Yahoo Kurssturz totz guter Zahlen

Die Umsatzzahlen haben an der Wall Street nicht überzeugen können. Der Aktienkurs des Internet-Riesen ist um knapp ein Fünftel eingebrochen und zieht andere Technologiewerte mit nach unten.

Palo Alto - Der Kurs der Aktien des Internet-Anbieters Yahoo ist am Mittwoch als Reaktion auf die nur leicht über den Erwartungen liegenden Quartalszahlen des US-Unternehmens eingebrochen.

An der Nasdaq fiel die Yahoo-Aktie knapp 19 Prozent auf etwa 67 Dollar. Der weltweit führende Internet-Anbieter hatte am Dienstag nach Börsenschluss mitgeteilt, der Gewinn habe im dritten Quartal ohne Berücksichtigung von Einmaleffekten auf 81,1 (Vorjahr 38,5) Millionen Dollar zugenommen.

Erwartungen übertroffen, Ziel dennoch verfehlt

Damit übertraf das Unternehmen die Prognosen von Analysten nur knapp und überzeugte die Finanzmärkte daher nicht. Branchenkenner, die Yahoo als Indikator für die Internet-Branche sehen, sorgten sich unter anderem über die künftige Entwicklung der Werbeeinnahmen.

Yahoo war das erste führende Internet-Unternehmen, das seine Zahlen für das dritte Quartal vorlegte. Das Unternehmen mit Sitz im kalifornischen Santa Clara teilte mit, der Umsatz habe auf 295,6 (Vorjahr 155,9) Millionen Dollar zugenommen.

Der um Einmaleffekte bereinigte Gewinn entsprach einem Gewinn je Aktie von 13 US-Cents nach sechs Cents im Vorjahr. Analysten hatten im Schnitt einen Gewinn je Aktie von etwa zwölf Cents erwartet. Insgesamt stieg der Nettogewinn von Yahoo bis September auf 47,7 (Vorjahr 11,1) Millionen Dollar an.

Yahoo-Zahlen gelten als Indikator für die Technologiebranche

Beobachter sehen die Yahoo-Quartalszahlen als wichtigen Indikator für die Geschäftsentwicklung der Technologiebranche und speziell der Internet-Branche an. Branchenbeobachter verwiesen darauf, dass Yahoo üblicherweise die Prognosen deutlich übertroffen habe.

"Das ist das geringste Übertreffen der Prognosen seit mindestens anderthalb Jahren, wenn nicht sogar in der Geschichte des Unternehmens", sagte Analyst Derek Brown von W.R. Hambrecht zur Umsatzentwicklung. Es scheine klar, dass die Schwäche auf dem Markt mit Online-Werbung einen Einfluss bei Yahoo habe.

Yahoo teilte dazu mit, im vergangenen Quartal seien 3450 Inserenten und Online-Händler bedient worden. Im zweiten Quartal hatte diese Zahl 3675 betragen. Finanzchefin Sue Decker sagte, knapp über 40 Prozent des Umsatzes seien im dritten Quartal mit reinen Internet-Unternehmen erwirtschaftet worden, nachdem dieser Anteil im zweiten Quartal noch 47 Prozent betragen habe.

Die Dotcom-Pleite belastet Yahoo

Der größte Teil dieses Rückgangs ist nach den Worten von Firmenchef Jeff Mallett auf Internet-Unternehmen zurückzuführen, die ihr Geschäft aufgegeben oder ihre Werbeausgaben im Internet gestoppt hätten. Mallett lehnte eine Stellungnahme zu der Frage ab, ob Yahoo von Quartal zu Quartal künftig wieder mit einer zweistelligen Rate wachsen werde.

Seit Jahresbeginn hat die Yahoo-Aktie etwa zwei Drittel an Wert verloren. An der US-Wachstumsbörse Nasdaq stürzte die Aktie auf einen Jahrestiefststand von gut 66,50 Dollar ab. In der ersten Handelsstunde wechselten fast 16 Millionen Aktien den Besitzer. Die Investmentbank Merrill Lynch hielt unterdessen ihre Prognose für den Gewinn je Aktie von Yahoo für 2001 konstant, hob die Umsatzprognose dagegen sogar leicht an.

Durch die Vorgaben der Nasdaq vom Dienstag und auch die Yahoo-Zahlen sowie die enttäuschenden Veröffentlichungen des Telefonherstellers Motorola und des Telekom-Ausrüsters Lucent gerieten die europäischen Technologiebörsen am Mittwoch erneut unter Druck.

Lucent hatte am Vorabend eine Gewinnwarnung für das vierte Quartal bekannt gegeben. Beim zweitgrößten Funktelefon-Hersteller der Welt, Motorola, waren die Umsätze im dritten Quartal etwas schlechter ausgefallen als von den Märkten erwartet.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.