Preussag Holt sich den zweitgrößten Reiseveranstalter Frankreichs

Der ehemalige Stahlkocher schnappt sich den zweitgrößten französischen Reise-Veranstalter Nouvelles Frontières. Konkurrent C & N hat wieder das Nachsehen, nachdem Preussag schon bei Thomson Travel die Nase vorn hatte.

Hannover - Preussag und Nouvelles Frontières wollen eine Industrie- und Handelsallianz gründen, die gemeinsam mit der britischen Thomson Travel Group das erste weltweit agierende Unternehmen im Touristiksektor sein soll.

Die 1967 gegründete Nouvelles Frontières erwirtschaftete 1999 mit preisgünstigen Reiseangeboten und den eigenen Fluglinien Corsair und Aerolyon einen Umsatz von mehr als neun Milliarden Franc.

Die nun anstehenden Investitionen für die Modernisierung seiner Fluglinie und die Weiterentwicklung seiner Hotelkette Paladiens kann sie nach Einschätzung von Experten aus eigener Kraft nicht mehr leisten.

"Es ist nicht unsere Absicht, die Marke Nouvelles Frontières in Nordeuropa einzuführen. Aber über unser Netzwerk von 3.215 Büros in Europa werden ihre Produkte verkauft", sagte Rolf Corsten von der Preussag-Tochter TUI.

Preussag wird im November sechs Prozent und dann binnen 18 Monaten durch eine Kapitalerhöhung weitere 28 Prozent an Nouvelles Frontières übernehmen.

Die Finanzierung könne aus dem in der vergangenen Woche verabschiedeten Desinvestitionsprogramm mitfinanziert werden, sagte der Preussag-Vorstandsvorsitzende Michael Frenzel.

Angaben zum Kaufpreis machte er dagegen nicht. Aus Unternehmenskreisen war aber zu erfahren, dass sich dieser in einem niedrigen dreistelligen Millionene-Euro-Bereich bewege.

Frenzel gibt sich optimistisch, nach dem Anteilserwerb an dem französischen Reiseveranstalter Nouvelles Frontières auch bald die Mehrheit übernehmen zu können. Eine entsprechende Option dafür bestehe.

Der Verwaltungsratsvorsitzende des französischen Reiseveranstalters, Jacques Maillot, sieht durch den Einstieg von Preussag nicht das bisherige Management in Frage gestellt. "Ich bin überzeugt, dass man erhebliche Profite erwirtschaften und zugleich seine Angestellten gut behandeln kann".

Condor & Neckermann (C&N) wird an der Übernahme keine Freude haben. Vorstandsvorsitzender Stefan Pichler, seit Januar Chef bei C&N, will sein eigenes Unternehmen zu Europas Nummer eins im Reisegeschäft machen.

Diese Position hat Preussag gerade ausgebaut.

Derzeit belegt C&N europaweit Platz drei. Im Sommer unterlag C&N dem Konkurrenten Preussag bereits bei der Übernahme des britischen Urlaubskonzerns Thomson Travel.