Chiyoda AIG wirft Rettungsanker

Der US-Versicherungsriese AIG will bei der Rettung des bankrotten japanischen Lebensversicherers helfen. Der Chiyoda-Zusammenbruch verhagelte unterdessen die Stimmung am Tokioter Aktienmarkt.

Tokio - "Wir haben eine Nachfrage von Chyioda um Hilfestellung bei ihrer Restrukturierung erhalten", bestätigte eine Sprecherin der American International Group (AIG) am Dienstag. Es sei beabsichtigt, der Anfrage zu entsprechen, sagte die Sprecherin weiter.

Eine endgültige Entscheidung könne aber noch nicht getroffen werden, da nun die Gerichte das weitere Vorgehen bestimmten. Unterdessen ist man sich auf Seiten der japanischen Regierung nicht sicher über die möglichen Auswirkungen der Versicherungspleite.

Die Börse in Tokio konnte erst am Dienstag auf den Chiyoda-Zusammenbruch reagieren; am Montag war sie wegen eines Feiertags geschlossen geblieben. Der japanische Aktienmarkt beendete den Handel schwach. Bis zur Schlussglocke gab der Nikkei rund ein Prozent ab auf 15.827 Punkte.

Der Einfluss des Konkurses von Chiyoda Mutual Life sei relativ begrenzt gewesen, obgleich die psychologische Wirkung erheblich bleibe, kommentierte ein Händler von Nippon Global Securities. Der schwache Zustand des Aktienmarktes würde zu den Schwierigkeiten von Finanzunternehmen hinzukommen.

Taichi Sakaiya, Chef der japanischen Wirtschaftsplanungs-Behörde EPA, sagte, der Zusammenbruch sei ein Beispiel dafür, dass man hinsichtlich der Wirtschaft nicht optimistisch sein könne. Jene, die in den unruhigen Zeiten auf vorgeblich sichere Werte der Old Economy setzen, erhalten nun aus Asien ein Dämpfer.

Branchenbeobachter gehen davon aus, dass die Konsolidierung der japanischen Finanzwirtschaft in den kommenden Jahren anhalten wird. Nach der Deregulierung des heimischen Marktes seit 1998 habe sich der Konkurrenzdruck aufgrund des Auftretens ausländischer Mitbewerber noch verstärkt.

Viele Unternehmen müssten sich deshalb aufgrund ihrer schwachen finanziellen Basis unter die Fittiche starker Partner retten. Chiyoda hat sich nun als Retter den, am Börsenwert gemessen, größten Versicherungskonzern der Welt als Retter auserchoren.

Die Ursachen für die Schieflage von Chiyoda reichen bis in die 80er Jahre zurück. Nach der damaligen Finanzkrise hatte der Versicherer zahlreiche unrentable Vermögenstitel in seinem Bestand. Hinzu kamen fallende Aktienkurse und die schwache Binnenkonjunktur. Chiyoda Mutual ist das erste Unternehmen, dass nach einem neuem Gesetz vom Juni dieses Jahres Gerichtsschutz beantragt hat.