Börse Aktienhändler warnen vor der Bullenfalle

Händler ermahnen die Anleger zur Vorsicht: Wer nach der jüngsten Talfahrt bereits jetzt an einen Wiedereinstieg denkt, könnte in eine Bullenfalle tappen.

Frankfurt am Main - Es sei riskant, sich jetzt schon wieder am Markt zu engagieren, da die Kurse noch tiefer fallen könnten. Wer sich zu früh optimistisch - im Börsenjargon "bullisch" - gibt, wird eventuell Verluste einfahren. Die Bullenfalle könnte dann erbarmungslos zuschnappen.

Die "Bullen" stehen in der Börsensprache für die Optimisten, die "Bären" für die Pessimisten.

Die weitere Kursentwicklung wird unter den Händlern kontrovers diskutiert. Einige sehen bereits Anzeichen einer Stabilisierung und damit den Boden des "Bärenmarkts" mit seinen auf längere Sicht sinkenden Kursen erreicht.

Käufer brauchen jetzt viel Mut

Andere erwarten hingegen, dass die Bärenstimmung an den Märkten noch anhält und der Bullenmarkt mit seinen längerfristig steigenden Kurse noch auf sich warten lässt. "Wer jetzt kauft, muss sehr mutig sein", sagte ein Händler.

Die beiden Symboltiere der Börse haben am deutschen Aktienmarkt bisher im Jahresverlauf nahezu gleichgroße Kräfte gezeigt. Der Dax wurde am Dienstagvormittag mit rund 6700 Zählern nahezu auf jenem Niveau notiert, zu dem er in das Jahr 2000 gestartet war.

Auch der Neue-Markt-Index Nemax verzeichnet bis dato einen Zuwachs von nahezu Null.

Bärenstimmung nach rasanten Kursanstiegen

Die über den Jahreswechsel 1999/2000 andauernde euphorische Stimmung beförderte Dax und Nemax Anfang März auf Rekordstände von 8136 beziehungsweise 8546 Punkten, kurz darauf schlug die Stimmung an der Börse aber um.

Auf die rasant gestiegenen Kurse bei wachstumsträchtigen Technologietiteln folgte nach warnenden Stimmen über die hohen Bewertungen die Ernüchterung.

Eine Seitwärtstendenz - die Kurse stagnierten - schloss sich an, auf die Anfang September nach Zinsängsten und Gewinnwarnungen einiger Wachstumsunternehmen ein deutlicher Abschwung folgte.

Bärenstimmung machte sich breit, wegen der in schneller Folge wegbrechenden Kurse galt der Markt als stark überverkauft.

Kommt jetzt die Herbstrallye?

Die Optimisten unter den Aktienhändlern sehen nun ein Ende dieser Entwicklung: "Wir haben jetzt gerade am Neuen Markt erstmal schöne Tiefstände gesehen, die einen Wiedereinstieg günstig erscheinen lassen", heißt es.

Ein Wiederaufschwung sei möglich, selbst von einer möglichen Herbstrallye werde leise gesprochen, hieß es.

Schlägt das Oktober-Gespenst erneut zu?

Die Warner vor der Bullenfalle argumentieren hingegen, dass technische Aktienanalyse und Unsicherheiten über die in den USA laufende Quartalsberichtserstattung der Unternehmen dafür sorgen könnten, dass die Aktienkurse noch weiter abrutschen.

Skeptisch äußerten sich viele Händler vor allem im Hinblick auf den Kalender. "Der traditionell schwache Börsenmonat Oktober, der schon zahlreiche Kursstürze erlebt hat, ist noch lang", hieß es.

Nach dem "Schwarzen Freitag" im Jahr 1929 brachen im Jahr 1987 die Weltbörsen ebenfalls in der zweiten Oktoberhälfte zusammen. Auch in den Jahren 1989 und 1998 hatten die Aktienkurse jeweils im Oktober einen kräftigen Dämpfer bekommen.