Citroën C5 Charakterloser Franzose

Die Zukunft von Citroën ist gutbürgerlich: Im neuen C5 wollen die französischen Autobauer den Fahrer möglichst umfassend bemuttern - vom Scheibenwischer bis zur Warnblinkanlage.

Die Weltpremiere in Paris geriet pathetisch: "Mit dem großen C5 fährt Citroën in eine neue Epoche", hieß es, als der Wagen enthüllt wurde. Doch statt überraschter Aaahs und Ooohs gab es nur braven Applaus. Das Auto, mit dem alles neu werden soll, ist zwar technisch aufregend, optisch aber ein Langweiler.

Die Neuerungen, mit denen der C5 vorfährt, sind zahlreich. Da wäre zuerst der neue Name, in dessen Logik künftig die Modellreihen französische Marke bezeichnet werden sollen. Als nächstes folgt beispielsweise im Jahr 2004 die neue Oberklassen-Limousine C6.

Zudem ist der neue Wagen das erste Auto, das auf der neuen Plattform 3 des PSA-Konzerns für Mittel- und Oberklassenfahrzeuge erscheint. Neu ist auch die Technik des hydropneumatischen Fahrwerks, "Hydractive III" genannt.

Die Freude über den Komfort des Systems wurde früher von regelmäßigen Werkstattaufenthalten getrübt. Deshalb betont Citroën, im C5 sei die Hydropneumatik "bis fünf Jahre oder 200.00 km völlig wartungsfrei".

Die Franzosen behaupten darüber hinaus, Hydractive III sei "das intelligenteste Fahrwerk auf dem Markt". Sensoren unterscheiden tischebene oder holprige Fahrbahnen und regulieren die Bodenfreiheit entsprechend. Auch bei hohem Tempo, etwa auf Autobahnen, geht der Wagen leicht in die Knie, um den Luftwiderstand zu senken und die Stabilität zu verbessern.

Komfort ist das Argument, mit dem Citroën die Kundschaft überzeugen will. C5-Fahrer sollen möglichst gut umsorgt werden. So kümmert sich die Elektronik um die Beleuchtung bei Dunkelheit oder im Tunnel, zudem werden bei einsetzendem Regen die Scheibenwischer angeschaltet sowie Fenster und Schiebedach geschlossen. Bremst der Fahrer heftig, beginnt automatisch das Warnblinklicht zu arbeiten, und das Radio reagiert auf Tempowechsel mit einer höheren oder geringeren Lautstärke.

Für jene, die den C5 vorwiegend als Geschäftsauto nutzen, bietet Citroën den Auto-PC an. Das Gerät ist eine Kombination aus Navigationssystem, Radio und Telefon und wird per Sprachsteuerung bedient.

Im Januar 2001 soll der Wagen auf den Markt kommen, und zwar zunächst mit zwei Motoren. Einem Drei-Liter-V6-Benziner mit 207 PS (152 kW) und einem maximalen Drehmoment von 285 Nm, der das rund 1,5 Tonnen schwere Auto in 8,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt, eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h möglich macht und im Schnitt nach Werksangaben 9,6 Liter Superbenzin schluckt.

Der zweite Motor ist ein 2,2-Liter-Common-Rail-Turbodiesel mit einer Leistung von 133 PS (98 kW) und 317 Nm Drehmoment. Die Abgase dieser Maschine werden vom Partikelfilter von PSA gereinigt. Die Fahrdaten des Motors: Beschleunigung von 0 auf 100 km/ in 10,9 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 205 km/h, Durchschnittsverbrauch 6,4 Liter je 100 Kilometer.

Die Sicherheitsausstattung (sechs Airbags), das Platzangebot für Passagiere und Gepäck (Kofferraumvolumen 456 Liter) und die Ausstattung genügen auch gehobenen Ansprüchen. Leider lässt sich dies vom Design nicht sagen. Zwar gelang es den Karosseriearchitekten, einen cW-Wert von 0,30 zu erreichen, doch der Preis dafür ist ein Auto ohne jenen Charakter, der vor allem Citroën-Fahrzeuge einmal auszeichnete. Insofern treten die Franzosen nun endgültig in eine neue Epoche ein.

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