drei Tagen fast 40 Prozent des Kurses.

Nicht nur private Anleger werden nun nervös. Auch bei Großinvestoren hat der Börsenstar seinen Glanz verloren. So hat sich der US-Großinvestor Hellman & Friedman von seinem EM.TV-Aktienpaket getrennt.

Die Henson-Familie, ein weiterer Großinvestor, habe einen Teil ihrer 9,1 Millionen Aktien verkauft und halte noch 5,3 Millionen Anteile, erklärte Vorstandschef Thomas Haffa. Weiteren Kursdruck durch den Verkauf dieser Anteile sehe er jedoch nicht.

"Die Haltefrist endet am 28. Februar 2001, und auch danach darf Familie Henson nur in Absprache verkaufen," betonte Haffa.

Trotz der Kurseinbußen in den vergangenen Tagen prophezeit Haffa eine Verdreifachung des EM.TV-Kurses auf 120 Euro. Um dies zu erreichen, setzt EM.TV auf Formel 1 und Internet.

So soll gemeinsam mit einem Distributor ein Kinder- und Jugendportal aufgebaut werden. Konkrete Abschlüsse kündigte Haffa für Anfang des kommenden Jahres an.

Auch in der Formel 1 stecke "noch erhebliches Wachstumspotenzial". Die Formel-1-Holding SLEC könnte 2001 an der Börse verkauft werden.