Cisco/Microsoft Steuern, was ist das?

Der Netzwerk- und der Software-Riese, zwei der größten Unternehmen der Welt, haben im vergangenen Jahr keine Steuern gezahlt. Und zwar ganz legal. Das Zauberwort heißt Aktienoptionen.

San Jose/Kalifornien - Cisco und Microsoft haben sich im Geschäftsjahr 1999/2000 - wie viele andere High-Tech-Firmen - dem Zugriff des US-Finanzamtes erfolgreich entziehen können, berichtet der "San Francisco Chronicle".

Der Grund liegt darin, dass sie ihre Angestellten zu einem großen Teil mit Aktienoptionen bezahlen. Jede ausgeübte Aktienoption aber können die Unternehmen nach US-Recht von der Steuer absetzen.

Das Gesetz wurde vor Jahren eingeführt, als nur wenige Top-Manager mit Optionen bezahlt wurden. Der Steuervorteil war daher gering. Inzwischen sind Optionen so weit verbreitet, dass der resultierende Steuervorteil die Steuerschuld eines gewinnträchtigen Unternehmens völlig ausradieren kann.

Im Fall Cisco, mit einer Marktkapitalisierung von 400 Milliarden Dollar das nach Börsenwert zweitgrößte Unternehmen der Welt, rechnet die Zeitung das so vor: Das Ergebnis vor Steuern betrug für das abgelaufene Geschäftsjahr 4,34 Milliarden Dollar. Die Steuerschuld (Federal Tax) belief sich insgesamt auf 1,8 Milliarden Dollar.

Wegen der guten Kursentwicklung haben die Cisco-Angestellten im letzten Jahr überdurchschnittlich viele Optionen eingelöst - und dabei insgesamt sieben Milliarden Dollar verdient. In den Augen des Steuergesetzes zählen diese Spekulationsgewinne als Personalkosten und sind daher absetzbar. Cisco sparte Steuern in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar.

Ein Cisco-Sprecher bestätigte, dass das Unternehmen keine Steuern gezahlt hat. Eine Microsoft-Sprecherin wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Doch auch der Riese aus Redmond, Nummer vier in der Börsenwertrangliste, profitierte von dem Loch in der US-Gesetzgebung: Der Steuerschuld von 4,74 Milliarden Dollar standen Abzüge von 5,5 Milliarden Dollar gegenüber, schreibt der "Chronicle".